Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 13 (25.3.1927)
- Date
- 1927-03-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT illlllllllllllllll!» Seite 13 Schönhexz; für die Dauer von zwei Jahren die Herren Dr. Sanel Beer und Dr. Leonhard M a i e r; als Revisoren für die Dauer eines Jahres die Herren: Fritz Hermann, Rudolf L e i t n e r, Moritz Nagel. Mißstände in der Badener Chewra Kadischa. Zu der in der letzten Nummier unseres Blattes unter diesem Titel veröffentlichten Zuschrift erhalten wir von der Chewra Kadischa Baden folgendes Schreiben: „Sehr geschätzte Redaktion! Auf Grund des Preßgesetzes ersuchen war um Aufnahme folgender Richtigstellungen des in Ihrem Blatte am 18. März 1927 erschienenen Artikels „Mißstände in der Badener Chewra Kadischa", und zwar auf Seite 14, der Nr. 12, Jahrgang XVIII, an gleicher Stelle der nächst erscheinenden Nummer: Es ist unwahr, daß die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Führung der Chewra Kadischa immer größer wird, wahr ist, daß der Leitung der Chewra Kadischa in der am 18. März 1927 stattgehabten Generalversammlung, bei der 90 -Prozent der in Badem wohnenden Mitglieder der Chewra Kadischa anwesend waren, von 75 anwesenden Mitgliedern 66 dem Vorstand nioht nur das Absolutorium und Vertrauen ausgesprochen haben, sondern auch mit Rücksicht auf einen am 4. März in der jüdischen Presse erschienenen Artikel eine von 60 Personen i unterfertigte Adresse überreichten, wohin die Unterzeichneten dem Vorstande den Dank und Anerkennung für die Leitung aussprechen und der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Leitung wie bisher weiter den Pflichten der Humanität und der Religion gerecht werden wird. Neun Mitglieder der Chewra Kadischa, darunter sechs Herren vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Präses, haben allerdings den vergeblichen Versuch gemacht, gegen den Vorstand der Chewra Kadischa Stellung zu nehmen. Ihr Vorgehen wurde aber von den andern Mitgliedern mit Entrüstung zurückgewiesen. Unwahr ist auch die mehr als gewagte Behauptung, daß in bedauerlich vorgekommenen Fällen eine „Methode" liege, wie sie von der Leitung der heil. Bruderschaft geübt wurde. Wahr ist, daß, wenn die Anordnungen des Vorstandes befolgt worden wären, nie eine Leiche zu spät, d. h. am Samstag nach Wien gekommen wäre. Unwahr ist es auch, daß durch Nachlässigkeit der Chewra Kadischa ein jüdischer Verstorbener einem christlichen Bestattungsverein übergeben wurde. Wahr ist, daß eine der Verbrennung zuzuführende Leiche in der Zeit zwischen halb 12 und 12 Uhr nachts von dem Portier eines hiesigen Sanatoriums über Auftrag der Leidtragenden dem christlichen Bestattungsverein zwecks Ueberführung ins Wiener Krematorium übergeben wurde, und daß demgemäß und auch auf Grund eingeholter Informationen (Scheile) bei zu einer solchen Information befugten Person in religiöser Beziehung nichts vorzukehren war. Wahr ist wohl, daß eine kleine Gruppe von Männern, darunter sechs Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, vor etwa acht Wochen einen Verein bildeten, den „Schaumre Schabes-Verein", die in einer Versammlung von höchstens 20 Personen der Leitung der Chewra Kadischa ihre Unzufriedenheit ausdrückten und gegen einzelne Vorstände der Chewra Kadischa scharfe Worte fanden. Auch ist wahr, daß ein Vorstandsmitglied sich veranlaßt sah, deswegen den Klageweg zu betreten. Unwahr ist es aber, daß dieses Vorstandsmitglied den Beklagten eine Ehrenerklärung gegeben hat, dagegen wahr, daß nur über vieles Zureden unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbiniers S. Reicn eijn Vergleich dahingehend zustande kam, daß der Beklagte erklärte, daß er der Person des Klägers nicht nahetreten wollte, während der Kläger erklärte, daß nicht er den Ausdruck „zugewanderter Jude" in der Klageschrift anführte, sondern sein Herr Vertreter. (Vom Vertreter bestätigt.) Unwahr ist es auch, daß die Judenschaft Badens durch die Stellungnahme eines Vereines, der seit acht Wochen besteht, und dessen Mitgliederanzahl 20 kaum übersteigen dürfte, sich beunruhigt fühlt, dagegen ist aber wahr, daß die Judenschaft Badens in anderer Art sehr beunruhigt ist. Ein Teil der Kultusgemeindevorstehung, darunter auch der Präses, ist nämlich Mitglied des „Schaumer Schabes-Verein" und machen alle Anstrengungen, um die Aufmerksamkeit für die Schlampereien der Kultusgemeinde, durch Anwürfe aller Art, auf die Chewra Kadischa abzulenken. Die Kultusgemeinde hat seit fünf Jahren keinen ordentlichen Rechenschaftsbericht gelegt. Es wurde ihr von 70 Prozent der ständig in Baden wohnenden Juden ein Mißtrauensvotum diesbezüglich ausgedrückt, der Finanzreferent war sein eigener Kontrollor, ein 450 Millionen kostender Bau wurde ohne bücherliche Aufzeichnungen geführt usw. Urgenzen wurden vom Präses vor ein bis eineinhalb Jahren dahin beantwortet, daß der zur Rechnungslegung verpflichtete Vorstand schwere private Sorgen hat und jetzt, daß derselbe Vorstand nicht in der Lage sei, den 1927er Rechenschaftsbericht überhaupt zu erstellen. Wahr ist auch, daß die in Frage kommende Judenschaft Badens stets bestrebt war, schmutzige Wäsche im eigenen Hause zu waschen, daß es aber dem Verein „Schaumre Schabes", also auch einer Tat der Herren Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde, vorbehalten blieb, diese Wäsche in die Oeffentlichkeit zu tragen. Wahr ist ferner, daß die Judenschaft Badens, repräsentiert von Mitgliedern der Chewra Kadischa, keine Veranlassung hat, die Oeffentlichkeit zu scheuen und wird nunmehr die Chewra Kadischa gezwungen, durch den „Schaumre Schabes-Verein", resp. durch einen Teil des Kultasvorstandes, den Weg der Oeffentlichkeit selbst zu betreten und wird erst dann der Ansicht, resp. dem begreiflichen Wunsche des Schaumre Schabes-Verein, resp. des Kultusvorstandteiles, der Mitglied des Schaumre Schabes-Vereines ist, Rechnung tragen, wenn eine entsprechende Anzahl Mitglieder der Chewra Kadischa, worunter selbstredend die Mitglieder der Chewra Kadischa, die gleichzeitig jetzt Kultus-Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Schaumer Schabes-Vereines sind, nicht sein dürfen, dies der Vorstehung der Chewra Kadischa mit Unterschriften bekanntgegeben wird. Bis dahin werden Wünsche des Artikelschreibers und dessen Hintermänner wohl nur Wünsche bleiben. Für den Chewra Kadischa Baden: Der Schriftführer: Der Präses: Louis Po 11 ak. Ludwig Lackenbach. Festabend im Verein Kuriürsorge, Aus Anlaß der Uebergabe eines Ehrendiploms an die verdienstvolle Vizepräsidenten des Vereines „KurfürsoTge", Frau Dr. Regine Kris, fand am 17. d. M. in den Festlokalitäten des Cafe Ar Ion ein Festabend statt. Der rührige Obmann des Vereines, Herr Medäzinalrat Dr. J. L. Braun hielt eine Ansprache, in der er die Tätigkeit der Frau Dr. Regina Kris in geistvollen Worten schilderte und ihren Pflichteifer betonte. Er überreichte sodann das künstlerisch ausgestattete Ehrendiplom. Frau Dr. Kris dankte gerührt für die ihr zuteil gewordene Auszeichnung. Um das Arrangement des schön verlaufenden Abends haben sich die Vorstandsmitglieder: Herr Emü Scheps und Herr Fürsorgerat Leo Heller verdient gemacht Unter anderen waren erschienen der Obmann des Pazmanitentempels, Herr Oskar Schrämek, Prof. Salzmann als Vertreter der Zentralstelle, Herr S. W e r t h a m e r als Vertreter des Brigdttenauer Frauenvereines, Herr und Frau J. Schönherz vom Verein „Nächstenliebe", Herr und Frau S. Wechsler, Herr und Frau Bernhard Niwes, Herr Verwalter Max Schwager, Frau Dr. Braun und Frau Dr. Nasch, Herr Dr. Arthur Funk, Herr S. Sperling vom Verein „Rasche Hilfe" und der Vorsteher des Fürsorgeinstitutes IL, Herr Hugo Heller, Deputationen verschiedener Vereine, sowie Vertreter der amerikanisch-medizinischen Gesellschaft. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk in Wien. Die 25. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines findet Sonntag, den 27. März d. J., um 10 Uhr vormittags, im großen Saale des Vereinshauses, XVI., Wurlitzergasse 11, statt. Mitglieder und Gönner des Vereines werden hierzu freundlichst eingeladen. Allgemeiner Kranken- und Unterstützungsverein „Nächstenliebe". Mittwoch, den 16. d. M., fand die konstituierende Sitzung des neugewählten Vorstandes dieses rührigen und segensreich wirkenden Vereines statt, bei welcher die erprobten Funktionäre des Vereines, mit Adolf Reich an der Spitze, für ihre bisherigen Funktionen wiedergewählt wurden. Anschließend fand im Restaurant Julius Grüner (IL, Große Pfarrgasse 23) eine gesellige Zusammenkunft statt, welche einen sehr angeregten Verlauf nahm. Die XIII. ordentliche Generalversammlung der „Einheit", Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen, Wien IL, Malzgasse 12, findet am Sonntag, den 27. März 1927, %10 Uhr vormittags, im ersten Stock der Vereinslokalitäten, Mittelstandssaal, statt. Abschiedsfeier. Die Gattin und die Familie des aus der Zeit seines Wirkens im Pazmanitentempel in allerbester Erinnerung stehenden Obertantors Josef Giblichmann verließen vor einigen Tagen unsere Stadt, um ihrem Gatten, bzw. Vater, der an einer großen Chikagoer Synagoge als Oberkantor fungiert, nachzufolgen. Aus diesem Anlasse fand Samstag, den 19. März, abends, In der Wohnung der Mutter