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Die Wahrheit · 1927-03-11 · Heft 11 (11.3.1927) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 11 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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öffi Wahrheit iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiii Seit* 3 gen Führer der rumänischen Antisemiten ist, darf sich also nicht wundern, wenn diese Propaganda ihre Früchte trägt, wenn Juden aus fahrenden Zügen geschleudert, wenn die Schaufenster jüdischer Läden zertrümmert, wenn Juden auf offener Straße überfallen und blutig geschlagen, wenn an den rumänischen Universitäten jüdische Studenten und Studentinnen blutig mißhandelt und aus den Hörsälen und Laboratorien hinausgeworfen werden (das Wort ist hier wörtlich zu verstehen), wenn mit einem Wort in Rumänien Pogromstimmung herrscht. Diese Stimmung besteht, davon kann jedermann, der nach Rumänien kommt und hören und sehen will, sich überzeugen. Wenn also die rumänische Regierung empört tut und sich gegen den Vorwurf sträubt, sie hätte Pogrome zugelassen, so ist sie nur insoweit im Recht — man verzeihe die Anwendung des Wortes Recht in diesem Zusammenhange —, als Pogrome noch nicht (der Ton liegt auf noch) stattgefunden haben. Von den Ausschreitungen, die bisher stattgefunden haben, bis zum Pogrom, d. h. bis zur organisierten Massenschlachtung der Juden, ist jedoch nur ein kleiner Schritt. Wir wollen dringend hoffen, daß es zu diesem Schritte nicht kommen wird. Dies setzt jedoch voraus, daß die Regierung, anstatt gegen die Proteste des Auslandes ihrerseits Protest zu erheben und anstatt von den Juden des eigenen Landes mit allen Mitteln der Drohung Gegenerklärungen zu erpressen (die bisher nicht abgegeben wurden und wohl auch niemals abgegeben werden), sich dazu entschließt, vor ihrer eigenen Tür zu kehren. Daß es zu diesem Entschlüsse kommt, ist allerdings unwahrscheinlich, denn wie die Verhältnisse in Rumänien nun einmal sind, bedeutet für eine rumänische Regierung, vor der eigenen Tür kehren, Selbstmord begehen. Man kann demnach auf weiter | Wlanacn Sic überall Original Lahme setzte sich auf die Schultern des Blinden, der ihn hintrug, wohin jener den Weg wies. So ist auch durch die Verbindung von Körper und Seele die Sünde in der Welt tätig, aber sie kann „bemesid" „mit Absicht" oder „beschogeg" „irrtümlich" zustande kommen. Wer mit bewußter Absicht ein Gebot verletzt, sich der angedrohten Strafe freventlich aussetzt, hat noch nie das Mitleid der Menschen gefunden, wohl aber wird die irrtümlich begangene Sünde einen Fürsprecher auf Freispruch finden. Darum muß man es beachten, daß die Opferlehre Israels die irrtümlich Sündigenden nicht . ohne Sühne läßt. Ohne Unterschied, ob Hoherpriester oder die Gesamtheit des Volkes, ob Fürst oder Bauer, muß jeder ein entsprechendes Sühnopfer darbringen. Diese Lehre vom Sündopfer „beschogeg" „aus Irrtum" ist sehr heilsam für den stolzen, selbstsicheren Menschen, weil sie unzweideutig verkündet, daß der Mensch irrt, solange er lebt und strebt, ob es ein Hoherpriester oder ein schlichter Bauer, ein Fürst oder eine ganze Volksgemeinde ist. Darum zeigt das Judentum Moses in seiner Sünde ebenso wie David, zeigt, daß es keinen Menschen gibt, der nur gerecht wäre, ohne zu sündigen — aber die Menschen selbst wollen es nur ungern glauben, daß sie irren und sich irren können. Wie viele wären im Leben glücklicher, wenn sie rechtzeitig einen Irrtum eingesehen und ihr Sündenopfer dargebracht hätten; wie vielen wäre viel Mißgeschick und Leid erspart geblieben, wenn andere ihren Irrtum ihnen gegenüber eingesehen und einbekannt hätten. Irren ist menschlich, aber man muß die Kraft haben, ein Sündopfer zu bringen, wenn man aus Irrtum gegen Gesetz und Gebot gehandelt hat. Kein Fürst und kein Priester, kein Volk und kein einzelner sollte sich schämen, seinem Irrtum eine Sühne zu opfern. Es ist eine wichtige, heilsame Lehre: „Wenn eine Person aus Irrtum sündigt . . ." Badgasteiner Thermalwasser A.- CL III der Name spricht für sidi! | Dlrchllon Um: ^Z^^™^""*:?-*™^^ III — 25-17 u.63-60. Drahtanschrift: Thermag, Linz III BetrleDsleHung Padgasteln: ^s^g^138 | —— Thermag, Badgasteia im DCDOt WlCIl* I-> Heiersdorferstraße 9. Fernsprecher: 62-0-42 ||| ———ml Drahtanschrift: Thermag Wien ||| nichts hoffen, als auf die Gutmütigkeit des rumänischen Volkes selbst, das im Gegensatze zu seiner Regierung in des Wortes bestem Sinne tolerant ist und auf das die wüste Hetzpropaganda der antisemitischen Apostel, der Regierung mit inbegriffen, bisher so gut wie gar keinen Eindruck gemacht hat. Sollte es nichtsdestoweniger zu weiteren Judenausschreitungen oder zu Ausschreitungen in verstärktem Maße kommen — was der ganzen Sachlage nach nur in den Städten möglich ist —, so steht die Mitschuld der rumänischen Regierung heute schon einwandfrei fest. Johannes von Bloch, der wirkliche Urheber der Haager Friedenskonferenzen. Von Binjamin Segel. Am 24. August 1898 wurde die ganze Welt durch die Kunde überrascht, daß der russische Staatskanzler und Minister des Aeußern, Graf Murawjew, allen in Petersburg akkreditierten auswärtigen Vertretern ein Rundschreiben überreicht hatte, in welchem er sie im Namen seines allerhöchsten Herrn und erhabenen Monarchen Nikolaus II. aufforderte, „auf dem Wege internationaler Beratung die wirksamsten Mittel zu suchen, um allen Völkern die Wohltaten eines wahren und dauernden Friedens zu sichern und vor allem der fortschreitenden Entwicklung der gegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen". Das merkwürdige Dokument enthielt in kurzen, knappen Worten eine entschiedene, ja scharfe Verurteilung des Krieges und ein warmes Bekenntnis zu der Idee, „den großen Gedanken des Weltfriedens triumphieren zu lassen über alle Elemente des Unfriedens und der Zwietracht". Infolge dieses Manifestes trat

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