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Die Wahrheit · 1927-03-04 · Heft 10 (4.3.1927) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 10 (4.3.1927)
Date
1927-03-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT W Seite 11 biner Dr. Kober aus Köln a. Rh. einen Vortrag über das Thema: Von den ältesten jüdischen Grabstätten in Deutschland, ihrer archäologischen und geschichtlichen Bedeutung. Ausgehend von den alten Feld- und Höhlengräbern in Palästina und den Katakomben in Rom und anderen italienischen Städten, kam der Redner auf die ältesten Grabsteine in Deutschland zu sprechen. Beginnend mit dem vor etwa zehn Jahren in Köln a. Rh. aufgefundenen Gräberfeld am Bonner Tor, das aller Wahrscheinlichkeit nach in die Römerzeit zurückgeht, führte er seine Zuhörer durch eine Reihe alter Gemeinden vom Rhein und der Donau bis nach Breslau und Wien und berichtete über die zahlreichen noch vorhandenen und hochinteressanten Grabsteine. Viele schöne Lichtbilder erläuterten den sehr gelehrten und instruktiven Vortrag. Die Versammlung dankte dem Redner durch reichem Beifall. Otto Mittler: „Deutschiland, Deutschland." Roman, 430 S., Oktav, brosch. Frs. 5.—, Mk. 4.—, in Ganzleinen geb. Fros. 7.—. Mk. 5.60. Orell Füssli Verlag, Zürich, Leipzig, Berlin. — Der Roman des Deutschland von 1924/25, der Roman der jungen Republik, des sich langsam wieder durcharbeitenden Volkes, das sich — aufgerüttelt durch die schwere europäische Krise — über Liebe, Ehe, Erzlejhung, Politik, Rassenfragen, Kultur, Justiz, Wirtschaft, Literatur und Sport, die Grundprobleme der Nation und des Einzelmenschen, die brennendsten Gegenwartsfragen, eine neue Welt schaffen muß. In wuchtigem Tempo rollt sich eine spannende Handlung ab. Gestaltung ernster Probleme wechselt mit der Spannung des atemraubenden Detektivromanes, und jedem Freund der Berge erwacht bei diesen Schilderungen des alpinen Sports und alpiner Gefahren der Wille zu neuem Erleben. Heinrich Berl: „Das Judentum in der Musik", Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. — In schöner Ausstattung liegen, stark vermehrt, Beris Aufsätze, die seinerzeit im „Juden" erschienen waren, vor uns. Ursprünglich als Gegenschrift gegen die gleichnamige antisieimitsche Broschüre Richard Wagners gedacht, will sie heute die Existenz einer spezifisch „jüdischorientalischen Tonkunst" erweisen; freilich bleibt die Frage offen, ob das gelingt, denn viele Fachleute bezweifeln deren Existenz und sehen in dem immerhin mit Fleiß geschriebenen Buche nicht mehr, als sein Titel besagt; dem christlichen Autor gebührt jedenfalls unser Dank dafür, daß er sich in eine jüdische Frage mit größter Objektivität vertiefte. Zg—fn. Micha Jose! bin Gorion: „Die Sagen der Juden." Rütten & Loening, Frankfurt a. M. Bd. 1: „Von der Urzeit, Bd. 2: „Die Erzväter", beide in 2. Auflage, Bd. 4: „Mose", eben erst erschienen, von den Kindern des inzwischen verstorbenen Autors übersetzt und ediert. — Sagen, Mythen, Legenden, Märchen, Parabeln, Gleichnisse — alles, was sich darüber in hebräischen und aramäischen Urkunden findet, wird hier in volkommenster Sammlung sinngetreu, mehr noch: rhythmisch dem Urtext angepaßt, verdeutscht! Besonders hervorgehoben sei die ausgezeichnete systematische Anordnung des Stoffes und der wohl lückenlose Quellennachweis am Schlüsse jedes Bandes. Die Judensagen gehören in die Bibliothek jedes Juden. Sie werden die Aelteren erfreuen und die Jugend, selbst Kinder — freilich nur in Gewähltem — zu fesseln vermögen, mehr als Sagen anderer Völker. Z—f—n. Westermanns Weltatlas. Veriag G. Westermann, Braunschweig. Mk. 30.—. Unter Mitarbeit hervorragender Fachleute gibt Adqlf Liebers den soeben in 18. Auflage erschienenen Weltatlas heraus, der uns in 137 Haupt- und 118 Nebenkarten auf 109 Kartenblättern mit erläuterndem Text ein einzigartiges, klares Bild bietet von Weltgeographie, Weltwirtschaft und Weltgeschichte als — Einheit. In diesem handlichen Atlas finden wir, ich glaube zum erstenmal, statt bloß trockener Orte-, Flüsse- und Bergnamen exakte Angaben über alle Faktoren, die die Lebensbedingungen der einzelnen Staaten bilden. Altes ist knapp und übersichtlich geordnet Es ist begreiflich, daß die statistischen Angaben einer stetigen Aenderung unterworfen sind, da ja die Zeit, die Wirtschaft und die Politik nicht stillstehen; es ist auch begreiflich, daß darum manche Angaben „veraltet" bleiben, wenn auch der Autor bemüht ist, von einer, Auflage zur anderen Ergänzungen vorzunehmen. Ich finde z. B. bei Palästina heute nicht mehr geltende Ziffern und empfehle, In Hinkunft bei allen statistischen Angaben die betreffende Jahreszahl hinzuzufügen, um Irrtümern zu begegnen, anderseits mit jeder verbesserten Neuauflage für die Besitzer älterer Ausgaben „Ergänzungs- Mätter" zu schaffen, die zusammenfassend die wichtigsten Aenderungen enthalten, eventuell in solcher Form, daß die „veralteten Stellen" im Atlas überklebt werden können. R. S. Der Schweik ist uns schon lange kein Fremder, kaum war die Kunde von ihm aus seiner Vaterstadt Prag zu uns gedrungen, als auch schon ein Wiener Spätabendblatt seine humorvollen Schicksale aus der kleinen „Großen Zeit" fortsetzungsweise veröffentlichte. Diese Publikation hat das Interesse weiter Kreise erregt und man ist nun froh, seine Hinterlandsgeschichte in einem im Verlag Adolf Synek, Prag, erschienenen Buche lesen zu können. Um mit Schweik zu reden: Jüngst erschienen, herich, die Fortsetzungen, die über seinen Frontdienst erzählen sollen; wir freien uns sehr darauf; der Anfang war gut und lustig. Georg Hirscbfeld: „Otto Brahm". Verlag Georg Stilke, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 65. Ein sehr interessanter Band von Briefen, die der Autor von dem berühmten Theatermann Brahm empfangen und die er mit erklärenden Zwischentexten versehen hat. So ist dieses Buch zugleich ein Stück Theatergeschichte aus einer Zeit, die bedeutender und verständiger für die dramatische Kunst war als unsere Epoche der Revuen. O. H. Cuneow: Politische Kaffeehäuser. Verlag J. H. V. D i e t z, Nachf., G. m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Eine hübsche Sammlung von Beschreibungen der alten Kaffeehäuser von Paris, die zur Zeit der großen Revolution der Sitz der verschiedenen revolutionären Parteien waren, und eine lebendige Schilderung des bunten Lebens und Treibens an diesen Stätten. Zugleich regt dieses Buch zu einem Vergleich mit der Jetztzeit an, in der auch in gewissen Kaffeehäusern Politik gemacht wird. Sie sieht oft danach aus. O. H. Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz (annuaire israelite pour la Suisse), 4., 5. und 6. Jahrgang, Basel. Verlag des Jüdischen Jahrbuches. Der Umstand, daß nach mehrjähriger Pause das Jahrbuch für die Schweiz im nächsten Jahre wieder erscheinen soll, veranlaßt mich, den Leser auf die letzten Jahrgänge hinzuweisen. Der vierte Jahrgang bringt zunächst den üblichen Kalender und Rückblick. Aus seinem sonstigen Inhalt seien einige nette und wertvolle Aufsätze erwähnt; in das Gebiet der Geschichte gehören Arbeiten wie die des verew. Rabbiner Dr. A. Cohn „Rabbi Israel Hildesheimer", persönliche Erinnerungen zu seinem hundertsten Geburtstage, oder „Beiträge zur Geschichte der Juden in der Schweiz" von Isak Erlanger und „Skizzen zur Geschichte der Juden in Zürich" von Bernhard Weinert, Uebersetzungen und Auszüge aus wertvollen Werken bereichern das Buch, das auch ein guter Bilderschmuck ziert. Gedichte, Erzählungen, Betrachtungen und Sprüche reizen oft und gern. Der fünfte Jahrgang enthält einen wertvollen Aufsatz „Zur Physiologie des Schächtens" von Dr. Robert Guggenheim, der in unserem Abwehrkampfe für das Schächten noch gut verwertet werden kann. Dieser Jahrgang bringt sehr viele Beiträge über das alte und neue Palästina. Einen besonderen Hinweis verdienen die nachbenannten zwei Artikel, 1. J. Strom: „Das Schreibverbot am Schabbos" und 2. David Weinbaum: „Eine alte jüdische Druckerei" (Dyhernfurth). Auch hier fehlt es nicht an Erzählungen, Gedichten und sonstigen wertvollen wechselreichen Beiträgen. Der sechste, bisher zuletzt erschienene Jahrgang würdigt in einem beachtenswerten Aufsatze von Ludwig Krauß Hermann Cohens die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums, beschreibt aus der Feder von Dr. Marcus Cohn, das Leben des Oberrabbines Koch, enthält die nicht unebene Betrachtung von Dr. M. Ascher „Einiges über jüdische Erziehung". Aktuell ist wohl der Aufsatz von Adrien Blum über die jüdische Turnbewegung. Acht wertvolle Illustrationen gehören zum Schmuck des Buches. Auch die Erzählungen machen das Buch lesenswert. Alles in allem kann man diesen Jahrbüchern» die noch „Die jüdischen Gemeinden in der Schweiz" und „Die schweizerischen jüdischen Vereinigungen und Wohltätigkeitsinstitutionen* bringen, nur eine reiche Leserschar zu wünschen. Die Redaktion eines solchen Jahrbuches kann sich gewiß im eigenen Lande die nötigen Leser schnell sammeln und ihnen nach Wunsch genügenden und guten Lesestoff bieten. So wird W Halbjährig: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8 50, Deutschland Goldm. 7.—, Tschechoslowakei cK60-, Polen ZI. U —, Schweiz Fr. 7.-, Amer ika 1 % Doli., Italien Lire 40.—»England Schilling 15.—, Rumänien Lei 300—.Jugoslawien Dinar 100.— I

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