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Die Wahrheit · 1927-03-11 · Heft 11 (11.3.1927) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 11 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 MiM mE WAHRHEIT übe* dasselbe glatt erfunden sind. Es wurde weder „gebunden'" noch „geknebelt", noch auch wurden „die Pulsadern durchschnitten" oder ,.gierig das Blut getrunken . Jedes Wort in diesem Berichte ist, wie wir nunmehr auf Grund eingehender Informationen an Ort und Stelle sowie bei den in Betracht kommenden Behörden festzustellen in der Lage sind, eine infame Lüge, entsprungen der krankhaften Phantasie eines pathologischen Judenfeindes und ausgebeutet von der grenzenlosen Infamie raffiniertester Verleumder. Die jüdische Abstammung von Christoph Columbus. Der in Rom vor kurzem abgehaltene Internationale Kongreß für die Erforschung der Geschichte Amerikas beschäftigte sich auch mit der Frage der Abstammung von Christoph Columbus. An den Verhandlungen des Kongresses beteiligten sich auch zahlreiche, jüdische Gelehrte aus allen Ländern der, Welt, so u. a. Prof. Amagia, Rom; Prof. Levin, Florenz; Prof. Leo Wiener von der Harvard-Universität; Prof. Davidson, Philadelphia, und Professor Sternberg von der Wissenschaftlichen Akademie in Leningrad. Einer der bedeutendsten Columbus-Forscher, Professor Cortezao von der Universität Lissabon äußerte sich über die Frage der Abkunft des Entdeckers von Amerika folgendermaßen: „Die neuesten Forschungen spanischer und portugiesischer Gelehrter über die Herkunft von Columbus, hauptsächlich die Arbeiten von Don Enrique Zais, beweisen, daß der Entdecker Amerikas in der spanischen Provinz Galicia geboren wurde. Mit einem hohen Maß von Sicherheit kann man sagen, daß Columbus einer „neuchristlichen" Familie, d. h. einer Familie der Marannen, entstammt, die in der Provinz Galicia einen sehr bedeutenden Teil der Bevölkerung ausmachten. Man weiß, welch hohen Anteil die Juden und Marannen Spaniens im 14. und 15. Jahrhundert an den großen Seeforschungsreisen genommen haben. Der portugiesische Jude Prof. Joaquim Bensti 1 e hat unter dem Titel „Portugal in der Zeit seiner großen Entdeckungen" ein Buch veröffentlicht, in welchem in überzeugender Weise der Einfluß der jüdischen Wissenschaft in Spanien und Portugal auf den Erfolg der großem Expedition von Columbus nachgewiesen wird. Die jüdischen Astronomen gaben die Grundlage für die Seereisen im Mittelalter. Der Jude Abram Z a k u t o verfaßte die astronomischen Tafeln gegen Ende des 15. Jahrhunderts. An allen großen Reiseexpeditionen nahmen Juden direkt teil, auch unter den Begleitern von Columbus waren einige Juden. Erwähnenswert sei, daß nach der Entdeckung von Brasilien König Manuel dieses Land einer Gesellschaft von Marannen in Pacht gab, an deren Spitze der Jude Fernando Lorontra stand. Diese Gesellschaft wurde verpflichtet, in jedem Jahre mindestens 200 Meilen des Landes zu erforschen. Man übertreibt nicht, setzte Prof. Cortezao fort, wenn man sagt, daß die Entdeckung und Erforschung Amerikas ein Werk der Marannen sei. Eine Stadt von sabbathaltenden Juden in Amerika. In dem Reiche der. unbeschränkten Möglichkeiten wird folgendes Projekt ernstlich diskutiert und selbstverständlich in allen großen jüdischen Zeitungen in großen Formaten inseriert: Eine Gruppe von kapitalskräftigen Juden beschloß in der Nähe von New York eine Stadt zu gründen mit dem Fassungsraum einstweilen für 10.000 Seelen. Nach den Gründungsstatuten dürfen in dieser Stadt nur Juden wohnen, die es mit den Sabbatvorschriften ernst nehmen. Der Name der neuen Stadt soll „Sabbatwill" sein. •«•*«*MI»»MM«i ($ik&&tex, Mumst m. Jtit&v&Lttax ": \.Q »MO* »&e«»ea HJeNi (C Bezugsbedingungen: Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8 50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei cK60—, Polen ZI. 11—, Schweiz Fr. 7.-, AmerikalV» Doli.,Italien Lire 40.—.EnglandSchilling 15.—, Rumänien Lei 300.—, Jugoslawien Dinar 100.— *•<!..~« .•" Vorträge. „Die Geschichte der Wirkungen, welche Baruch Spinoza auf die Mit- und Nachwelt ausgeübt hat, ist die Geschichte des modernen Bildungsgedankens." Mit diesen Worten leitete Dr. Max G r u n w a 1 d seinen zweiten Vortrag in der Urania über Spinoza ein, der der Bedeutung des großen Philosophen und seiner Stellung in der Geschichte der Philosophie und Kultur gewidmet war. „Der Stein, den die Bauleute verwarfen", und den aufzuheben lange Zeit hindurch bei Todesstrafe verboten war, ist nicht allein zum Eckstein, er ist zum Grundstein der modernen Kultur geworden. Kaum hatte Spinoza seine reine und edle Seele ausgehaucht, da rüttelte der Gedanke, der von ihm ausgegangen ist, der überwältigende Gedanke der unendlichen Einheit zwischen Gott und Natur, gewaltig an den Grundfesten des Gefängnisses, in welches das Mittelalter den menschlichen Geist eingeschlossen hatte, und kaum waren die Kerkermauern, hinter welchen Philosophie und Wissenschaft schmachteten, gefallen, da verbreitete sich der Geist Spinozas mit wunderbarer Schnelligkeit über die Kulturwelt. Natürlich waren es vor allem die großen Geister, die ihrem Zeitalter weit vorauseilten, welche von diesem Geiste mit geradezu unwiderstehlicher Gewalt erfaßt wurden, und unter ihnen waren es insbesondere die Dichter, welchen das Werk des Amsterdamer Weisen noch mehr zu sagen hatte, als den in Logizismus und Kritizismus verstrickten Philosophen. Immerhin konnte man auch von diesen in Variation eines bekannten Sprichwortes behaupten: Sag mir, wie du dich zu Spinoza stellst und ich werde dir sagen, was für eine Philosophie du hast. Was aber Spinoza einem Lessing, einem Mendelssohn und vor allem einem Goethe bedeutet hat, das zu schildern konnte nur einem Manne gelingen, der wie Dr. Grunwald die Kunst des Einfühlens in so hohem Maße beherrscht, daß er die Gedanken einer Zeit, die wir nicht mit Unrecht als die klassische bezeichnen, in den Seelen der Zuhörer zu neuem Leben erwecken konnte und mit diesen Gedanken den Geist einer Zeit, die von Spinoza inspiriert war; denn v/as hätten die Tatsachen, die vielen Aussprüche und Zitate, die Dr. Grunwald aus der Fülle seines Wissens schöpfte, was hätten sie alle zusammen besagt, wenn sie nicht gleichsam als Früchte von dem Baume einer tiefgehenden und umfassenden Wissenserkenntnis den Zuhörern in den Schoß gestreut worden wären. Niemals hatten die abstrakten Alethoden analysierender und kritisierender Literaturprofessoren noch auch die dialektische Darstellungsweisen erdenferner Philosophen allein den Geist Spinozas aus seiner tausendfältigen Verschlungenheit im modernen Kulturbewußtsein in solcher Klarheit herauszuschälen vermocht, wie dies der alles verbindenden und alles versöhnenden Methode der vermenschlichen Synthese gelungen ist. Allbeseelung hätte Spinoza gesagt! Reichlicher Beifall lohnte die auch in ihrer äußeren Form ausgezeichneten Ausführungen des Vortragenden. Dr. Franz Josef Weiß. Im Verem für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 28. Februar Herr Professor Dr. Jakob B r o n n e r einen Vortrag über Goldschmiedekunst und Kunsthandwerk bei den Juden. In höchst, anregender Weise führte der Redner aus. wie im traditionellen Festhalten an der „Arbeit am heiligen Werke" seit der Stiftshütte in der Wüste sich zu allen Zeiten Juden mit dem Kunsthandwerk als Beruf intensiv befaßt haben. Als besondere Ouellen werden genannt- Albert Wolf (Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde) und Jakob Leschitzky. Um einmal eine umfassende jüdische Kunstgeschichte schreiben zu können, erscheint es nötig, daß möglichst zahlreiche Monographien über einzelne Kunstgeeenstände verfaßt werden. Im Altertum war die KunstteppicbwirVerei und die Erzeugung feiner Gläser fast ausschließlich in Händen von Juden. Die Gold- und Silberschmiedearbeit, wahrscheinlich von ihnen aus Aegypten übernommen, wir, wie Funde bei Ausgrabungen erweisen, zur höchsten Blüte gebracht. Die technischen Ausdrücke, die in großer Anzahl in der Bibel, namentlich in den Propheten vorkommen, bezeugen die übliche Betätigung auf diesem Gebiete. Ebensolche finden sich im Talmud. Ein Hauptsitz für Edelmetallarbeit war zw allen Zeiten Alexandrien. Auch heute noch werden IntarsiVn im Orient, namentlich in Damaskus, von Juden verfertigt. In Europa, besonders im Süden gab es stets jüdische Graveure, Steinschneider, Wappenstecher. Am wenigsten in Deutschland,

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