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Die Wahrheit · 1927-03-04 · Heft 10 (4.3.1927) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 10 (4.3.1927)
Date
1927-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 III DIE WAHRHEIT erfahren. Die Kraft zur Selbsthilfe reicht unter diesen Umständen nicht mehr aus. Die Hilfe muß von außen kommen. Diese wäre die unter Mithilfe des Gesaratjudentums durchzuführende großzügige Organisation der Binnenwanderung der Ostjuden und deren Anfciedlung in den neuen von der Sowjetregierung gemeinsam mit den großen jüdischen Organisationen in Aussicht genommenen Kolonisationsgebieten. Der Verfasser weist auf die besondere Bedeutung Innerrußlands, vor allein der östlichen Gebiete der Sowjetunion in dieser Beziehung hin. Dies entspricht auch durchaus den Tendenzen sowohl der Sowjetregierung wie auch der maßgebenden jüdischen Kreise, die vor allem auch eine territoriale Konzentration des neuen jüdischen Siedlungswesens erstreben. Die überaus aktuellen und überzeugenden Darlegungen Dr. Paul Nathans münden m einen praktischen Arbeitsplan auf diesem Gebiete und in einen warmherzigen Appell an das deutsche Judentum in dieser Aktion die Initiative zu ergreifen. L. Bergmann. Jüdische Legenden. Die drei Fräsen! Die Weisheit des Königs Salomo hatte den ganzen Erdball durchdrungen; Könige und Fürsten der nahen und fernsten Länder waren voll Bewunderung für die Pracht und den unerhörten Reichtum des glänzenden Hofstaates dieses Fürstlichsten unter den Fürsten, des Königlichsten unter den Königen, des Weisesten unter den Weisen. Wenn König Salomo durch das Feuer des Weines in freudige Erregung versetzt war. dann pflegte er die Harfe, das Cymbal und viele andere süß klingende Instrumente hervorzuholen, auf welchen sein Vater zur Ehre Gottes so meisterhaft gespielt hatte". Er berief die größten Künstler an seinen Hof und ließ von ihnen die schönsten Lieder, die herrlichsten Gesänge zum Vortrage bringen. Er ließ auch öfters die furchtbarsten Raubtiere, Löwen, Tiger und Leoparden, Raubvögel und giftige Schlangen zu sich bringen, um an ihnen seine Kraft zu erproben . . . Einst berief König Salomo auch den Truthahn, der eben von einer weiten Reise zurückgekehrt war, und befragte ihn, was in der Welt vorgehe. Da erzählte ihm der Truthahn von einem wunderbaren Lande im fernen Westen, in dessen Hauptstadt Kitor eine herrlich schöne und mächtige Fürstin, die Königin von Saba regiere, und in welchem man von König Salomo und seiner Weisheit überhaupt noch nichts gehört hatte. Salomo hörte voll Erstaunen die Rede des Truthahnes und in seinen Mienen spiegelten sich Zweifel. Als dies der Truthahn bemerkte, sagte er: „O König, verleihe mir die Kraft, nochmals nach Kitor zu fliegen, damit ich die Großen des Landes vor Deinen Thron bringen kann!" Salomo diktierte seinen Schreibern einen Brief und ließ diesen am Fuße des Truthanes befestigen, worauf sich der Vogel abermals auf den Weg machte. Ihm aber schlössen sich viele andere Vögel an. Die Königin von Saba lustwandelte gerade in einem herrlichen Garten ihres königlichen Schlosses, als sie eine große Schar von Vögeln plötzlich in der Luft erblickte. Diese Schar war so groß, daß sie das Licht der Sonne verfinsterte. Der Truthahn trat sodann vor die Königin hin, diese erblickte den Brief an seinem Fuße und nahm ihn an sich. Das Schreibn aber hatte folgenden Inhalt: „Ich, König Salomo, übermittle meine königlichen Grüße der Königin und ihrem ganzen Hofstaat Ich gebe Dir, erhabene Herrscherin, bekannt, daß mich die Gnade Gottes zum Herrscher über die Menschen, die wilden Tiere des Landes, über die Vögel des Himmels, wie über alle Wesen gemacht hat Fürsten und Könige aller Länder scharen sich um meinen goldenen Thron, um mir ihre Ehrfurcht zu bezeugen. Wenn Du, o Königin, ihrem Beispiele folgen wolltest, dann werde ich Dich mit Ehren empfangen, wie ich sie bisher noch niemanden erwiesen habe. Solltest Du Dich aber weigern, mir die schuldige Ehrerbietung zu erweisen, dann werde ich meine Reiterei und mein Fußvolk, meine Bogenschützen und Lanzenträger, die wilden Tiere, die Raubvögel und Schlangen, sowie alle bösen Geister in Deine Lande schicken; diese aber werden Dein Land vernichten." Als die Königin den Brief gelesen hatte, erschrak sie außerordentlich und ihr rosiges Antlitz wurde von Todesblässe überhaucht. Sie wußte nicht, wieso sie zu diesem Briefe gekommen sei, noch auch kannte sie den Namen dessen, der ihn geschrieben. Sie ließ sofort die weisesten Männer ihres Landes zusammenrufen, legte ihnen den Brief vor und fragte sie, was sie von König Salomo wissen, doch sie mußten zu ihrer Schande eingestehen, den Namen Salomos noch nie gehört zu haben. Sie waren der Meinung, daß der vorliegende Brief nichts anderes bedeute als eine großsprecherische Drohung, über welche man sich keinesfalls zu ängstigen brauche. Doch diese Antwort befriedigte die Königin nicht, vielmehr sagte ihr eine innere Stimme, sie möge der Einladung des Königs Folge leisten. Sie bat den Befehlshaber der Schiffe zu sich und gab ihm den Auftrag, die schönsten und größten Schiffe auszuwählen, diese mit Gold, Silber, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten zu beladen, 6000 an demselben Tage geborene Knaben und Mädchen auf die Schiffe zu bringen und sich zur Abfahrt bereitzuhalten. Drei Jahre später gelangte die Königin von Saba selbst mit ihrem ganzen Hofstaat an die Grenzen des Landes, welches Salomo beherrschte. Salomo schickte der Königin seinen Heerführer entgegen, einen stattlichen und schönen Krieger, so daß die Königin diesen für den König selbst hielt und ihn demütig begrüßte. Doch der Heerführer wehrte dem ehrerbietigen Gruße, indem er sagte, er wäre nur ein Diener seines erhabenen Herrschers. Er begleitete die Königin in die Hauptstadt des Landes Salomos, woselbst sie von diesem in seinem herrlichen Glaspalast mit prunkvollen Ehren und allen Auszeichnungen, wie sie nur einer Königin gebühren, empfangen wurde. Tief gerührt trat die Königin vor den Thron Salomos und sprach: „Ich will deine Dienerin sein, großer König, wenn du die Fragen, die ich an dich stellen werde, beantworten kannst; wenn aber nicht, dann überlasse ich dir zwar meine Reichtümer, aber meine Unterwerfung kannst du nicht erlangen. — Die erste Frage lautete: „Was ist das Ding, daß aus der Erde quillt. Staub frißt und in die Häuser einzieht?" — Darauf antwortete Salomo: „Es ist Erdpech; denn mit diesem sind die Balken der Häuser bestrichen, um sie dauerhafter zu machen." — Befriedigt durch diese Antwort, stellte Königin Saba die zweite Frage: „Nenne mir ein Gewächs, das so wie der Schilf den Kopf hängen läßt. Den Reichen dient es zur Zierde, den Armen zur Schande, den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Warnung, den Vögeln zur Freude und den Fischen zum Verdruß." Ohne zu überlegen sagte der König: „Das ist Hanf; denn auf dem Felde läßt auch er den Kopf hängen, die Reichen machen aus ihm die prächtigsten Gewänder, die Armen hüllen sich in Fetzen, die aus ihm gewonnen werden, für die Toten macht man aus ihm Sterbekleider, die Lebenden werden durch hänfene Stricke im Zaume gehalten, die Vögel zupfen seinen Samen und die Fische werden in hänfenen Netzen gefangen. Die Königin war auch mit dieser Antwort zufrieden, doch sagte sie: „Du hast mich noch nicht besiegt, o'König, bevor du mir nicht auch die dritte Frage beantwortet hast" Die Königin führte Juden und Heiden, die sie auf ihrem Wege getroffen hatte, vor den Thron des Königs und fragte: „Wer von diesen betet zum allmächtigen Gott und wer betet Götzen an?" Salomo gab dem Hohepriester einen Wink, die Bundeslade zu öffnen, worauf die Juden ehrfurchtsvoll stehen blieben, während sich die Heiden auf die Erde warfen. Salomo wies auf die auf dem Boden Liegenden hin und sprach: „Hier, o Königin, liegen die Heiden." Erstaunt sagte die Königin: „Woher wüßtest du, daß sich die Heiden zu Boden werfen werden?" Darauf antwortete der König: „Der Fall Bileam hat es mir gezeigt; denn es steht geschrieben: er warf sich zur Erde, als sich der Allmächtige, gelobt sei sein Name, vor ihm offenbarte." Da sprach die Königin, überwältigt von der Weisheit Salomos: „Gesegnet sei der Herr, dein Gott, der die königliche Krone auf dein Haupt gesetzt hat und dich nicht nur mit den herrlichsten Schätzen, sondern auch mit hervorragender Weisheit ausgestattet hat. Ich erkläre mich besiegt und will nun deine Dienerin sein." rt i\ ]|M J\ \ ir»ff% Kleider-,Pelze-u.Gummimäntel-Fa I l\ I IVI r\ ■ 1^ Zentrale: Detailverkauf: J* B ft Lrfll Wien U., Glockensasse 24 Wien H., Taborsfra

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