Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 9 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 Von den Blutmerkmalen der Juden. Die sogenannte Rassenforschung beginnt neuerdings Methoden wissenschaftlicher Prüfung zur Anwendung zu bringen, durch die eine körperliche und blutgemäße Andersartigkeit des jüdischen Bevölkerungsteiles festgestellt werden soll. Die Chemie des Blutes, wie sie sich praktisch bei Blutübertragungen auswirkt, wenn die Uebertragung des Blutes jüdischer Blutspender auf nichtjüdische Empfänger und umgekehrt zu angeblich krankhaften Erscheinungen führte — das Problem der Agglutination — soll herhalten, um typische Blutunterschiede zwischen Juden und Nichtjuden zu beweisen. Da ist es sehr willkommen, daß in Heft 8 der „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung" der Abteilungsdirektor am Städtischen Krankenhaus Friedrichshain (Berlin), Privatdozent Dr. Fritz Schiff, in einem Aufsatz „Die sogenannten Blutgruppen des Menschen und ihr Vorkommen bei den Juden" über die Ergebnisse neuerer Forschung berichtet. Er teilt mit, daß man durch die Forschungen bezüglich der Verteilung der vier verschiedenen Blutgruppen unter den Menschen bedeutsame Feststellungen hinsichtlich der Blutsverwandtschaft der einzelnen Völkergruppen gemacht habe, und stellt kurz die Frage: „Was wissen wir nun über die Blutmerkmale der Juden?" Und er antwortet: „Wir haben noch nicht sehr viel Daten über die Blutgruppen der Juden, wir besitzen nur einige Angaben über Juden aus Deutschland, Polen und dem Balkan, im ganzen gegen 1700 Personen. Wir können uns also nur vorläufig orientieren. Wir finden, daß die einzelnen jüdischen Gruppen im allgemeinen ihren Platz in nächster Nähe der nichtjüdischen Bewohner des gleichen Landes haben. Das gilt insbesondere für die in Berlin und in Polen untersuchten Juden. Die Juden des Balkans haben von diesen etwas abweichende Werte, wie wir sie ähnlich auch bei Nichtjuden vom Balkan und sonst aus Osteuropa kennen. Man wird sich hüten müssen, aus solchen Feststellungen allzu weit gehende Schlußfolgerungen zu ziehen. Man wird zum Beispiel nicht sagen dürfen, daß die völlige physische Assimilation der Juden in Deutschland und Polen nunmehr durch das Verhalten des Blutes bewiesen sei; denn eine solche Feststellung widerspräche offenkundig der täglichen Erfahrung. Man wird aber doch von den Verschiedenheiten des Blutes zwischen den untersuchten jüdischen Gruppen mit Interesse Kenntnis nehmen und sie als eine „Annäherung" an das jeweilige „W i r t s v o 1 k" ansehen. Die Blutsgruppen verhalten sich in dieser Beziehung nicht anders, als wir es von sonstigen anthropologischen Merkmalen längst wissen. Da es sich bei den Blutsgruppen wie auch bei einem Teil der äußeren Körpermerkmale um vererbbare Anlagen handelt, so ist der Schluß kaum zu vermeiden, daß diese Annäherung in erster Linie auf stattgefundene Vermischung zurückgeht . . ." Unerfreuliche Wahlbeteiligung. Die „Gemeindezeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs", die unter der ausgezeichneten Leitung des Herrn Stadtrabbiners Dr. Rieger in Stuttgart steht, teilt in ihrer neuesten Nummer mit, daß bei den jüdischen Gemeinde wählen in Stuttgart die am 26. Dezember 1926 vor sich gingen, von 3386 Wahlberechtigten nur 276 ihre Stimme abgegeben haben. Darnach hielten es 92 Prozent der Wähler nicht für erforderlich, zur Wahlurne zu gehen. Mit Recht erinnert die Gemeindezeitung an die heilige Verpflichtung „Scheide dich nicht von der Gemeinde", und sie verlangt: „Nimm Anteil an ihrem Wohl und Wehe — das ist ein wesentlicher Teil deiner Verpflichtung als Jude!" Furchtbar! Der Salzburger „Eiserne Besen" raunzt über „Modetorheit in völkischen Vereinen" mit folgenden beweglichen Worten: „Es ist wirklich traurig, wenn man die Erfahrung machen muß, daß jene Vereine, die für das deutsche Volkstum und die Erhaltung seiner Sitten programmatisch eintreten, gerade das Gegenteil davon machen, was sie zu tun hätten. Gefaselt wird vom deutschen Lied, deutschen Geist und deutscher Sitte und siehe da: alles ist eitel Geflunker. Zumindestens wird der Verdienst, den sie sich erwerben, auf der anderen Seite mit dem Defizit „unvölkisch" glatt gemacht. Am 8. v. M. veranstaltete der Deutsche Schulverein im Hotel Mirabell einen Abend, an welchem nebst vielen heimischen Tänzen, modern getanzt (!) wurde. Die Liedertafel hatte am 29. v. M. ihren Faschingsabend abgehalten und da muß es schon zur Schande gesagt werden, daß hier direkt die Hälfte moderner Tanz (!) war. Am 5. Februar fand in Salzburg eine Mozarteumsfeier statt; zur selben wurde eine Jazzbandkapelle (!) aus Wien eingeladen. Also die Nachahmer von unkulturellen Negersitten und vertrottelten Salzburgern werden nicht aussterben." Und so was müssen sich die Salzburger gefallen lassen! Nebenbei. In der Breslauer „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland", einem zionistischen Organ, finden wir unter obigem Titel den folgenden mehr als geschmacklosen „Witz": „Die kleine Rachel kommt in Tel Awiw aus der Schule und erzählt aus dem Unterricht: „Heute hat uns der Lehrer erzählt, daß Gott alles erschaffen hat" — „Nun, was hat er denn geschaffen?" — „Alles, die Menschen, die Tiere, die Pflanzen, den Himmel, die Sterne, das Wasser" — „Aber eines hast Du doch vergessen" — Was? — „Die Erde und den Boden (Haadamah)." — „Nein, den hat er von den Arabern gekauft. (Ueberschrift: Palästina! D. Red.) "Abgesehen von der Geschmacklosigkeit dieses Witzes, auf den sich die Redaktion nicht sehr viel einzubilden braucht, ist auch der Zynismus bemerkenswert, mit dem das zionistische Blatt seiner selbst spottet. Ist das auch eine Propaganda für die zionistische Idee, deren Verhöhnung den bösen Assimilanten immer so verargt wird? Aui dem Holtz-Weg. In diesen Wochen fand durch Vergleich eine Strafsache ihr Ende, die durch die dabei in Frage kommenden Parteien besonderes Interesse verdient. Die Anzeige ging nämlich von dem Dichter Ernst L i s s a u e r, der Jude ist, aus und richtete sich gegen den Herausgeber des völkischen Wochenblattes „Fridericus", F. C. Holtz. Der „Fridericus" hatte vor längerem eine Angriff gegen Lissauer veröffentlicht, in dem es unter Verfälschung des Textes einer Selbstbiographie Lissauers hieß, Lissauer habe geschrieben, „auch sehe ich heute ein, daß ich meine Sorge um Deutschland statt in der verneinenden Form eines Haßgesanges gegen England besser in der Form eines Liebesgesanges an England ausgesprochen hätte". Tatsächlich lautete der Text: .....Liebesgesang an Deutschland". An diesen Satz waren beschimpfende Bemerkungen allgemeiner Natur geknüpft. In erster Instanz ist Holtz am 11. Juni v. J. zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden. Vor der Verhandlung zweiter Instanz — Lissauer sowohl wie Holtz hatten Berufung eingelegt — kam es zu einem Vergleich, in dem Holtz Lissauer gegenüber im weitesten Umfang Ehrenerklärungen abgab. Darüber hinaus veröffentlicht der „Fridericus" ein ausführliches Schlußwort, in dem der dichterischen, für Deutschland bedeutungsvollen Persönlichkeit Lissauers volle Würdigung zuteil wird und Lissauer aus freien Stücken um Entschuldigung gebet>en wird. Konkurs | H Bei der isr. Kulmsgemeinde Pilsen gelangt infolge i H Ablebens des bisherigen Funktionars die Stelle eines § Oberkanlors H zur sofortigen Besetzung Reflektiert wird nur auf eine 1 § erstklassige, musikalisch gebildete Kraft. Gehalt nach I s Vereinbarung. Offerte mit Lebenslauf und Zeugnisab- I | schrifien sind bis 15. März 1927 an den Kuliusvor- I §j staud in Pilsen zu richten. § | isr. Huilusgemeinde Pilsen, 1 | am 20. Februar 1927. I § Der Sekretär: Der Präsident: 1 | Gustav Reldiner Dr. Max Butter { — iü Mt Abonnenten für„Die Wahrheit"! "nttmuMmmmmmunmmm 1 RELIGIONSLEHRER I i # gibt Unterricht in Bibel, Talmud, hebr. Sprache, < > J bereitei für die Bar-Mizwah vor; gegen Wohnung j! # oder Bezahlung. Anträge unter »Religionslehrer* j # an die A d m 1 n i s t ra t i o n des Blattes. <