Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 15 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT fiimM^ Seite 3 hende Gefahr, indem ihr nur solche Männer in die öffentlichen Körperschaften entsendet, von denen ihr wirksamen Schutz gegen Riehl, gegen Ausbeutung, Vergewaltigung und Judenhaß mit Sicherheit erwarten könnt! Wählet die „Demokratische Liste"! Der Wahlaufruf der in der „Demokratischen Liste" vereinigten Parteien, Wirtschafts- und Angestelltengruppen lautet: Männer und Frauen von Wien! Ihr dürft nicht länger zusehen, wie unser Vaterland zugrunde geht. Wir sind am Ende! Der Arbeiter kann nicht mehr arbeiten, der Bauer kann nicht mehr bauen und der Bürger muß feiern. Eine Viertelmillion Arbeitsloser und ihre Angehörigen vegetieren elend dahin. Ueber eine Milliarde Schilling beträgt das Defizit der Handelsbilanz und fast ebensoviel die Einfuhr an Lebensmitteln, während der Landwirt seine Ware nicht anbringen kann, verschuldet und zugrunde geht. Ein Heer von abgebauten und pensionierten Beamten und Angestellten ist gezwungen, ein darbendes Hungerleben zu führen. So darf es nicht weitergehen! Es gibt einen Weg, der herausführt aus diesem freudlosen Jammertal, in dem uns Kampf, Haß, Neid und Qier nur allzulange gefangen hielten. Wir wollen ihn euch zeigen! Das parlamentarische Zweiparteiensystem hat sich als unfähig erwiesen, die brennenden Fragen unserer Wirtschaftskrise zu lösen. Oesterreich braucht eine unabhängige Partei der Mitte, die den gerechten Ausgleich herstellt und darüber wacht, daß vor allem die Wirtschaft vor der Politik zu ihrem Recht komme. Es war nicht möglich, eine genügend starke unabhängige Gruppe innerhalb der Einheitsliste zu schaffen, weshalb sich die wahrhaft demokratischen Parteien und unabhängigen Wirtschafts- und Angestelltengruppen unter entschiedenstem Protest gegen die Vergewaltigung der Wähler in der „demokratischen Liste" (Vereinigte Wirtschafts- und Angestelltengruppen) zu einer Einheit zusammengeschlossen haben, welche die Gewähr bietet, daß keine Stimme verloren geht. Diese dem wahren Wunsche breitester Volksschichten entsprechende unabhängige Gruppe der Mitte wird fernab von nöten bedrückten, seelisch quälten und von einer Seelenqual in die andere trieben. Das ist nicht die Aufgabe des Priesters, darf sie nicht sein und verdient nie und nimmer den Namen „Seelenheil". Was ist die Aufgabe des Priesters? „Es sehe der Priester den Schaden" — bis zum Ueberflusse oft wiederholt die Thora dieses Wort, weil sie vom Priester Einsicht verlangt. Er muß sehen den kranken Körper und die kranke Seele, die Leiden und den Schaden am Leib und die Schmerzen und das Weh der Seele. Man soll nicht die Seele retten wollen auf Kosten des Körpers und den Körper auf Kosten der Seele. Die Lehre von dem Aussatze beginnt mit dem Satze: „Dies sei die Weisung für den Aussätzigen am Tage seiner Reinigung" und die Erklärer der heiligen Schrift folgern daraus, daß man bei Nacht den Aussätzigen nicht rein sprechen darf. Das Dunkel der Nacht, ihre Stille und Einsamkeit ist nicht geeignet, richtig zu sehen. Sie läßt Sorgen, Gefahren und Nöte größer und schrecklicher erscheinen. Der helle Tag zeigt den Zustand, wie er wirklich ist, verscheucht unnütze und übertriebene Schatten eines verängstigten Gemütes. Darin liegt auch eine Weisung für den Priester, der die Aufgabe hat, die Seelennot zu bannen, der gedrückten Seele Trost zu bringen. Tag muß es sein, wenn er kommt. Nicht die Nacht der Verdammnis und ewiger Schrecken der gedrückten Seele verkünden, ist seine Aufgabe, sondern sie den Tag erwarten, die Ankunft der lichtvolleren, glücklichen Stunde erhoffen, soll er lehren und dazu verhelfen. So lange es Kranke und Sieche geben wird, so lange wird auch ihre Seelennot bestehen und wahres Mitleid mit den Leidenden neben der Sorge, die körperlichen Schmerzen zu lindern, sich bemühen, Herzleid und Seelenqual zu bannen. Aber schlimm ist es, wenn die Seelenärzte nur eine „Seele gewinnen" wollen. Diese nach Seelen Gewinnsüchtigen seien vom Lager des Kranken verbannt, denn sie handeln nicht in Treue, „nichtige Aerzte sind sie allesamt." Wahres Seelenheil kommt nur von wahrhaftem Trost und einem Priester, „der sieht" — die Seelennot und sie bannen will. Seelsorge ist Sorge um die Seelen, nicht aber Sorge den Seelen! Verlanocn Sic Oberau Originalwassei DtreMlen tlnz: Platz des 12. November Nr. II Fernsprecher 25-17 und 6J-60 Drahtanschrift: Thennag Linz Bsdgasteiner Therm alwasser Ar GL Depot Wien: I., Helferatorferstraße Nr. 9 Fernsprecher 62-0-42 Drahtanschrift: Thennag Wien L. der Name sprüht tOr skh! .J jedweder Haß- und Kampfstellung gegen keine Seite und niemanden, sondern nur für den gerechten Ausgleich unter allen Schichten und Ständen des Volkes kämpfen. Im besonderen wird sie eintreten für ein gerechtes Wahlsystem, eine wahrhaft demokratische Volksvertretung, Verantwortlichkeit der Volksvertreter gegenüber ihren Wählern, gegen jedweden Abbau des Schutzes wirtschaftlich Schwacher, für anständige Entlohnung und rechtlichen Schutz aller Angestellten, ausreichende und gleichmäßige Versorgung aller Pensionisten, eine gerechte Gesamtlösung des Aufwertungsproblems, Befreiung von Handel, Gewerbe und Industrie und der freien Berufe von unerträglichem Steuerdruck, Hebung des gewerblichen Kreditwesens und Förderung der Kleinbetriebe sowie des Siedlungswesens, Entproletarisierung des Arbeiters, für die wirkliche, nicht bloß formelle Gleichberechtigung aller Staatsbürger, ferner gegen jeden Klassen- und Rassenkampf. gegen Verquickung von Politik und Geschäft, gegen Parteiterror und das friedengefährdende Treiben der Parteigarde. Vor allem für die rechtlich-wirtschaftliche und kulturelle Angliederung an das Deutsche Reich. Wir alle sind das Volk, leben voneinander und müssen daher auch miteinander leben. Wir wollen wieder im Staate den gemeinsamen Hort des Wohlergehens aller erblicken, nicht mehr den Feind, der uns bedrückt und ausplündert. Unser Ziel ist daher: Wiederherstellung des Vertrauens, Wiedererweckung des Selbstvertrauens. Wiederaufrichtung des Lebenswillens. Bürgerlich-demokratische Partei, demokratische Partei, Österreichische Angestelltenpartei, unabhängige Wirtschaftspartei, österreichische Volkswirtschaftspartei, unpolitischer Wirtschaftsverband der Gewerbetreibenden und Kaufleute Oesterreichs, Berufsständevereinigung Oesterreichs. Für den Nationalrat wurden folgende Kandidaten aufgestellt: 1. Wahlkreis (Innere Stadt, Landstraße, Wieden) Hofrat Dr. Adolf Drucker, 2. Wahlkreis (Mariahilf, Neubau, Josefstadt) Bundesbeamter Dr. Hans N a d e r e r. 3. Wahlkreis (Aisergrund, Währing, Döbling) Professor Dr. Franz