Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 9 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Hllillillilllllllllllllilll!^ Seite 13 Die diesjährige Generalversammlung des Schulvereines „Talmud Thora" (II., Malzgasse 16), findet Mittwoch, den 2. März, 7 Uhr abends, im Turnsaale der Schule statt. Im Rahmen der Generalversammlung findet eine Gedenkfeier für den im Vorjahre verstorbenen langjährigen Präsidenten des Vereines Markus B o n d i s. A. statt. Die Gedenkrede hält Rabbiner Dr. Pinkas Kohn. Linz. Am 8. Februar verschied nach schwerer Krankheit der Landeshauptmann von Oberösterreich Msgr. Joh. Nepomuk Hauser, päpstlicher Hausprälat usw. usw. im 61. Lebensjahre. Landeshauptmann Hauser, welcher der christlichsozialen Partei, jedoch der gemäßigten Richtung angehörte, war ein Fürst des Herzens und der Gesinnung und erfreute sich der allergrößten Beliebtheit, was auch beim Leichenbegängnis zum Ausdruck kam, das auch tatsächlich ein fürstliches war. Auch die Juden Oberösterreichs trauern um ihren verstorbenen Landeshauptmann, der auch jedem Juden, der sich an ihn wandte, ein geneigtes Ohr schenkte. An dem Leichenbegängnis beteiligte sich das Präsidium der jüdischen Kultusgemeinde, und zwar die Herren Präsident Benedikt Schwager, Vizepräsidenten Dr. Gustav Morgenstern und Emil Bruder. Das Präsidium der jüdischen Kultusgemeinde richtete an die Landesregierung ein Kondolenzschreiben, ebenso Se. Ehrw. Herr Rabbiner Doktor V. Kur rein, welches folgendermaßen lautet: „Mit allen Bürgern trägt auch die Judenschaft Oberösterreichs den tiefsten Schmerz um die allverehrte Person des Landeshauptmannes. Seine Persönlichkeit, erfüllt von den edelsten Eigenschaften des Geistes, Herzens und Charakters, war von jedem geliebt und hochgeachtet. Im Namen der Judenschaft Oberösterreichs und im eigenen entbiete ich den Ausdruck tiefgefühltesten Beileides zu diesem unersetzlichen Verluste. Der hohe Verklärte bleibt ein Stolz des ganzen Landes, das ihm unwandelbare Dankbarkeit bewahren wird, bleibt eine Lichtgestalt als Priester seiner Kirche, die zu ehren er alle gelehrt hat. Sein Name wird immer von jedem Juden im Lande voll Ehrfurcht und Liebe genannt werden, sein Andenken in jedes Gebet, aus weichem Munde und Herzen immer es aufsteigt, voll aufrichtiger, dankbarer Verehrung eingeschlossen und immerdar gesegnet sein.' Furchtbares Schicksal eines jungen jüdischen Turners. Sonntag, den 20. d. M., wurde Ernst Metzger, begleitet von seinen zahlreichen Freunden und Kollegen und der gesamten jüdischen Jugend des vierzehnten und fünfzehnten Bezirkes, zu Grabe getragen. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einer erschiitei nden Trauerkundgebung, zu einer letzten ergreifenden Ehrung für den allseits beliebten und geschätzten jungen Mann, der auf tragische Weise sein junges Leben geopfert hat. An der Spitze des Trauerzuges wurde die schwarzumilorte Fahne des Turnvereines M a kk a b i XV., dessen Obmann der Verstorbene durch viele Jahre war, von einem jüdischen Turner getragen. Den Sarg flankierten sechs junge Juden, Freunde des Verstorbenen, in Turnerdreß. Unser allseits verehrter Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf, in welchem er schilderte, wer Ernst Metzger war und was er der jüdischen Jugend des vierzehnten und fünfzehnten Bezirkes bedeutete. Bei den verschiedensten Veranstaltungen, speziell dann, wenn es sich um wohltätige Bestrebungen handelte, stand Ernst M e t z g e r an der Spitze und überall, wo er hierzu Gelegenheit fand, sammelte er für die Ausspeisung armer, jüdischer Kinder, für kranke, arme und notleidende Glaubensgenossen. Ernst Metzger war, wie Dr. Taglicht sagte, ein braver, -aufrichtiger und selbstbewußter Jude, in ergreifenden Worten schilderte Dr. Tägliche den Schmerz der gebrochenen Eltern, denen ein hoffnungsvolles Kind und ein treuer Sohn so plötzlich entrissen wurde. Bei diesen Worten blieb kein Auge tränenleer und tieferschüttert standen Hunderte um den Sarg, der die sterblichen Reste des Frühverstorbenen in sich schloß. — Ernst Metzger hat freiwillig seinem jungen Leben ein Ende bereitet, weil er eine furchtbare Beschuldigung, die gegen ihn in leichtfertigster Weise erhoben wurde, nicht länger ertragen konnte. Es handelte sich um folgende Angelegenheit: Bei einer Veranstaltung des Vereines der j ü d i s dien Kinderfreunde in Mariahilf, welche Sonntag, den 12. d. M., im Münchnerhof stattgefunden hat, ging einer Frau Direktor Gelber ein silbernes Handtäschchen verloren. Trotzdem dasselbe bereits nach wenigen Minuten wieder zustande gebracht werden konnte, wurde Ernst Metzger von der genannten Dame beschuldigt, das Täschchen gestohlen zu haben! Obwohl sich die Kollegen des so schwer Beschuldigten augenblicklich ihres Freundes angenommen haben und sich auch viele angesehene Bürger des Bezirkes, vor allem Frau Fabrikantin Regine B r e i n e r, ins Mittel legten, die Ungeheuerlichkeit einer Diebstahlsbeschuldi- SonOer'Angebot I Warenhauses I Brüder Schifffmann Iii TaborstraBe 48 ääss Unerreicht billige Kaufgelegenheit! Nachstehend einige Beispiele: Waschwiren Blaodrvak ...... 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