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Die Wahrheit · 1927-04-08 · Heft 15 (8.4.1927) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 15 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT lillllllilllllllllllllllllllll^ Seite 5 Ueberströmend von Wohlwollen gegen alle, ist er der liebevolle Väter und Großvater für. seine eigenen Kinder. Seit ihm seine Frau entrissen wurde, ist er untröstlich, und er hängt an ihrer Erinnerung, wie an der einer Heiligen. Eine Frau war es, reich an Tugenden, dem Judentum gleich warm ergeben wie er selbst, die ihm ein echt jüdisches Heim bereitet, seine Kinder religiös erzogen, sein Leben verklärt und verschönt hatte. Mit ihr wich der Glanz seines Hauses. Den hochbetagten, aber immer rüstig schaffenden Greis betreut, seitdem seine verwitwete Tochter, Frau Lina Kupfer, deren Name genannt werden muß, wenn wir dem wackeren Manne anläßlich seines neunzigsten Wiegenfestes diese schlichten Worte des Grußes widmen; daß er uns erhalten blieb, frisch und gesund erhalten blieb, haben wir nächst der göttlichen Vorsehung i h r zu verdanken. So möge ihr, der ganzen Familie, uns allen, die wir Albert Low kennen und verehren, vergönnt sein, ihn noch lange unter den Lebenden weilen zu sehen, einen guten Menschen, einen aufrechten Juden! * * * Auch die Redaktion der „W a h r h e i t" möchte das neunzigste Wiegenfest Albert L ö w s nicht vorübergehen lassen, ohne ihrem bewährten und langjährigen Freunde und Mitarbeiter ihre aufrichtigsten Glückwünsche und den herzlichsten Dank zu übermitteln. Aus seinem reichen Wissen und seiner ungeheuren Erfahrung hat er in den Spalten der „Wahrheit" immer wieder neue kostbare Schätze der Weisheit, des Geistes — und Herzensbildung gespendet und dabei, unterstützt von einem Gedächtnis, wie man es selten findet, immerdar aus dem Vollen geschöpft, aus dem vollen Born des Lebens und vor allem wahrhaften jüdischen Lebens. Möge der Allmächtige Albert Low die Kraft verleihen, noch viele Jahre für sein über alles geliebtes Judentum und seine Glaubensbrüder zu wirken! Mögen der Dank und die Verehrung, die ihm diese von allen Seiten entgegenbringen, dazu beitragen, ihm den Lebensabend zu verschönern! * * * Albert Low zu seinem neunzigsten Geburtstage. Einer der besten in unserer Mitte, Albert Low, begeht am Sabath Hagadol seinen 90. Geburtstag, und aus diesem Anlasse richten dessen vielfache Verehrer und Freunde an ihn die herzinnigsten Glückwünsche. Geboren in Hölleschau (Mähren), im Jahre 1837 als einziges Kind eines geachteten Elternhauses, verließ er schon mit 13 Jahren seine Vaterstadt, um zunächst Schule und Technik in Troppau, bzw. Wien zu absolvieren und sich für den künftigen Beruf vorzubereiten. Nebenher besuchte er den Oberlehrerkurs am Pädagogium. In seinem Berufsleben betätigte er sich in der Leitung von Spiritusraffinerien sowohl in Klasno (Galizien), als auch in Linz und Budapest stets mit anerkanntem Erfolg und bei besonderer Aufmerksamkeit und Liebe seitens seiner Chefs. Die Erfüllung seiner Berufspflichten bildeten für Low keinen wie immer gearteten Hemmschuh für sein Streben nach stetem, geistigen Fortschritt. Durch Willenskraft und emsigen Fleiß erwarb er sich umfassende Kenntnisse im jüdischen Wissen und sein geistiger Horizont dehnte sich durch regen schriftlichen Verkehr mit hervorragenden Wissenschaftlern zusehends aus. Schreiber dieser Zeilen erinnert sich noch an einen interessanten Briefwechsel mit dem unrühmlich bekannten Judenfresser Istoczy, dem er offene Wunden in zartester Stilform geschlagen hat und Albert Low Anerkennung in Pester jüdischen Kreisen brachte. Wir finden den Jubilar bald als Schriftsteller, bald als Verfasser von Broschüren unablässig für die Rechte seiner Brüder wacker kämpfend. Neben seiner großen ergebenen Sympathie für seine Geburtsstadt unterließ er es nicht, , sich in seiner Stellung in rtDs bü w KUNEROL Verbürgt reines Fett aus Kokos» nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Knnerolwerke A. G., Wien* Atzgersdorf, gepreßt und die Er* zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrab» biners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng« gläubigen ohne Bedenken zur Zubereis tung der Speisen verwendet werden. ] wv*---.^-- Galizien für Aufklärung der Juden voll und ganz einzusetzen, während er später in Linz a. d. Donau die Anregung zum Baue des ersten Tempels bot. Zudem suchte er in seinen Öfteren Vorträgen in Holleschau sowie in Wien stets das Interesse für das jüdische Geschichtswesen neu zu beleben. Auch die Bestrebungen der Tierschutzfreunde — allerdings nicht im Sinne der Gegner der jüdischen Schlachtweise — fanden in Low warme Förderung. Die Herausgabe einer Schrift über Tierschutzverhältnisse in der Bibel brachten ihm die Würde eines Ehrenbruders seitens mehrerer deutscher Städte. Ebenso erfolgreich als seine publizistischen Arbeiten, gestaltete sich auch sein Wirken im Dienste der Wohltat. Ausgestattet mit besonderer Feinfühligkeit des Gemütes wurde sein jüdisches Herz bald von Mitleid erfüllt und zu Tränen gerührt, wo immer ihm Unglück gegenüber trat und ungesäumt stellte er sich in den Dienst der werktätigen Menschenliebe. In geradezu vorbildlicher Treue bekundet Low seine Anhänglichkeit der Vaterstadt Holleschau, an deren Geschicke und Entwicklung er ununterbrochenen Anteil nimmt. Die dortigen Anstalten — Frauenverein, Bibliothek, usw. — entsprangen lediglich seiner Intervention. Es verdient betont zu werden, daß Low nicht verfehlte, jahraus-jahrein seine Geburtsgemeinde aufzusuchen und dortselbst zur Genugtuung aller, den Sekretär, den Anordner, den Anreger und den Vortragenden zu spielen; Holleschau bildete und bildet noch jetzt seine ^ganze Lebensanschauung. Die dankbare Stadt ernannte ihn auch zum Ehrenbürger und die wohltätigen Stiftungen zu ihrem Ehrenmitglied. Während seines wohlverdienten Ruhestandes in Wien entstand aus gleichen Motiven bei ihm die Idee auf Schaffung des „Vereines der Holleschauer in Wien", für welchen Low restlos bemüht bei den in Wien lebenden Holleschauern den Zusammenhang mit der Heimat lebendig zu erhalten. Selbstredend werden durch die gesammelten Mitgliedsbeiträge Bedürftige sowie Studierende unterstützt und gefördert. Dieser Mann, der als einer der großen Idealisten unserer Zeit ruhig bezeichnet werden kann, hat in seinem Leben weder Gegner noch Widersacher, vielmehr aber begeisterte Freunde und Schüler, die ihn in seiner edlen Ausdauer und Tatendrang stets bewundern. Wien, im April, 5687. Josef Perlberge r.

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