Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 13 (25.3.1927)
- Date
- 1927-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 ^HllHllIlllIlIlfllllllllllllfUUIlllIlllfllflllllllllllflllfllltlllinimillllllfflllllllllllllllli^ DIE WAHRHEIT haben, es kann doch keiner bei ihm kaufen!" Aber der Geist dieses Preßburger Ghettos hat eine Uebertragung nach Wien erfahren. Mit zahlreichen Familien, welche hierher übersiedelt sind, hat er sich in den von ihnen errichteten Synagogen wie „Schönlatern" und „Schiffschul" nahezu unverändert erhalten. Dazu hat besonders Reb. Sime Spitzer, Rabbiner der letzteren, auch ein Schüler Chatham Sofers beigetragen. Würdig hat denselben auch Lazar Hörowitz repräsentiert, der sich als Begründer der Thalmud-Thora- Schule große Verdienste erworben hat, sowie dadurch, daß er den Frieden zwischen den Orthodoxen und Freisinnigen in der Wiener Kultusgemeinde aufrecht zu erhalten sich erfolgreich bemühte. Unter den Gründern der Wiener Gemeinde (erst 1849) befanden sich nicht wenigej wie e I f aus Preßburg stammende hervorragende Mitglieder, wie aus den zur Jahrhundertfeier der Synagoge in der Seitenstettengasse herausgegebenen „Statuten" ersichtlich ist. Lazar Biedermann, Neuwall, Wertheimstein, Todesco, Schlesinger u. a. wurden vom Vortragenden genannt und zum Teile eingehender gewürdigt, wie die Familien B e 11 e 1 h e i m, Lakenbacher, Pappenheim, die dem Kreise seiner Verwandten und Bekannten angehören. „Persönlichkeiten sind die Träger der Geschichte". Die Geschichten, die Hofrat Frankfurter von ihm persönlich Bekannten aus seiner Vaterfördert hat, und berechtigten zu der Hoffnung und dem diese beseelenden Geiste, der beide Städte befruchtet und gefördert hat und berechtigen zu der Hoffnung und dem Wunsche, daß er bald die verdiente Muße finden möge, seine Erinnerungen zu sammeln und zu veröffentlichen, auf daß ein so interessanter Beitrag zur Geschichte dieser Zeit und dieser Städte nicht verloren gehen. Medizinalrat Dr. H. Haase. H. G. Eflelow. Adult education in Judaism, Cincinnati 1827. WTährend über den Jugendunterricht im Judentum eine ganze Literatur zu verzeichnen ist. wurde die überaus wichtige Bedeutung, die in unserer Vergangenheit der Volksbildung beigelegt wird, viel zu wenig betont. Das Leben in den Jeschiboth und Bath midraschoth und in den weiter zurückliegenden Zeiten wird von Enelow gründlich gewürdigt und mit Recht von der jüdischen Gegenwart gefordert, daß sie diesen Ehrentitel des Judentums nicht preisgebe, sondern die Aufklärung der Erwachsenen über unsere Religion, unser Schrifttum und i-nsere Geschichte mit Eifer pflege. Dr. Gr. Dr. B. Templer, Die Entstehungsgeschichte des Opferkultus im Mosaismus. Wien und Leipzig 1926. A. Hartlebens Verlag. — Die zeitgenössische Exegese des Alten Testaments ist eine Wissenschaft, der man am liebsten diese Bezeichnung absprechen möchte, oder wenn das, was in den modernen Kommentaren gewisser Forscher geboten wird, „Wissenschaft" ist, so ist die Wissenschaft sehr zu bedauern. Schon lange und oft sind die „Funde" gewisser Exegeten nur mehr Gegenstand des Mitleides, aber es ist gut, wenn das, was nur einzelne Fachleute wissen, in die Öffentlichkeit getragen wird. Denn die exegetischen Werke werden, weil sie in deutscher Sprache geschrieben sind, leider von allen jenen beinützt, welche nur mangelhafte Kenntnisse des Hebräischen besitzen und die hebräisch geschriebenen Kommentare der Alten gar nicht lesen können. Dadurch verbreitet sich der Glaube an eine Wissenschaftlichkeit, die weiter nichts als eine eitle Hypothesenreiterei ist. Eines ist von ihr mit Sicherheit zu sagen: Alles, was wir bisher verstanden haben, verstehen wir durch sie nicht mehr, und alles, was im Urtexte bisher schwer verständlich war, ist durch protestantische Exegese nicht um ein Jota klarer geworden. Templer hat es unternommen, die Art und Weise der ..gefeierten Exegeten" einer Prüfung zu unterziehen und an der Hand einer Darstellung der Entstehung des Opferkultus im Mosaisirais aufzuzeigen, zu welchen Annahmen und Phantasien sich jene Herren versteigen. Man wird ihm Dank sagen, daß er solches getan hat, obwohl die protestantische Exegese über den „unwissenschaftlichen Rabbiner'" mit erhabener Gebärde hinwegsehen wird. Diese „Strafe" braucht Templer nicht niederdrücken. Er wird sich in guter Gesellschaft befinden, denn es geht allen so, die sich gegen die offiziellen subventionierten Brutanstalten für geistige Mißgeburten auflehnen. Die Bibel wird bestehen trotz der Berufsexegeten, und ihre Hypothesen sich wie bisher auch weiter alle vier Wochen ändern. Wir empfehlen das Buch Templers als Hodegetik allen, die sich in die deutschen Bibelkommentare versenken wollen — „Vorher zu lesen".Dr. V. Kurrein. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 28. d. M.. halb 8 Uhr abends, findet im Klublokal der „Hakoah". I., WippHngerstraße 24, ein Vortrag des Schriftstellers Otto Lang über „Das Judentum vom Standpunkte der modernen Forschung" statt. Gäste willkommen. jm«. .•iiiMiiiilllliiliimiMiiiMiiiiiiiiimMiiiiiiiMi......muiniM........iwwwww»y — ^m- Generalversammlung. Sonntag, den 20. März, fand unter großer Beteiligung die Generalversammlung des Leopoldstädter Tempelvereines „Aesche 1 Awrohom" für das 51. Vereinsjahr statt. In Vertretung der Kultusgemeinde erschienen Vizepräsident Dr. J. Ornstein und Kultusvorsteher B. B u c h w a 1 d, in Vertretung der Organisation der Wiener Tempelvereine Präsident Börserat I. Glück. Ferner bemerkte man Se. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. S. Funk. Obmann Oskar Schramek eröffnete die Versammlung, begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste und dankte insbesondere den anwesenden Honoratioren für ihr Erscheinen. Er gedachte sodann der im verflossenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder, deren Verdienste um den Verein er rühmend hervorhob. Dieser Teil seiner Rede wurde von der Versammlung zum Zeichen der Trauer stehend angehört. Sodann erstattete der Schriftführer des Vereines D. Diamant den Tätigkeitsbericht, aus .welchem hervorgeht, daß der Verein seinen Aufgaben in vollstem Maße gerecht geworden ist und auf dem Gebiete des Kultus, der Erziehung und Humanität auch im abgelaufenen Jahre Ersprießliches geleistet hat. In dem hierauf von Obmannstellvertreter I. Schönherz erstatteten Rechenschaftsbericht wurde ziffernmäßig nachgewiesen, daß der Verein trotz der Schwere der Zeit und der wirtschaftlichen Bedrängnis einer großen Zahl von Mitgliedern alle seine Leistungen aus eigenen Mitteln und ohne fremde Unterstützung vollbracht hat. Diese Leistung des Vereins war aber nur möglich infolge der aufopfernden Tätigkeit des Vereinsobmannes, dem hierfür der allgemeine und aufrichtigste Dank gebühre. Revisor Fritz Hermann gab nun die Erklärung ab, daß er im Vereine mit dem Revisor M. Nagel alle Bücher und Belege ,überprüft und in bester Ordnung befunden habe, und stellte den Antrag, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen. In der nun folgenden Wechselrede ergriff Herr Heinz K o h n das Wort und übte eine sehr scharfe Kritik an der Führung und Gebarung des Vereines im abgelaufenen Jahre; insbesondere bemängelte er die Höhe einzelner Ausgabenposten, die er als übermäßig und mit dem Vermögen des Vereines und der Schwere der Zeit in Widerspruch stehend bezeichnete. Er warnte den Vorstand auf dieser Bahn fortzuschreiten, da sonst die materielle Unabhängigkeit des Vereines, die als ein köstliches Gut gewahrt werden müsse, verloren gehen könnte. Vor allem bemängelte er das Saldo gegenüber der Bibelschule, die eine Schuldnerin des Vereines sei, obwohl der Verein es sich selbst und seiner Aufgabe schuldig sei, die Bibelschule nach besten Kräften zu fördern und zu erhalten. Hierauf wurde dem Vereinsvorstand einstimmig das Absolutorium für das abgelaufene Vereinsjahr erteilt. Sodann ergriff Vizepräsident Dr. J. Ornstein im Namen der Kultusgemeinde das Wort und sagte, daß er sich nicht mit den einzelnen Posten und Ziffern befassen, vielmehr seinem Gesamteindruck dahingehend Ausdruck geben möchte, daß die Leistungen des Vereinsvorstandes und seiner Mitglieder gerade in Hinblick auf die Not der Zeit ganz hervorragende seien, und erklärte, daß allen, die an diesem Erfolge Anteil haben, der Dank und die Anerkennung der Kultusgemeinde in vollem Maße gebühre. Der Verein habe den drei Grundprinzipien des Judentums, Gottesdienst, Gotteslehre und Wohltun nach besten Kräften gedient, was er aus eigener Wahrnehmung bestätigen könne. Börserat I. Glück sprach im Namen des Präsidiums der Organisation der Wiener Tempelvereine dem Vorstande und den Mitgliedern den Dank für ihr segensreiches und aufopferungsvolles Wirken aus und erklärte, daß der Verein zu den wenigen Tempelvereinen gehöre, welche so große Leistungen aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln vollbracht haben. Im selben Sinne sprach auch Kommerzialrat B. Buchwald und bat den Vorstand und die Mitglieder, in ihrer dem Interesse einer großen und heiligen Sache unternommenen Arbeit fortzufahren. Nach einer vortrefflichen Rede Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Doktor S. Funk wurde zur Wahl geschritten und folgende Herren mit überwiegender Mehrheit gewählt: Für die Dauer von drei Jahren die Herren: Friedrich Allina, Franz Engel, Julius F r a n k 1, Moriz G e r s 11, Ludwig Hirschfeld, Albert Körner, Baurat Dr. Samuel Morgenstern, Isidor Einen angenehmen, echt jüdischen SederaDf nd können Sie verbringen im Restaurant J. NAGEL (ilotel New Yorh)