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Die Wahrheit · 1927-03-25 · Heft 13 (25.3.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 13 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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e &ikeatex, Jiumstu. Jtiterafur v o •■c? Spinoza-Feier des jüdisch-akademischen Philosophenvereines. Anläßlich der 250. Wiederkehr des Todestages des großen jüdischen Denkers und Philosophen Baruoh Spinoza veranstaltete der Jüdisch -akademische Philosophenverein Samstag, den 12. d. M.., um halb 8 Uhr abends, im Kleinen Festsaal der Wiener Universität eine Spinoza-Gedenkfeier, bei welcher der bekannte Spinoza-Forscher Prof. Dr. Carl Gebhardt aus Frankfurt a. M. die Gedenkrede hialt Zu dieser Feier, welche nicht mir eine Huldigung der jüdischen Akademikerschaft für den jüdischen Weisen von Amsterdam war. sondern auch eine eindrucksvolle Kundgebung der Wiener jüdischen Geistigkeit für den Geist, dem das Werk des großen holländisch-jüdischen Philosophen entsprungen, hatte sich die geistige Elite des Wiener Judentums nahezu vollzählig eingefunden. Unter den zahlreichen Anwesenden, welche den geräumigen Saal bis auf das letzte Plätzchen füllten, bemerkte man unter anderen das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde: Präsident Prof. Dr. Alois Pick, Vizepräsident Dr. J. Ornstein und Vizepräsident Dr. J. Löwenherz. Der Vorsitzende des Jüdisch-akademischen Philosophenvereines begrüßte alle Erschienenen, insbesondere Dr. Gebhardt, dem er für die Bereitwilligkeit dankte, mit der er der an ihn ergangenen Einladung, einen Vortrag über Spinoza zu halten, gefolgt sei, und dankte auch dem Rektorate der Universität für die Ueberlassung des Festsaales. Nach einleitenden Worten des Oberrabbmers Dr. H. P. C h a j e s begann Dr. Gebhardt, von nicht endenwollendem Beifall begrüßt, seinen hochinteressanten und tief durchdachten Vortrag. Ausgehend von dem Gegensatze zwischen Marannentum und gesetzestreuem Judentum, wie er besonders das holländische Judentum zur Zeit Spinozas aufs innerste durchwühlte und aus dem heraus auch der Bann verständlich wird, mit dem Spinoza belegt wurde, zeigte der Vortragende, wie sich jüdischer Geist mit dem Geiste der protestantischen Gegenreformation, wie er uns im Wiedertäufertum entgegentritt, sich innig im Wirken und Schaffen Spinozas vermählte. Spinoza war, wie Dr. Gebhardt ausführte, im tiefsten Innern eine religiös empfindende Seele, doch war ihm dar Glaube nichts Festgefügtes und auf Dogmen Beruhendes, sondern etwas Aufgegebenes und zu Erfüllendes. Dieser Kampf zwischen der Form und dem Umgeformten, nach dem Unendlichen Strebenden, dessen künstlerischen Ausdruck wir im Barockstil finden, war es auch, aus dem heraus das philosophische Systerr Spinozas entstanden ist. Und so können wir die Philosophie Spinozas als die Philosophie des Barocks bezeichnen. Hieraus ergibt sich auch, daß die bisherige statische Auffassung des Gedankensystems Spinozas durch eine dynamische ersetzt werden muß, sollen wir sein Werk in seinem innersten Kern begreifen. Reicher Beifall belohnte Dr. Gebhardt für seine geistvollen und formvollendeten Ausführungen. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 14. d. M. Herr Hofrat Prof. Dr. Salomon Frankfurter, em. Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, über „Preßburg und Wien", wobei er Historisches und Erlebtes in ebenso anziehender wie instruktiver Weise auseinandersetzte. Die beiden Städte weisen in bezug aitf ihre Lage sowohl, wie was ihre Geschichte anlangt, vielfache Analogien auf. Römerfunde bestätigen ihr hohes Alter, Berge und Auen sowie das „Silberband der Donau" geben beiden dasselbe schöne landschaftliche Gepräge, Kunstwerke, wie Künstler verkünden ihren Ruf als Kulturstätten. Das jüdische Preßburg hat in Sigmund Maier, in dessen Werken: „Der jüdische Kaufmann" und „Wiener Juden" seinen besten Schilderer gefunden. Er geht von dem Hauptereignis, der Oeffnung des Ghettos aus, das seine Wirkung als Schutz- und Bewachungsmaßregel getan hatte (1842). Maier war der letzte „Hausbücher" von Chat am Sofer, der von 1807 bis 1839 Rabbiner in Preßburg und Begründer einer Rabbiner-Dynastie daselbst gewesen. Die an Fanatismus grenzende Strenge dieses berühmten Jeschiwa-Lehrers charakterisiert der Vortragende trefflich durch die Mitteilung einiger Stellen aus seinem Testamente, in welchem derselbe ebenso gegen die Mendelsohnsche Bibelübersetzung, wie gegen die kurzen Kleider der Frauen, gegen das Lesen deutscher Bücher und den Theaterbesuch wettert. Es war die Zeit, in welcher diese Lehren noch befolgt wurden, wo es nicht bloß Naivität war, wenn einer auf die sensationelle Nachricht, daß jemand am Sabbath sein Geschäft offenhielt, antwortet: „Soll er offen SontosHngeM i i Brüder Schiffmann 2ää±2 iL, TaborstraBa 48 Unerreicht billige Kaufgelegenheit! Nachstehend einige Beispiele: Blaudrucke, Schweizer Voile, Maroeaine und Etamine..........S —.98 Salzbnrger Dirndl, gewebte Eponge „ 1.98 Ia Mode-Kleider-Schotten......„ 2.90 Ia Schafwoll-Kipse und Popeline „ 3.90 Seide, schwarz und weiß......„ —.98 Seide-Ottomane (mit Atlasrücken) „ 4.90 Wasch-Seiden-Schotten.......„ 2.90 Schwedisch-Leder-Handschnhe, alle Größen und Farben.....nur „ 4.80 Damen-Mode-Schirme, Halbseide mit eleg. Griff...........„ 7.90 Ia Chiffone nnd Batiste, Marken „Lilien" und „H. P. 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