Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 12 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Jahre 1920 nach Honef am Rhein einberufene deutsche Studententag konnte die Angelegenheit nicht lösen; 1922 fiel in Würzburg die Entscheidung. Es war ein Kompromiß, das bestimmte, daß in Deutschland das Staatsbürgerprinzip, in Oesterreich, der Tschechoslowakei und Danzig aber das Rassenprinzip zu herrschen habe. In Oesterreich nutzte die völkische Minorität dieses Zugeständnis mit einer geradezu beispiellosen Brutalität aus; das antisemitische Dogma steigerte die Mentalität geradezu zur Pogromstimmung, was selbst in deutschnationalen Kreisen Mißfallen erregte, da es die „Deutsche Studentenschaft" nur diskreditierte. Schließlich wandten sich die Vertreter der österreichischen fortschrittlichen Gruppen an die maßgebenden Stellen Deutschlands, da sie wußten, daß die offizielle staatsbürgerliche reichsdeutsche Studentenvertretung die österreichische Gruppe mit Geld unterstütze. In Deutschland, wo die Vertretung allgemein anerkannt ist, muß jeder Hörer, also auch die Juden, gleichzeitig mit dem Kollegiengeld eine Umlage erlegen; die österreichische „Deutsche Studentenschaft" konnte, da ihre Tendenz den Staatsgrundgesetzen von der Gleichheit aller Bundesbürger widersprach, hier vom Ministerium nicht anerkannt werden, deshalb ist sie nicht berechtigt, irgendwelche Zwangsumlagen einzuheben, befindet sich also stets in großer finanzieller Not, was sie nicht hindert, großen Aufwand zu treiben, eine Handlungsweise, die man, vorsichtig gesprochen, mit dem Ausdruck „Hochstapelei" bezeichnen kann. Deshalb muß ihr sehr beträchtliches Defizit die amtliche reichsdeutsche Studentenschaft tragen. Die österreichischen Hakenkreuzler wissen natürlich ganz genau, daß in diesen Beträgen auch jüdisches Geld enthalten ist; sie treiben extreme antisemitische Propaganda, nehmen aber bewußt jüdisches Geld dazu. Dem preußischen Kultusminister Dr. Becker schien diese Verwendung aber doch nicht der eigentliche Zweck der Studentenkopfsteuer zu sein und er stellte zu Ende des vorigen Jahres die preußischen Studentenschaften vor die Wahl, sich entweder von den österreichischen Hakenkreuzlern zu trennen oder diese zum Aufgeben ihrer parteipolitischen Stellung zu bewegen. Ueber diese gerechte Zumutung sind nun die österreichischen Hakenkreuzler sehr aufgeregt, denn es bedeutet für sie die Abschnürung vom reichsdeutschen für sie so notwendigen Geld. Auch würden sie keine Mässenreisen zu sogenannten „Studententagen" finanziert erhalten, wo sie sich dann ebenso, lächerlich wie wichtig machen können. Allerdings scheinen sich auf die überzeugenden Darlegungen des Kultusministers auch die preußischen nationalistischen Kreise eines besseren besonnen zu haben; denn sie desavouierten ihre sich wie wahnsinnig gebärdenden österreichischen Kameraden, indem sie dem Minister versprachen, auch für die Einführung des Staatsbürgerprinzips in Oesterreich einzutreten. Die österreichischen Hakenkreuzler sitzen jetzt in der Klemme. MaMMMWtfVV^ Werbet ^"nnBntEn für „Die MvMt"\ JVfl^flrt%fiWSrtrtrtflrtrtWVflrfVrVVVVftflrtfVVWi KUNEROL Verbürgt reines Fett aus Kokos* nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G., Wien» Atzgersdor£ gepreßt und die Er» zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei* tung der Speisen verwendet werden. Word and Fritsch. Vor kurzem erschien in einer Berliner jüdischen Zeitschrift eine Anzeige der Ford-Motor-Company, Niederlassung Berlin, welche folgenden Satz enthielt: „Herr E. Ford, der Sohn von Henry Ford, kennt keine Vorurteile gegen Menschen, gleich welcher Rasse oder Nationalität Er ist Inhaber und Präsident der Ford-Motor- Company." Auch der Inseratenverwaltung der „C. V.¬ Zeitung", dem Organe des Centraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wurde die Anzeige der Ford- Motor-Company zur Veröffentlichung angeboten, doch lehnte das Blatt die Aufnahme der Anzeige ab. Daraufhin erhielt der Centraiverein folgendes Schreiben: An den Centraiverein deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens, Berlin. Wie uns die Firma Rudolf Mosse mitteilt, weigern Sie sich, ohne genügende Aufklärung bezüglich der Einstellung des Herrn Henry Ford zur Judenfrage die Ihnen aufgegebene Anzeige aufzunehmen. Unser Herr Behrens besuchte Sie und gab Ihnen eine Anzahl mündlicher Erklärungen, aus denen Sie schon vernehmen konnten, daß die Tatsachen weit von dem abweichen, was allgemein in der Presse in dieser Angelegenheit berichtet wird. Die Ford-Motor-Company in Detroit nimmt aus prinzipiellen Gründen niemals zu Zeitungsartikeln dieser Art Stellung, nicht nur, weil diese Angriffe Herrn Henry Ford persönlich angehen, sondern weil die Motor-Company sich an einer Pressekampagne nicht zu beteiligen wünscht. Auch in anderen Fragen rein geschäftlicher Natur, wie z. B. die verschiedenen Verleumdungen über