Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 10 (4.3.1927)
- Date
- 1927-03-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT lk" OTfieater, ttumst m. £iteratur '"M. V~'* \................................................................................................/ Arthur Schnitzler: Der Geist im Wort und der Geist in der Tat. Vorläufige Bemerkungen zu zwei Diagrammen. (S. Fischer, Berlin.) Schnitzler hebt hervor, daß einzig und .allein die Geistesverfassung, das wesentlich maßgebende für das Urteil der Geistesmenschen ist. Weder Beruf noch Begabung, noch Seelenzustände geben hierbei Ausschlag. Diese Geistesverfassung wird repräsentiert durch Typen, die natürlich nicht etwas in Wirklichkeit existierendes darstellen, sondern Schablonen sind. Gegenstand dieser Abhandlung ist nun eine Skizze über die geistigen Typen, Urtypen, wie sie Schnitzler nennt und deren Beziehungen zu einander er nun in zwei Diagrammen, eines „Der Geist im Wort" und eines „Der Geist in der Tat", festhält. Beide Diagramme bestehen aus je zwei Dreiecken. Die Diagramme haben die äußersten Gegenstände Gott — Teufel, Prophet — Bösewicht, die Dreiecke die gleiche Linie als Basis gemeinsam, doch ist diese gemeinsame Basis gleichzeitig Scheidewand zwischen dem positven und dem negativen Typus. Der Weg in der Darstellung der gegenseitigen Beziehungen der Typen, vom Höchstpunkt des Dichters zum Tiefpunkt des Literaten im Diagramm des Geistes im Wort und vom Höchstpunkt des Helden zum Tiefpunkt des Schwindlers im Diagramm des Geistes in der Tat, ist mit durchdringender Klarheit gezeichnet und läßt uns Schnitzler als tiefen Denker bewundern. Diese „Vorläufigen Bemerkungen" sind ein kleines Werk eines großen Geistes. Dr. Hans Kronengold. Die einfache und doppelte Buchhaltung des Kaufmannes und Gewerbetreibenden. Unter diesem Titel gibt Hans S p i r a (Tagbl.att-Bibl iothek, Preis 2 S) ein wertvolles, leichtfaßliches, praktisches Lehr- und Nachschlagebuch heraus, das einem lange bestehenden Bedürfnis endlich entgegenkommt Soviel auf diesem Gebiete verfaßt wurde, gibt es doch nur ganz wenige Lehrbücher, die knapp und klar auch dem Laien ermöglichen, die Theorie in die Praxis umsusetzen. Sowohl dem kleineren Gewerbetreibenden, der seinen Betrieb mit der einfachen Buchhaltung führt, als auch dem größeren Kaufmann, dessen umfangreicheres Geschäft, mit Im- und Export, ihn auszubauen zwingt und Haupt- und Nebenbücher zu eröffnen, vielfach aber auch dem nur buchhalterisch Arbeitenden, der rasch Rat in einer selbst komplizierten buchhalterischen Frage sucht, muß dieses kleine handliche Büchlein ein unentbehrlicher Ratgeber werden. Darum sei gern allen, den schon Wissenden und solchen, die die wirtschatflichen Verhältnisse gezwungen haben, sich umzustellen, Hans Spiras Lehr- und Nachschlagebuch empfohlen. Prot Dr. J. Lamm. Ein Puriniabend. Soeben ist im Jüdischen Buch und Kunstverlage in Brünn, Adlergasse 9, ein handliches Büchlein erschienen, welches zum bevorstehenden Purimfeste freudig begrüßt werden wird. Es enthält eine große Anzahl von passenden Gedichten für Kinder sowie ein Kinderpurimspiel und ist dazu bestimmt, dem fühlbaren Mangel speziell an Material für Kinderaufführungen abzuhelfen. Der Autor, welcher bereits von früheren Publikationen ähnlicher Art bestens bekannt ist, hat auch diesmal wieder dazu beigetragen, das Purimfest, selbst in der kleinsten Gemeinde, durch Kindermund lebendig werden zu lassen. Alle Veranstalter werden gerne Veranlassung nehmen, dieses Büchlein zu verwenden. Der Preis beträgt S 2.—. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag. Kurt Hiller. Ist Genf der Friede? (Hensel & Co. Verlag, Preis geheftet RM. 0.75. Die Matadore von Locarno und Genf, Chamberlain, Briand, Stresemann, sind durch den Nobel-Friedenspreis ausgezeichnet worden. Unzweifelhaft haben sie sich durch ihre praktische Arbeit um die Befriedung Europas wohlverdient gemacht. Aber ist durch die Verträge, ist durch die Völkerbundsatzung, ist durch Genf der Krieg als Form zwischenstaatlicher Auseinandersetzung ausgeschaltet, der Friede, auch nur der europäische, wirklich gesichert? Kurt Hiller, der bekannte aktivistische Denker und Publizist, der vielgehaßte und vielverehrte Führer des linken, jüngeren Flügels der deutschen Friedensbewegung, wirft in der hier vorgelegten Broschüre diese Frage auf und beantwortet sie: mit Ruhe und Präzision, in mehr juristischer als politischer Beweisführung, beantwortet sie verneinend. Der Kritik folgen positive Skizzierungen der Aufgabe Deutschlands im Völkerbund und jener Mittel zur Verhinderung des Krieges, die es glücklicherweise außer und neben den völkerrechtlichen gibt. S. Altman: Die Geschichte der Wanderungen. R. Lechner, Kommissionsverlag, Wien. 726 Seiten, 1927. Die Geschichte der Wanderungen stellt eine ganz neue Art der Geschichtsforschung dar. Nicht ein einziges, bisher über diesen Gegenstand veröffentlichtes Werk enthält eine solche Fülle wertvoller und übersichtlicher Darstellungen. Diese neuartige Geschichtsdarstellung gibt einen Ueberblick über die Wande^ rungen der Menschheit von Anbeginn bis zur Gegenwart. Sie beschreibt und beleuchtet die Geschichts-Episoden im Zusammenhang mit den Wanderungen. Seit Urbeginn bildete der Nahrungstrieb den stärksten Impuls zur Wanderung, aber man scheute auch nicht die weitesten Wanderungen, um heilige Tempel oder andere Stätten der Anbetung aufzusuchen. Das Werk enthält auch eine Darstellung der Entwicklung der Kunst, Literatur und Wissenschaft. Außerdem bildet dieses Werk ein Kompendium alles Wissenswerten; es ist eine wahre Fundgrube der neuesten statistischen Daten, der wichtigsten Entdeckungen und Erfindungen und bildet daher ein wichtiges und unentbehrliches Nachschlagewerk für jedermann. Das Buch gibt einerseits eine Darstellung von menschlichem Uebermut, von menschlicher Niedertracht und Grausamkeit, von Unterdrückungen und Verfolgungen, anderseits eine solche der heldenhaften Kämpfe und Errungenschaften des menschlichen Geistes. Es enthält die wichtigsten historischen Ereignisse, wertvolle Daten über Geographie, Industrie und Handel, über Gastfreundschaft, Pilgerfahrten und Opferungen, Behandlungen der Fremden; über Reisen und Verkehr, über die Entwicklung der Schiffahrt, Eisenbahn und des Luftverkehrs, über Deportation, Kolonisation, Ein-, und Auswanderung und den bezüglichen Bestimmungen, ferner über Wanderung der Pflanzen und Tiere. Das Buch übermittelt dem Leser in präziser Zusammenstellung wertvolles, vielseitiges Wissen auf den verschiedenen Gebieten in anregender Weise. Ferner wird in diesem Werk der Versuch unternommen, internationale gegenseitige Sympathie herzustellen und die Schranken der Verachtung der Völker vor einander niederzureißen und fördernd an dem Aufbau zum Menschentum zu wirken! (Wir behalten uns vor, auf das Kapitel über die Wanderung der Juden zurückzukommen.) vdr. — f—n. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. Mittwoch, den 23. Februar, fand im Saale des Brüdervereines zu Berlin die stark besuchte Hauptversammlung dieser Gesellschaft statt. Der Vorsitzende, Herr Professor Dr. M. Sobernheim, gedachte eingangs der 250. Wiederkehr des Todestages Baruch Spinozas und erstattete sodann den Geschäftsbericht. Aus demselben ist zu entnehmen, daß die Gesellschaft die Leiden der Inflation zwar noch nicht völlig überwunden hat, jedoch auf dem Wege zur Konsolidierung sehr günstig vorangekommen ist. Der Mitgliederbestand ist ungefähr gleich geblieben. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Subventionen betrugen rund 20.000 Mark. Sie reichten dazu aus, die Kosten für die Monatsschrift und das Büro zu decken. Dank einer Spende der Emergency Society in New York war es der Gesellschaft möglich, zirka 200 Mitgliedern im In- und Auslande Ermäßigung oder Erlaß der Beiträge zu bewilligen. Aus dem Verkauf ihrer Schriften hatte die Gesellschaft eine Einnahme von zirka 2000 Mark. Alle Mitglieder der Gesellschaft erhalten unentgeltlich die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", deren Umfang wieder auf 24 Bogen erhöht worden ist, die aber weit dichter als vor dem Kriege gedruckt wird und darum wesentlich mehr auf dem gleichen Raum bringen kann. Sie erfreut sich immer größerer Beliebtheit und gewinnt einen immer größeren Leserkreis. Ferner hat die Gesellschaft während des letzten Jahres die Schrift von Rabbiner Dr. Lewin-Breslau: Die Landessynode der großpolnischen Judenheit in ihrer geschichtlichen Entwicklung veröffentlicht und von den Werken: Cohen: „Die Religion der Vernunft aus den Ouellen des Judentums", Krauss: „Talmudische Archäologie", Philippson: „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes", Band II, steht die Herausgabe der zweiten Auflage unmittelbar bevor. Auch die Fortsetzung der Germania Judaica soll während des Jahres 1927 in Druck gegeben werden. Die Mitglieder der Gesellschaft erhalten nicht nur alle ihre Veröffentlichungen mit einem erheblichen Preisabschlag, sondern daneben auch Rabatt auf sehr beliebte und viel verbreitete Werke, z. B. Simon Dubnow: „Geschichte des jüdischen Volkes, von der jetzt der 5. Band erschienen ist, M. J. bin Gorion: „Sinai und Garizim", von dem jetzt das vollständige Werk vorliegt, dann den Thesaurus Typographiae Hebraicae Sace XV. das Jahrbuch des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur 1926, u. a. m. Dem Vorstand und dem Schatzmeister der Gesellschaft wurde Decharge erteilt. Der Ausschuß wurde wiedergewählt. Im Anschluß an dje geschäftlichen Verhandlungen hielt Herr Rab*