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Die Wahrheit · 1927-03-11 · Heft 11 (11.3.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 11 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT lllIllliilllB^ Seite 11 wo die Zünfte diese Konkurrenz fernhielten. Auch für den Kirchenkult wurde von Juden Teilarbeit hergestellt, die Vollendung besorgten die christlichen Auftraggeber. Der Osten (Polen) liefert zahlreiches künstlerisch wertvolles Material. Mit einer dringlichen Aufforderung, das jüdische Museum, dessen verdienstvoller Kustos der Vortragende ist, fleißig zu besuchen, schloß derselbe seine hochinteressanten Ausführungen. — Zu Beginn der Sitzung widmete der Präsident des Vereines, Herr Professor Dr. S. Krauß, Georg Brandes einige Worte des Nachrufes und gedachte auch der Feiern, welche den Manen Spinozas in den letzten Tagen gegolten haben. Daß Spinoza selbst in seinem am meisten umstrittenen theologisch-politischen Traktat auf frühere jüdische Quellen, wie z. B. Philo oder Ibn-Esra zurückgreift, läßt uns heutzutage seine bibelkritischen Ansichten durchaus nicht so ketzerisch erscheinen, wie in früheren Zeiten. Medizinalrat Dr. Heinrich Haase. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien, II., Ferdinandstraße 23/8. Montag, den 14. März 1927, im Klubsaale der „Hakoah", i., Wipplingerstraße 24—26 (Cafe1 Altes Rathaus, Eingang durchs Haustor) Vortrag des Herrn Hofrat Professor Dr. Salomon Frankfurter, emer. Direktor der Wiener Universitätsbibliothek: „W iener und Preßburger Jude n." Beginn HS Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Obermedizinalrat Dr. S. Krüger hat den Vorsitz der Jury bei der Schönheitskonkurrenz am Purimfest des „E1 i s a b e t h h e i m e s" (Donnerstag, den 17. März, in sämtlichen Sälen des Hotel Continental) übernommen. Der Jury gehören an: Frau Bronia Ungar-Weitzmann, Erich Hirschfeld, Willi Kurtz, Dr. Fritz Liebstoeckl, Max Neufeld, Manio Petruccio, Friedrich Porges, Adolf Reinisch, Louis Treumann. (Wertvolle Preise.) Restliche Karten im Heime: Malzgasse 7 (Tel. 43-5-40) und an der Abendkassa. _Eingesendet Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion keine .Verantwortung. Furchtbares Schicksal eines jungen jüdischen Turners. Auf die unter obigem Titel in unserer Nummer 9 vom 25. Februar erschienene Notiz erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Schriftleiter! Ich glaube, daß ich es bei Ihrer bekannten Loyalität nicht notwendig haben werde, eine formelle Berichtigung im Sinne des Gesetzes zu verlangen, sondern bitte Sie in meiner Eigenschaft als Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied des Vereines der Mariahilfer Kinderfreunde höflichst, Nachstehendes zur Kenntnis zu nehmen und zur endgültigen Erledigung der Angelegenheit freundlichst in der nächsten Nummer Ihres Blattes in der Ihnen geeignet erscheinenden Form zu veröffentlichen. Zunächst möchte ich hervorheben, daß der Präsident der „Kinderfreunde" dem Verstorbenen Herrn Ernst Metzger einen herzlichen Nachruf gehalten hat, der in der vorwöchentlichen Vorstands- .Sitzung von den Mitgliedern stehend angehört wurde. Er hob hervor, daß der Verstorbene zwar kein Mitglied der „Kinderfreunde" und denselben unbekannt war, daß er es aber doch lebhaft bedauere, daß ein so junger Mensch auf so tragische Weise enden mußte. Im Verlaufe der späteren Sitzung haben einige Mitglieder ausdrücklich hervorgehoben, daß sie den Versuch gemacht haben, den Unglücklichen zu befreien, allein daß der Detektiv sich strenge jede Einmischung in seine Amtshandlung verboten habe. Trotzdem fuhren drei Vorstandsmitglieder mit einem Auto sofort zum Kommissariate, bemühten sich auch dort, den Verhafteten freizubekommen, übernahmen für ihn die Garantie, allein alle Bemühungen blieben fruchtlos. Erst am nächsten Tage gelang es, ihn freizubekommen. Es ist unrichtig, daß sich einige Herren des Vorstandes abfällig über den Verstorbenen geäußert hätten, wenigstens geschah dies nicht in der Sitzung und kann es sich diesbezüglich nur um einen Kaffeehaustratsch handeln. Mit Entrüstung aber weisen es die Vorstandsmitglieder zurück, daß sie den Verstorbenen nach seinem Tode irgendwie beschimpft hätten. Schließlich will ich noch, sehr geehrter Herr Schriftleiter, bemerken, daß bei dem unglückseligen Vorfall weder der Herr Präsident des Vereines zugegen war, noch Herr Ignaz Pollach. Ihr Sie hochschätzender, ergebener Dr. Ludwig Eckstein. Wien, am 5. März 1927. ix TPon Wodke zu WoiAe^M ••.................................................................................................w Israelitische Kultusgemeinde. Dienstag, den 1. d. M., fand unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Prof. Dr. Alois Pick eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt. Im E i n 1 a u f befand sich: Ein Dankschreiben des Hofrates Prof. Dr. S. Klein anläßlich seines Rücktrittes von seiner Stellung als Augenarzt und Operateur des Spirales der israelitischen Kultusgemeinde, in welchem der Genannte zum Ausdrucke bringt, der Vorstand habe sich ihm gegenüber in einer Weise benommen, welche als leuchtendes Beispiel hochsinniger Denkweise gelten kann und sicherlich auch als Denkmal edler Anerkennung geleisteter Dienste der Zukunft sich aufbewahren wird; eine Zuschrift des „J ü d i s c h e n Hochschulausschusse s", in welcher derselbe unter dem Hinweise, daß der Vorstand der israelitischen Kultus- Gemeinde stets um das Wohl der jüdischen Studentenschaft i?emüht war und ihr in der Not mit Rat und Tat geholfen hat, eine Resolution des „Delegiertentages des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs Judäa" überreicht, in welcher der Kultusgemeinde für die tatkräftige Unterstützung der lebenswichtigsten Institutionen der jüdischen Studentenschaft der verbindlichste und wärmste Dank ausgesprochen wird; ein Dankschreiben des Vizepräsidenten der Börsekammer, Samuel S t e i n h ü b 1, für die Beglückwünschung anläßlich seines 80. Geburtstages; ein Dankschreiben des Schriftstellers Prof. Heinrich Glücksmann für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seiner Auszeichnung; namens der „Fürsorge der medizinischen Fakultät der Universität Wien im Kalenderjahre 1926" ist von dem Leiter dieser Fürsorge, Prof. Dr. A. Dur ig, das folgende Schreiben an das Präsidium gelangt: Anliegend erlaube ich mir die Empfangsbestätigungen über die Verausgabung der Spende der israelitischen Kultussemeinde von 1500 Schilling mit nochmaligem besten Danke zu überreichen. Wie aus den Belegen ersichtlich, wurde der Betrag an israelitische Hörer, hauptsächlich für Studiengebühren verausgabt. Einer sehr beträchtlichen Zahl von Studierenden wurde durch diese und andere jüdische Unterstützungen geradezu die Beendigung ihrer Studien ermöglicht. Von der israelitischen Kultusgemeinde E g e r ist gemeinsam mit dem Rabbinate dieser Gemeinde ein Ansuchen um Beitragsleistung zur Errichtung eines Grabdenkmales für Dr. Hugo Zuckermann eingelangt, in welchem der Appell an die große jüdische Oeffentlichkeit zur Ehrung dieses Toten darauf hinweist, daß es Zuckermann als bewußtem Juden um seines verkannten Judentums willen heilige, sittliche Pflicht war, das Höchste im Felde zu leisten und daß dessen Kriegslieder seinen fröhlichen Mut und seine helle Begeisterung für Volk und Vaterland der Nachwelt erhalten haben. Mit Zustimmung des Vertreterkollegiums hat das Präsidium 1000 tschechische Kronen dem „Dr. Hugo Zuckermann-Denkmalfonds" zugewendet. Die israelitische Kultusgemeinde Amstetten ist genötigt, eine Zeremonienhalle auf ihrem Friedhofe zu errichten, und hat sich unter Hinweis darauf, daß von ihr auch die Beerdigungen von in der städtischen Versorgungsanstalt in Ybbs verstorbenen, früher in Wien wohnhaft gewesenen Insassen vorgenommen wird, an die Wiener israelitische Kultusgemeinde um eine Beihilfe gewendet. Unter Zustimmung des Vertreterkollegiums hat das Präsidium, obgleich nach den gesetzlichen Bestimmungen jede Kultus- Gemeinde für die in ihrem Sprengel erforderlichen religiösen Einrichtungen selbst Sorge zu tragen hat, einen Betrag von 500 Schillig dem gedachten Zwecke zugewendet. Das Präsidium hat in den letzten Tagen unangesagte Revisionen in den Aemtern und Anstalten der Kultusgemeinde vorgenommen. So wurden im Spitale und in der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Skontrierungen und Stichproben in den Büchern und Belegen, Ueberprüfungen in der Küchen- ^irt^chaft und Kostnroben der zubereiteten Sneisen vollzogen. Es sind ferner die Insassen über etwaige Wünsche und Beschwerden befragt worden. Die Revisionen haben zur besonderen Befriedigung des Präsidiums die Ordnungsmäßigkeit der Gebarungen, die pflichtbewußte Tätigkeit der Leitungen und des unterstellten Personales und die Zufriedenheit der Refürsorgten mit der ihnen zuteil werdenden Wartung und Verpflegung ergeben. — Hierauf gelangte einstimmig der Dringlichkeitsantrag Stricker und Genossen wegen Wahlreform auf Antrag Dr. T i c h o zur Ueberweisung an das Vertreterkollegium. Schließlich wurden Berichte und Anträge des Ver-

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