Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 10 (4.3.1927)
- Date
- 1927-03-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT fflllll 1 Seite 9 überstrahlt von dem grellen Lichte eines Hitler. D i n t e r, L u d e n d o r f f, die im moderner Form und mit noch vergif teteren Waffen den Kampf gegen das Judentum führen. Rassenantisemitismus, so lautet heute die Parole der Judenfeinde, die für die spitzfindige und dialektische Methode, mit welcher der „T a 1 in u d - R o h 1 i n g" dem Judentum an den Leib zu rücken versuchte, nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben und ein bedauerndes Achselzucken für ihn, den streitbaren Professor der Theologie an der deutschen Universität in Prag. Welcher Antisemit, der heute „Die Protokolle der Weisen von Zion'\ „Die Sünde wider das Blut" und all die vielen antisemitischen Schmutz- und Schuradschriften mit Heiißhunger verschlingt, kennt den „T a 1 m u d j u d e n" August Rohlings auch nur dem Namen nach, geschweige denn, daß er dieses Buch, in dem Lügen, Verleumdungen, Verdrehungen und falsche Auslegungen fein säuberlich geordnet aneinandergereiht sind, selbst gelesen hätte? Wir aber wollen eines Mannes gedenken, der nicht mehr unter den Lebenden weilt, der mit beispielgebender Unerschrockenheit dem Drachen Antisemitismus entgegen getreten ist und ihm die Giftzähne ausgebrochen hat, eines Mannes, der August Rohling zum offenen Kampfe herausforderte und ihn vor aller Welt, als Lügner, Verleumder und — Ignoranten brandmarkte; wir wollen in Dankbarkeit Dr. Josef Samuel Blochs gedenken, der mit dem heiligen Feuer ehrlicher Begeisterung und mit den umfangreichsten Kenntnissen ausgestattet, Professor Rohling und sein Werk in dem berühmten Bloch - Rohling - Prozeß von Grund aus vernichtete. Von diesem schweren Schlage hat sich Rohling, der bald darauf sein Lehramt niederlegte, nicht mehr wieder erholt. Doch an seine Stelle sind neue, weitaus gefährlichere Antisemiten getreten, wir aber haben keinen Bloch, der ihnen entgegenträte. Eingegangen! Wir haben uns vor ganz kurzer Zeit mit dem „arischen Theater in der Leopoldstadt" zu befassen gehabt, das insofern tatsächlich ein Theater gewesen ist, als die Proponenten des Theaters in der Rolandbühne („Ausgerechnet!" haben wir damals gesagt) eine arisch-germanische Kulturstätte zu errichten beabsichtigten. Man kann sich denken, welches Freudengeschrei darob in der ganzen völkischen Presse ausgebrochen ist und mit welch stürmischem Enthusiasmus die neue Bühne begrüßt wurde. Wir haben uns unsererseits den Glückwünschen, welche dem jungen Unternehmen entgegengebracht wurden, aus vollem Herzen angeschlossen und insbesonders den Wunsch ausgesprochen, daß der genius loci des Ortes, an dem die Bühne errichtet worden ist, dem Theater hold sein möge. Das scheint nun leider nicht der Fall gewesen zu sein. Aus der Komödie ist eine Tragödie geworden, das Theater hat mit einem effektvollen Aktschluß geendet. Direktor Herdegen, der Leiter des Theaters, ist von (seinem Posten zurückgetreten und Direktor Richter- Roland hat die Rolandbühne wieder in eigene Regie übernommen. Die Abendvorstellungen werden somit nicht mehr von der Deutschen Kunstgemeinschaft veranstaltet werden. Das arische Theater hat also zu bestehen aufgehört, kaum daß es errichtet worden war, das Bühnenkind ist in dem ihm fremden Milieu trotz allerbester Pflege an Entkräftigung gestorben. Rudolf Hans Bartsch über die Vaterlandsliebe der Juden. In Nummer 6 und 7 der vorliegenden Zeitschrift haben wir einen Auszug eines Aufsatzes von Thomas Babington Macaulay über „die bürgerliche Unfähigkeit der Juden" gebracht. Darin äußerte er sich u. a. über die Vaterlandsliebe der englischen Juden zur Zeit der Verfassung des in Rede stehenden Aufsatzes (1831). „Wenn die Juden sich England gegenüber nicht als Kinder gefühlt haben, so liegt der Grund darin, daß sie sie wie eine Stiefmutter behandelt hat. Es gibt kein Gefühl, das si;h bei Menschen, die unter einer einigermaßen erträglichen Regierung leben, so sehr entwickelt, als die Vaterlandsliebe. Seit Beginn der Welt gab «es niemals ein Volk oder .einen großen Teil eines Vokes, das von diesem Gefühl nicht ganz ergriffen gewesen wäre, außer wenn es grausam unterdrückt worden war." Der Zufall will es, daß Rudolf Hans Bartsch am 20. Februar d. J .in der „Neuen Freien Presse" einen Aufsatz unter der Aufschrift: „Wien, lerne von der Schweiz!" veröffentlichte, in dem er sich über diesen Gegenstand in vollkommen gleichartiger Weise äußert. Zunächst sagt er: „Es ist aber nicht ieioht demokratisch zu denken. Ich selber weiß davon zu sagen, von dem es schon auf der Universität hieß: Der Oberleutnant Bartsch war immer ein Frondeur. Was habe ich am Juden gelitten, ehe ich ihn erkannte und verstand." Nach diesen freimütigen Worten teilt der Dichter im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen folgendes milt: „Der Schweizer ist gegen jeden gleich; das scheint ihn oft wenig höflich zu machen. Aber er findet im Französisch sprechenden Schweizer und im Italienisch Redenden eben den Eidgenossen. Der Chef der Buchhandlung des Großhauses Orell. Füßli, ein Jude, wurde freiwillig Fliegerbeobachter, damals, als von je zehn Schweizer Kindern je eines vier Jahre lang an den Grenzen Wache hielt. Damit der Wahnsinn nicht auch bei ihnen einbräche. Er stürzte dreimal ab. Er zerbrach sich jedesmal das halbe Knochengestell und rückte immer wieder freiwillig ein. ~Er war seit den Kindestagen auch nicht ein einzigesmal als Staatsbürger zweiten Ranges behandelt worden. Das war's; Dafür gab er Leben und Gesundheit, als es Ernst wurde." Dr. E. W. Nationaljüdische Dichterreklamation. In der Brünner zionistischen „Jüdischen V o I k s s t i m m e" vom 27. Jänner lesen wir folgende Notiz unter dem Titel „Was nicht sein sollte!" Im „Prager Tagblatt" kündigte die Landesorganisation der jüdischen Frauen einen Vortrag Frant. G o 111 i e b s, des bekannten „tschechischen" Dichters an. Frant. Gottlieb ist bekanntlich ein nationaljüdisch denkender Poet, und es.ist zumindest nicht in Ordnung, ihn als „tschechischen" Dichter zu deklarieren, ebensowenig wie man MaxBrod als deutschen Schriftsteller betrachten kann. Solche Entgleisungen sollten nicht mehr vorkommen." Kommentar überflüssig. Jüdische Katakomben in Rom. Zu dem von uns in Nummer 7 gemeldeten Vortrag des bekannten Professors Dr. Hans Lietzmann über „Neues von den jüdischen Katako'mben in Rom" erfahren wir noch Folgendes: In Rom befinden sich etwa sechs solcher Katakomben, die von den einzelnen Gemeinden, in die die römische Judenheit zerfiel, am Rande der Stadt angelegt wurden. Wissenschaftlich publiziert ist nur die Katakombe „Monteverede", die von Nikolaus Müll e r wissenchaftlich durchforcht wurde und so bei ihrem Verfall wenigstens der Wissenschaft erhalten geblieben ist. Im Jahre 1924 wurde auf dem Grundstück des Fürsten T o r- 1 o n i a eine Katakombe neu endeckt, die der Vortragende eingehend untersuchte. Es handelt sich hier um Gräber meist ärmerer Leute. An Inschriften sind etwa 60 aufgefundeen worden, meist in griechischer Sprache, eine auch lateinisch. — Die Art der Bemalung und die Architektur der Grabgänge weist auf die Zeit um 300 als Entstehungszeit hin. — Von Interesse ist auch, daß sich auf einer Grabplatte neben anderen Emblemen ein Hakenkreuz befindet. Es ist dies ein neuer Beweis für die Internationalität dieses Zeichens im gesamten Kulturkreis des Mittelmeeres. Die Erhaltung dieser wie der anderen Katakomben ist äußerst gefährdet. Die von Nikolaus Müller seinerzeit beschriebene ist neuerdings vollkommen eingestürzt. — Sowohl dem italienischen Staat wie der Kurie fehlen die Mittel auch nur die wichtigsten Denkmäler des Altertums zu erhalten. Der Redner schloß daher mit einem Appell an die jüdische Allgemeinheit, für dieses wichtige Dokument der jüdischen Vergangenheit zu sorgen. B. 5 ISRAELITISCHE KULTUSSEMEINDE WIEN 5 | 2. *Q44 ex 1927 Wien, im Februar 1927 | 3f£&T&#iTm€En€len-t£nte*wicfkt S Der Vorstand bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in den S Tempeln der Gemeinde stattfindenden Konfirmation der israel. S S Mädchen ein Konfirmanden-Unterricht vorausgeht. 5 ■ Die Teilnahme an diesem Unterrichte steht solchen Madchen S ■ frei, welche im Laufe des Kalenderjahres das U. Lebensjahr be- S « reits erreichen. 2 ■ Die p. t. Eltern oder Vormünder werden demgemäß eingeladen S ■ ihre Töchter, bzw. Mündel zu veranlassen, sich btei ihrem Religions' S - lehrer oder im Schulamte der israel. Kultusgemeinde, 1., Seiten"!; Stettengasse 4, 3. Stock, bis spätestens " S : ao. nfln 19» £ 5 wegen Teilnahme an dem Konfirmanden-Unterrichte zu melden. S Mädchen, die keinen öffentlichenReligionn-Unlerricht qenicßcn; 3 und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konfirmiert werden »; sollen, sind gleichfalls im Schulamte der israel, Kialtasgemeinde ■ i bis zum angegebenen Termin anzumelden.; : Der Unterricht ist unentgeltlich.; : Der Vorstand : * der israeL Kultusgemeinde Wien ■ %2iiiiiijiiK»>n<aafii)uiutHiM>tniw«iMUMMaiMa»iatmi«MMnn»><