Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-04-15 · Heft 16 (15.4.1927) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 16 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064315--15345-3088124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 8 «lililH^ DIE WAHRHEIT Was sich Herr Wotawa denken mag: „Ich komme mir jetzt wie ein politischer Marek vor. In der Leopoldstadt habe ich mir den Riehl abgehaut, weil mir Dr. Seipel versichert, daß er in Mariahilf dieses wertvolle Glied für die Partei wieder retten wird. Aber ich fürchte, der Seipel verspricht auch oft mehr als er halten kann." * * * Herr Dr. Seipei macht sich als Priester sicherlich peinigende Vorwürfe, daß er als Politiker sich mit Leuten wie Riehl und Schulz alliierte, die das Neue Testament ebenso mit Füßen treten wie das Alte Testament. Die Großdeutschen grollen ihm, daß er ihren Riehl in der Leopoldstadt fallen ließ. Die Christlichsozialen grollen ihm, daß er den Schein erregte, als ob er den Juden eine Konzession gemacht hätte. Die Juden sind erbittert, daß er sich jetzt in Mariahilf sogar mit zwei Hakenkreuzlern assoziierte. In dieser mit Dr. Seipel unzufriedenen Einheitsliste fehlt nicht einmal — Dr. Seipel. Hätte Herr Karl Schulz von der „Deutschen Arbeiterpresse" nicht allen Grund, vorläufig von Herrn Dr. Seipel entzückt zu sein, wäre die Einheitsliste der Unzufriedenen wirklich komplett. * Man mutet den jüdischen Wählern in Mariahilf und Neubau wirklich einen sehr gesunden Magen zu. Dr. Riehl und Herr Schulz sind die Judenfresser und die Juden sollen sie verdauen? * * * Es gibt Verteidigungen, die man schwer von Angriffen unterscheiden kann und Komplimente, die verdammt einer Beschimpfung ähnlich sehen. So hat z. B. die „Neue Freie Presse", die gewiß Herrn Dr. Seipel nicht zu weh tun will, ihm — nach dem Verzicht Riehls im zweiten Bezirk — das schmeichelhafte Zeugnis ausgestellt: „Die Regierung zeigt, daß sie vernünftigen Argumenten zugänglich ist." Wie bescheiden müßte Herr Dr. Seipel sein, wenn ihn auch schon diese Anerkennung stolz machen würde. * # * Auch in der „Reichspost" war zu lesen, Herr Dr. Seipel hätte — wohl mit Hinblick auf Riehl und Schulz — in einer Wählerversammlung buchstäblich erklärt: „Wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen." Nach dieser Umschreibung des Grundsatzes: der Zweck heilige die Mittel, wird man Riehl und Schulz zunächst als sonderbare Heilige anerkennen müssen. * * * Das hakenkreuzlerische Schandblatt hat zur Abwechslung nämlich, nicht eine Liste der zu ermordenden Juden seinen Verehrern mitgeteilt, sondern diese an den alten Dominikanermönch erinnert den — nach Aussage bezahlter Schurken — die vornehmsten Juden Damaskus zu rituellen Zwecken abschlachteten. Nachdem das Schandblatt eine Woche lang wirklich anstandslos verbreitet worden war, ließ es die Staatsanwaltschaft konfiszieren. Diese, wenngleich etwas verspätete Maßnahme war schon aus politischen Gründen zu begrüßen. Mit solchen Druckwerken wird die Einheitsliste der Regierung, namentlich in der Osterzeit wirklich nicht unterstützt. * * * Karl Schulz: „Na, lieber Walter, jetzt sind wir doch wenigstens wieder auf der Einheitsliste beisammen." Dr. Walter Riehl: „Was red'st du Karl? Waren wir denn je auseinander?" Ego. erbet Abonnenten fOr „Die Wahrheit' Bezugsbedingungen : Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8-50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei 2K60.—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.—, Amerika 17j Doli., Italien Lire 40.—.EnglandSchilling 15.—, Rumänien Lei 300—, Jugoslawien Dinar 100.— FLEISCHH AUEREI^ SIEGMUND KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE KR. 97 Telephon Nr. 17-3-99 and 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für Koscherfleisch H., IirggassB IS und XVIII., Kifirifigirstratü 97 unter Aufsicht des ,ehrwr. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima- Qualität zu den billigsten Marktpreisen »• Soeben erschienen i Handworfcrimen für Polifllf and Wirf SChOtt der GCgeiiWfflT' Ulf Karlen, Portrais und Tobellen Von Regierungsrat J. Kreppel Lieferung l.: Aachen - Arabien Das „Handwörterbuch" erscheint in 18 Lieferungen zu je 64 Seiten Quart, bezw. in zwei Leinenbänden zu je 576 Quartseiten. — Subskriptionspreis für das Gesamtwerk 35 Mark. — Preis per Lieferung 3 Mark. Verlag „Das Buch", Wien, 1., Postamt 9, Postfach 22 ScdcraDend Angenehme, echt jüdische Sederdbende können Sie verbringen im Restaurant J. NAGEL (Hole! NewYorh) Wien 11., Kleine Sperlgasse 5 Großes Lager bester flDS Qualitätsweine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.