Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 13 (25.3.1927)
- Date
- 1927-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3064299-3064312--15291-3088067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT lilillM^ Seite 5 nach Warschau bereits unterwegs waren und nicht mitverbrannt werden konnten» Kurz darauf, am 25. Dezember 1901, starb der Verfasser. Das Buch, welches unschätzbares Material zur Kenntnis der Judenfrage in Osteuropa enthält, konnte nicht wieder aufgelegt werden und bildet eine der größten bibliographischen Seltenheiten. * u * * Als im Jahre 1876 der Russisch-türkische Krieg bevorstand und die Möglichkeit vorhanden war, daß Oesterreich- Ungarn in Polen einmarschierte, wurde Bloch von der Regierung beauftragt, ein Gutachten über die Verproviantierung Warschaus im Falle einer Belagerung auszuarbeiten. Sein umfassender Geist blieb bei dieser Frage nicht stehen, sondern zog alle Probleme der wirtschaftlichen Folgen des Krieges in Betracht, dann den Krieg selbst in seiner Bedeutung für das Völkerleben. Und er, der Großunternehmer, Handelsherr und Bankier, den jeder Krieg um Millionen reicher machte, lernte den Krieg gründlich hassen. Und da er wußte, daß man den Feind genau kennen muß, um ihn mit Erfolg bekämpfen zu können, studierte er den Krieg in allen seinen Erscheinungen. Zwanzig Jahre widmete er der Arbeit an seinem Werke. Die Ergebnisse seiner Forschungen lassen sich in folgende Leitsätze zusammenfassen: Die Epoche der „kurzen" Kriege, die in einem halben oder einem Jahr beendet werden, ist unwiederbringlich vorüber. Aber die modernen wirtschaftlichen Zustände und die ungeheuren Kosten eines Krieges würden binnen kurzem die Kriegführenden an den Rand des ökonomischen Ruins bringen und seine Fortführung unmöglich machen. Lange bevor es zu entscheidendem Ergebnis käme, wären beide Teile erschöpft und Untergang oder Revolution müßte über die Völker hereinbrechen. Der Menschheit bleibt in den jetzigen Zuständen nur die Alternative: entweder Ruin durch die Fortdauer bewaffneten Friedens, oder eine wirkliche Katastrophe: der Weltkrieg. Der Krieg der Zukunft wird kein Krieg zwischen Menschen, sondern zwischen Maschinen sein, nicht der tapferere Mensch, sondern die bessere Maschine wird siegen. Vor allem aber wird Amerika den künftigen Krieg in Europa ausnützen, um die europäische Industrie zu ruinieren, alle Märkte an sich zu reißen und sie nicht mehr aus der Hand zu lassen. Noch mehr: man kann nicht dafür bürgen, daß bei dem Zustand der jetzigen Heere eine revolutionäre Gärung der Massen nicht auch in den Reihen der Armee sidh äußern würde. An manchen Stellen sagt er so unumwunden, als'die Zensurverhältnisse es zuließen, den Sturz der Monarchie als Folge eines europäischen Krieges voraus. * * * Als zur ersten Haager Friedenskonferenz in der zweiten Hälfte des Mai 1899 Diplomaten aller Staaten der Welt zusammengekommen waren, hielt es der Zivilvertreter Deutschlands, Prof. Freiherr v. Stengel, für nötig, eine Broschüre unter dem höhnischen Titel „Der ewige Friede" zu veröffentlichen, die in echt Treitschkeschem Geiste Abrüstung und Völkerfrieden als verwerfliche und alberne Utopien brandmarkte und den Krieg als die gottgefällige Weltordnung, als den Heilbringer der Menschheit feierte. Es wirkte wie stumpfsinniger Zynismus, wenn der Verfasser gegenüber der „jüdischen Utopie" vom ewigen Frieden die Segnungen des Krieges feierte, der unter anderem auch die ... Chirurgie beträchtlich fördere. Der Russe, Prof. J. Nowikow, antwortete dem Freiherrn v. Stengel in einer satirischen Broschüre „Der ewige Krieg", die sofort in alle Sprachen übersetzt wurde. Seit damals datierte der furchtbare allgemeine Haß gegen die Deutschen, der mit Ausbruch des Weltkrieges in hellen Flammen aufloderte. Freiherr v. Stengel und die Seinigen sind es gewesen, die die Deutschen nach Versailles geführt haben. Aber zum Kongreß versammelten sich auch die Friedensfreunde aus allen Ländern. Den Mittelpunkt bildete Baronin Berta v. Suttner, die unerschrockene Vorkämpferin der Weltfriedensidee. Auch Bloch, dessen Werk das größte Aufsehen machte, fand sich ein und hielt eine Reihe von Vorträgen, zu denen auch die versammelten Diplomaten erschienen. Baronin Suttner schreibt: „Alle vernehmen jetzt mit Spannung, was der Autor selbst über die Begründung seines Werkes und dessen Schicksal erzählt. Dabei spricht Bloch so sachlich, ruhig und bescheiden. Man fühlt, seine Ueberzeugung ruht auf gewissenhaft durchstudierten Tatsachen, er weiß, daß er die einfache Wahrheit zusammengetragen und in ihrem ganzen Umfange mitgeteilt hat." KUNEROL Verbürgt reines Fett aus Kokos* nässen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G.» Wien* Atzgersdorf, gepreßt und die Er» Zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei« tung der Speisen verwendet werden. Das Werk vom Haag wird vielleicht noch lange Zeit brauchen, bis es seine Früchte für die Menschheit trägt. Bloch hat über das Qrab hinaus dafür gesorgt, daß seine Propagandaarbeit nicht aufhört, fortzuwirken. Am 7. Juni 1902 wurde in Luzern das von ihm gestiftete und ausgestattete „Internationale Kriegs- und Friedensmuseum" eröffnet, welches den Beschauern in wirkungsvoller Weise den Krieg und alle seine Schrecknisse sowie alle Mittel zu dessen Bekämpfung vor die Seele führt. Das Testament, welches Bloch seiner Familie hinterließ und in dem er die Summe seiner Lebensarbeit zieht, beginnt mit dem Bekenntnis: „Ich war Zeit meines Lebens ein Jude und sterbe als Jude!" Er durfte das mit Recht von sich sagen, denn er hat den Gott Israels, den Gott der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Güte, des Lebens und des Friedens mit ganzem Herzen und ganzer Seele geliebt und hat ihm mit ganzer Kraft gedient. Und nicht viele haben für die Ehre und das Wohl des jüdischen Volkes tapferer gekämpft als er. Eine Begebenheit aus dem Leben LudwigvanBeethovens. Von Rabbiner Dr.M.Rosenmann. Nicht jedes Genie müßte zwangsläufig mit dem Judentum in Beziehung gestanden sein. Das übliche Herumstöbern in den Biographien nichtjüdischer großer Persönlichkeiten, um irgendein Sonnenstäubchen, einen Ausspruch, eine zufällige Begebenheit festzustellen, die mit dem Judentume oder den Juden zusammenhängen, grenzt bereits an den Gegensatz des Erhabenen. Anders bei Beethoven, dessen hundertsten Todestag Ende März die ganze Kulturwelt feierlich begeht. Nicht der Umstand verdient Erwähnung, daß er in den jüdischen Salons Wiens verkehrte, daß die jüdischen Frauen derselben, na-