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Die Wahrheit · 1927-03-11 · Heft 11 (11.3.1927) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 11 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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0IE WAHRHEIT iiiiilllllliM Seite 9 ernstzunehmender, völkisch orientierter Freistudenten wurde letzthin der Vorschlag gemacht, die „antisemitische Frag e" zur Diskussion zu stellen. Die Idee wurde begeistert aufgenommen, und die Suche nach den Rednern begann. Der Korreferent, der „Anti-Antisemit", war bald zur Stelle. Jedoch der Referent, der wissenschaftliche Verteidiger antisemitischer Weltanschauungen, wollte sich nicht melden. Ein „leidenschaftlicher Anhänger" des Antisemitismus sah sich zu der Vorfrage veranlaßt, aus welchen Parteischichten (!) sich die Zuhörer rekrutierten, und ob der Korreferent Deutscher oder Jude sei. Trotzdem sich sogar jüdische Kreise bemühten, den antisemitischen Redner zur Stelle zu schaffen, ist das bis heute nicht gelungen. Die Aktion mußte also verschoben werden. Auch der Skisport. Der fanatische Judenhaß gewisser österreichischer Kreise hätte in diesen Tagen beinahe wieder zu einer schweren Schädigung des Deutschtums im Auslände geführt. In dem kleinen Dolomitenstädtchen C o r t i n a d'A inpezzo wurden in diesem Jahre zum zweiten Male die internationalen Skikonkurrenzen der Föderation International de Ski (F1S) durch den italienischen Skiverband veranstaltet. Auch Deutschland hatte eine stattliche Mannschaft für die einzelnen Konkurrenzen gemeldet. Unter ihnen befanden sich auch einige vom deutschen Skiverband benannte Skiläufer österreichischer Staatsangehörigkeit. Die Oesterreicher können nämlich in die F1S nicht eintreten, da die Satzungen aller der FIS angeschlossenen Landesverbände so beschaffen sein müssen, daß jedem Angehörigen des betreffenden Landes der Eintritt in seinen Skiverband möglich ist. Die Schaffung eines allgemeinen österreichischen Landesverbandes war jedoch nicht möglich, weil die Mehrzahl der österreichischen Skiverbände den Arierparagraphen in ihren Satzungen enthält und selbst um der allgemeinen Sportinteressen willen nicht davon abzugehen gewillt ist. Da den Oester reichern hierdurch die Teilnahme an der internationalen Konkurrenz unmöglich war, schloß sich ein Teil der österreichischen Verbände zu einem Zweig verband zusammen, der als Unterverband dem als Mitgliede der FIS angeschlossenen Deutschen Skiverband beitrat. Von diesem wurden nun auch einige Oesterreicher zu den Konkurrenzen in Cortina d'Ampezzo gemeldet. Aus den Kreisen der FIS wurde jedoch diesen Teilnehmern die Startberechtigung abgestritten, da die nach den Satzungen der FIS erforderliche nationale Einheit des deutschen Skiverbandes nicht gewahrt worden sei, weil nach der Auffassung der FIS der Begriff „n a t i o n a 1" identisch mit staatsbürgerlich sei. Da der Deutsche Skiverband bereits die Möglichkeit erwog, seine Teilnehmer im Falle einer Startverweigerung für die Oesterreicher zurückzuziehen, schien ein Konflikt unvermeidlich. Erfreulicherweise wurde dies noch einmal vermieden. Der Kongreß der FIS stellte zwar fest, daß die Meldung der Oesterreicher unvereinbar sei mit den Satzungen der FIS, es wurde jedoch mit Rücksicht auf die reibungslose Durchführung der sportlichen Konkurrenzen beschlossen, die Oesterreicher ausnahmsweise starten zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß der Deutsche Skiverband seinen ganzen Einfluß für eine Beendigung der unhaltbaren Zustände im österreichischen Skisport einsetzte, um im nächsten Jahre schwere, internationale Konflikte, die dem Ansehen des deutschen Skisportes in der Welt schweren Schaden zufügen und die Teilnahme der Oesterreicher an den Olympischen Spielen 192S in St. Moritz gefährden, zu vermeiden. Eine bodenlose Gemeinheit. Unter der Ueberschrift: „Scheußlicher jüdischer Blutmord. Ein Rabbinersohn der Haupttäter" brachte das „D e u t s c h e T a g b 1 a 11" vor kurzem folgende Meldung aus Warschau: „Das ,Echo Warszawski' meldet, daß im Bezirk der Konstanziner Villen drei junge Leute — der Sohn des jüdischen Rabbiners Aronsohn, der Feldscher Idel und der Sekretär des Advokaten Blumenstein — die 18jährige Hausangestellte des Advokaten Kwajatkowskaja in den Wald lockten, sie gebunden, geknebelt, ihr die Kleider heruntergerissen und, nachdem sie ihr die Pulsadern durchschnitten, gierig ihr Blut getrunken hätten. Nachdem das Mädchen infolge des Blutverlustes gestorben war, hatte der Feldscher ihr beide Hände und Füße abgeschnitten; die jungen Mörder spielten einige Zeit mit diesen Gliedern, dann steckten sie sie neben dem Kopf ihres Opfers in die Erde und gingen fort. Die kleine Tochter eines Bauern, die hinter den Büschen alles mit ansah, erzählte den grauenvollen Vorfall im Dorfe. Die Mörder sind in Haft. Um sie vor der Lynchjustiz des Volkes zu schützen, wurden säe von der Polizei heimlich in die Stadt gebracht. Die medizinische Untersuchung stellte fest, daß dem ermordeten Mädchen alles Blut entzogen wurde, das augenscheinlich die Mörder getrunken haben. Den Mördern wurde ins Gefängnis ein Körbchen mit Birnen geschickt; kaum hatten sie von denselben gegessen, so erkrankten sie. Man stellte fest, daß die Birnen vergiftet waren. Die Eltern des Blumenstein die die Birnen schickten, wurden verhaftet" Diese Meldung wurde von einer ganzen Reihe völkischer Blätter wiedergegeben, die unter aufreizenden Ueberschriften „das furchtbare jüdische Verbrechen" mit mehr oder weniger grauslichen Ausschmückungen schilderten. Der in Augsburg erscheinende .Deutsche Michl", eines der abscheulichsten antisemitischen Hetzblätter, bringt unter der Ueberschrift „Wieder ein jüdischer Ritualmord. Drei Juden trinkendasBiutihresOpfers" einen Leitartikel über jüdische Ritualmorde, in welchen er sich zunächst auf die Schriften von Professor Dr. Rohling beruft, „der eine Fülle erdrückender Beweise aus rabbinischen Schriften" dafür erbracht habe, daß Juden Christen umbringen, um ihr Blut zu verwerten. Doch fügt das Blatt gleich hinzu: „Die Juden verstehen es auch ausgezeichnet, immer und immer wieder sich aus der Schiinge zu ziehen; zuhilfe kommt ihnen vor allem ihre Geheimlehre, der Talmud, ihre Verbindungen mit dem Freimaurertum, nicht zuletzt ihr zusammengewuchertes Geld, dann ihr unterwürfiges, kriecherisches und scheinheiliges Wesen, und was das Schlimmste ist, die Einfalt der arischen Völker und ganz besonders der Deutschen, daß sie den schleimigen Kriechern auf den Leim gehen." Wie es diese „schleimigen Kriecher" anstellen, um die arischen Völker immer wieder zu betrügen, soll durch den Hinweis auf unser Blatt gezeigt werden. Der „Deutsche Michl" schreibt nämlich folgendes: „Da schreibt zum Beispiel ciie „Wahrheit", besser gesagt „Unwahrheit", das Organ für jüdische Interessen in Wien — ein raffiniertes Blatt außer der „C. V.-Zeitung und der „Berliner Illustrierten" wird es wohl kaum mehr geben — „man sollte doch endlich mit dem Märchen der jüdischen Blutmorde umhören, denn so etwas ist im XX. Jahrhundert ausgeschlossen." Und dann setzt der „Deutsche Michl" fort: „Ob es nun tatsächlich im XX. Jahrhundert noch jüdische Blutmorde gibt, darüber mögen unsere Leser selbst urteilen." Wir entnehmen dem „Echo Warszawski" aus Warschau. Es folgt nun die schauderhafte Geschichte von dem jüdischen Rituaimord, welche sich Wort für Wort mit dem Berichte des „Deutschen T a g b 1 a 11 e s" vom 14. September deckt. Daß die Meldung vom jüdischen Ritualmord dem „Echo Warszawski" entnommen sei, das ist die erste Lüge. Gleich nach Erscheinen der Lügertmeldung des „Deutschen Tagblattes" hat nämlich die Redaktion des „Echo Warszawski" erklärt, „ebensowenig etwas über die ihr zugeschriebene Meldung zu wissen wie die Warschauer Polizeibehörde von dem Morde". Der „Deutsche MichT hat demnach die von ihm gebrachte Meldung aus derselben Lügenfabrik bezogen wie das „Deutsche Tagblatt" oder, was viel wahrscheinlicher ist, wörtlich von dieser Zeitung abgeschrieben. Statt sich darüber zu informieren, ob das grausame Verbrechen wirklich verübt worden ist, statt nachzusehen, ob das „Echo Warszawski" tatsächlich obigv. Meldung gebracht hat, schreibt der „Deutsche Michl" in gewohnter Niederträchtigkeit einfach folgendes: „Die Judenpresse hat über dieses scheußliche Verbrechen bisher nicht ein .• Zeile gebracht! Wenn im Herzen Europas drei jüdische Bestier ein Christenmädchen abschlachten und dessen warmes Bin; gierig trinken, so hat die gleiche Massenpresse keine zehn Zeilen übrig, um über dieses erschütternde Drama wenigsten' zu berichten. Ja, hätte irgendein Hakenkreuzler im gerechte,: Zorn irgendeinen Lumpen niedergeschlagen, dann wären an. nächsten Tage hundert krummnasige Berichterstatter am Orti der Tat gewesen und wochenlang wäre die Welt über da.1 Verbrechen unterhalten worden." Der Grund, warum,, dl.. Judenpresse über das scheußliche Verbrechen bisher nicht ein- Zeile gebracht hat", ist einfach der, daß dasselbe niemals stattgefunden hat und alle Berichte auch leidenschaftlicher Weise debattiert wird. Von Seiten

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