Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 15 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 illlliillllllllllllllllllüllillllllll Schindler, 4. Wahlkreis (Leopoldstadt, Brigittenau, Floridsdorf) Rechtsanwalt Dr. Oskar Hein, 5. Wahlkreis (Margareten, Favoriten, Simmering} - Tischlermeister Karl B e r g, 6. Wahlkreis (Meidling, Hietzing, Rudolfsheim) Handelskammerrat Alois Pokorny, 7. Wahlkreis (Fünfhaus, Ottakring, Hernais) Garagenbesitzer Julius Paul. Die Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahlen sind folgende: Oberstleutnant Rudolf Brunner (1. Bezirk), Rechtsanwalt Alexander Marschik (2. Bezirk), Dr. Hans Nader er (3. Bezirk), Oberst i. R. Friedrich Bitterlich (4. Bezirk), Bildhauer Stephan Eisenberg (5. Bezirk), Fabrikant Karl Fröhlich (6. Bezirk), Kommerzialrat Bertold Groß (7. Bezirk), Kaufmann Josef Gens er (8. Bezirk), Rechtsanwalt Dr. Oskar Hein (9. Bezirk), Schuhmachermeister Josef Prihoda (10. Bezirk), Schuhmachermeister Peter Reith (11. Bezirk), Tapezierermeister Johann Sabat i c h (12. Bezirk), Straßenbahner Franz H o 11 e r (13. Bezirk), Tischlermeister Vinzenz Balcar (14. Bezirk), Schuhmachermeister Wenzel Weillisch (15. Bezirk), Gastwirt Franz Vybiral (16. Bezirk), Gastwirt Adolf Knorr (17. Bezirk), städtischer Verwaltungsoberkommissär Otto S t o e h r (18. Bezirk), städtischer Verwaltungsoberkommissär Willibald V o i t h (19. Bezirk), Garagenbesitzer Julius Paul (20. Bezirk) und Siedler Paul Mislivecek (21. Bezirk). Albert Low zum Gruß. Von Prof. Dr. S. K r a u s. Am „großen" Sabbat 5687 wird Albert Low neunzig Jahre alt. Solche neunzig Jahre machen den Menschen an und für sich ehrwürdig — wie erst, wenn man sie so zugebracht hat, wie unser verehrter Jubilar, in Gottesfurcht, im Dienste der Menschheit, im Wohltun, in heißer Liebe zum angestammten Glauben. In allen Orten, in denen Albert Low gelebt hat, hat er sich bekannt und beliebt gemacht: in Budapest, Linz, Wien, um nur die namhaftesten Etappen seines Lebens zu nennen. Aber ganz besonders ist es tiolleschau in Mähren, seine Geburtsgemeinde, der er mit Leib und Seele gehört; noch heute, mit seinen 90 Jahren, versieht er die Agenden des Vereines der Holleschauer in Wien, dem er zugleich Präsident, Sekretär und Kassier ist. Aus der rühmlichst bekannten altehrwürdigen Kehilla von Holleschau hervorgegangen, besitzt Albert Low ein umfassendes Wissen in jüdischen Dingen, ein Wissen, das er durch eifrige Lektüre stets in sich wachzuhalten und zu vermehren verstand. Zeit seines Lebens Geschäftsmann, sucht er dennoch mit Vorliebe den Verkehr mit gelehrten Männern und besonders mit Rabbinern. Mit Wärme und inniger Verehrung spricht er von den großen rabbinischen Gestalten, mit denen ihn sein langes Leben zusammengeführt hat; ob er nun von ihrer Meisterschaft im „Lernen", von ihrer Frömmigkeit, von ihren Familienverbindungen zu erzählen hat, er ist in gleicher Weise ihr Bewunderer und der Verkünder ihres Ruhmes. „Jichus" — das ist es, was ihn besonders anzieht. Darin ist er eine frisch sprudelnde lebende Quelle der Tradition, und er hat alles, alles im Gedächtnis bewahrt, darin nicht unähnlich den großen Gestalten der Vergangenheit, die nicht so sehr in Bücherweisheit als vielmehr tief in den Erfahrungen des Lebens steckten. Gar mannigfach sind seine Erinnerungen. Er, der so viel auf „Jichus" hält, weiß natürlich auch von seinen ausgezeichneten Vorfahren manches zu erzählen, und die Frau, die er sich einst erkoren hatte, half ihm seinen mit Recht hochgehaltenen „Jichus" noch zu vermehren. Seine Größmutter, die eine Schönheit war, durfte 1820 vor Kaiser Franz erscheinen — es war das in A n d e n d o r f bei Troppau — um die Verhängung von schweren Umlagen, die gegen die jüdische Bevölkerung des Landes geplant waren, abzuwehren. Gern erzählt Low folgende Parallele: 16 Jahre war seine Mutter alt, als sie heiratete; nach 16 Jähren war es, daß sie ihn gebar; heute hat unser Jubilar gerade 16 Enkel. Ein Mann mit solchen Erinnerungen hat der Mitwelt auch manches mitzuteilen. So griff er denn oft zur Feder, um zu belehren und anzuspornen. Seine Feder ist der Verherrlichung des Judentums geweiht. Schon vor langen Jahren schrieb er über den „Tierschutz" im Judentum, um den leidigen Angriffen gegen das jüdische Schächten zu begegnen. Gemeinde- und Tagesfragen sind ihm beliebtes Thema. Morallehren des Judentums — wie gern möchte er sie immer wieder besprochen und anerkannt sehen! Mancher Artikel von ihm, der in der „W a h r h e i t" erschien, diente diesem Zwecke. Und der Mann weiß nicht nur elegant, sondern auch warm, eindringlich und gefühlvoll zu schreiben. Ein Gefühlsmensch im besten Sinne des Wortes, der jede Gelegenheit ergreift, um den Mitmenschen zu helfen. So mancher, der dann ersprießlich im und für das Judentum gewirkt hat, ist durch i h n geworden, hat i h m die Stellung zu verdanken.