Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 7 (11.2.1927)
- Date
- 1927-02-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 '^..W&hw&eMem v^nijAitfe^^ Hakenkreuzbummel in der Kärntnerstraße, „Der Volks kämpf, ein hakenkreuzlerisches Pogromblättchen, mit dem wir uns bereits in unserer letzten Nummer zu befassen Gelegenheit hatten, hat seine Leser für Samstag, den 5. d. M., 8 Uhr abends, zu einem „Volkskampfbummel auf derKärntnerstraße" eingeladen. Dort sollte nämlich mit dem „Volkskampf" gegen die „Judenpest im Deutschen Lande'" der Anfang gemacht werden; denn „Der Volkskampf" hat sich nicht nur die Austreibung der Juden aus der Kärntnerstraße zum Ziele gesetzt, seine Absichten sind vielmehr viel weitergehendere. Dies geht klar und deutlich aus der letzten Nummer dieses Blattes hervor, in welcher ein dem „W e 11 k a m p f" vorn Februar d. J. entnommenes Zitat in fetten Lettern und auffallender Schrift wiedergegeben wird, das folgenden Wortlaut besizt: „ . . . Unter allen Umständen muß die Ausscheidung auch des letzten faßbaren Hebräers oder sonstigen Fremdstämmigen (Neger, Chinesen usw.) aus Europa angestrebt werden." Die Polizei, welche umfassende Vorkehrungen getroffen hatte, verhinderte jedoch einstweilen die Austreibung der Juden und nahm einige Verhaftungen krawallierender Hakenkreuzler vor. Die Hauptschuldigen an den Ausschreitungen gehen noch frei herum. „Die Kulturschande." Verschiedene demokratische Blätter haben sich in letzter Zeit mit den unhaltbaren Zuständen an der Wiener Universität beschäftigt, welche von ihm als „Kulturschande" gebrandmarkt wurden. Auch „Die Wahrheit" hat immer entschieden — erst in dieser Nummer wieder — auf die traurige und beschämende Tatsache hingewiesen, daß unsere höchste Bildungsstätte zu einer Pflanzstätte niedrigsten Rassenant'ssmitismus geworden ist. Der Salzburger „G r o b i a n" fühlt sich berufen, diesen Anschauungen entgegenzutreten. In einem Artikel „Burschen heraus!" in seiner Ausgabe vom 31. Jänner dreht er mit einem Satze den Spieß um. Dieser Satz vereinigt so viel Dummheit, Lüge, Bosheit und Niedertracht, wie man kaum jemals in einem einzigen Satze finden dürfte; allerdings ist er so lang, daß man, an seinem Ende angelangt, den Anfang bereits vergessen hat. Der Satz, für dessen Wiedergabe wir unsere Leser bereits im Voraus um Entschuldigung bitten, lautet: „Wenn man bedenkt, daß von 536 Hochschullehrern bereits 248 Juden sind, also nahezu 50 Prozent, trotzdem die Juden in Oesterreich nur 8 Prozent der Bevölkerung ausmachen, wenn man bedenkt, daß die Juden ihren verschrobenen Leib nicht für den Operationstisch hergeben, damit man ihre schäbige Rasse nicht studieren kann, trotzdem die medizinische Fakultät bald schon lauter Juden zählt, wenn man bedenkt, daß der Jude Hupka Dekan ist und daß die Hörer durch die Zoten des Juden B r a ß 1 o f f sittlich, durch den demokratischen Irrsinn des Juden Kelsen geistig und durch die bolschewistischen Blutlehren des frechen Juden Max Adler politisch vergiftet und verderbt werden--dann wird man den Sturmlauf der deutsch-demokratischen (lies: judäo-marxistischen) Studentenvereinigung gegen die Abwehrmaßnahmen der völkischen Studenten auf Anschlagzetteln und im Kulturamt der Hochschulen, dessen Leiter durch jüdische Kloakenblätter schon in der hundsgemeinsten Weise verleumdet und besudelt wurde, dann wird man den Sturmlauf der fremden Köterrass© und ihrer verblödeten Bastarde gegen den völkischen Geist unserer altehrwürdigen „alma mater" als ein scheußliches .Bubenstück und wahre „K u 11 u r s c h a n d e" bezeichnen müssen." Wieder eine Friedhofsschändung. Wie das „Kölner Jüdische Wochenblatt" meldet, haben Rohlinge auf dem jüdischen Friedhof in Kerpen (Bezirk Köln) mehrere Grabsteine umgeworfen und einen Teil durch Steinwürfe erheblich beschädigt. Die Polizeiverwaltung hat auf die Ergreifung der Täter 50 Mark Belohnung unter Ausschluß des Rechtsweges gesetzt. Der Friedhof liegt 15 Minuten vom Orte entfernt, so daß die Täter unbehelligt ans Werk gehen konnten. Einverstanden. Im „Stahlhelm" (Nr. 4 vom 23. Jänner 1927) werden aus den nachgelassenen Aufzeichnungen des wedt rechts stehenden Schriftstellers Moeller van den Bruck „Gödlanken über Geschichte" veröffentlicht. Wir geben drei davon hier wieder, die zeigen, daß selbst der völkischen Weltanschauung Nahestehende nicht immer auf das arische „Rassenevangelium" schwören. „Die Vorgeschichte ist die Geschichte der reinen Rassen. Die Geschichte beginnt mit der Rassenmischung." „Geschichte vollzieht sich in Nationen." „Rasse des Blutes hat noch nie Geschichte geschaffen." _ n Henry Fords Hetzblatt wird boykottiert. Der Generalsekretär des „Verbandes der Zeitungs-Vertriebsgesellschaften in Amerika", Morris Man so n, ließ Henry Ford in einem scharfen Schreiben wissen, daß er es ablehne, in Hinkunft die Verbreitung seines antisemitischen Hetzblattes „Dearborn lndepetutent" durch die Vertriebsstellen des Verbandes durchzuführen. „Die Manson News Agency", schreibt Manson, „will nichts zu tun haben mit einer Zeitung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen ein Volk, das wie das jüdische Volk, zum geistigen Reichtum der Welt beigesteuert hat, einen durchaus unamerikanischen Geist des Hasses zu verbreiten und persönliche Propaganda zu treiben. Wir erinnern Sie daran, daß wir Ihnen bereits einmal aus ähnlichem Grunde die Verbreitung kündigten, die wir erst über ausdrückliche Versicherung Ihres Vertreters, daß der „Dearborn Indep.^ndent" den Verleumdungsfeldzug eingestellt habe, wieder übernommen haben. Da sich diese Versicherung als unwahr herausstellt, weisen wir Ihre Vertretung emigültig zurück." Martsons News Agency ist eine der größten Vertriebsunternehmungen für Zeitungen. Eine unerhörte Pietätlosigkeit. Zu dieser in der vorigen Nummer unseres Blattes gebrachten Notiz erfahren wir, daß sich der Kultusvorstand der ungarischen Gemeinde Könnend mit dem Plan der dortigen Chawra Kadischa, einen jüdischen Friedhof als Bauplatz zu verkaufen, befaßt und diesen in seiner letzten Sitzung einstimmig abgelehnt hat. Dieser Beschluß ist vor allem dem energischen Eintreten des Herrn Kultusvorsteher Sigmund Kauders in Wien zu verdanken. Eine Kundgebung amerikanischer Christen. In einer Zeit, in welcher in Europa der konfessionelle Haß wahre Orgien der Grausamkeit feiert, kommt aus Amerika eine Nachricht, die dem ob solchen Unmenschlichkeiten an der menschlichen Kultur Verzweifelten neue Hoffnung und neuen Trost verleiht. Vor kurzen fand in der großen Kathedrale von New York eine Massenversammlung von Katholiken, Protestanten und Juden statt, deren Zweck es war, die Schaffung eines Fünf-Millionen-Pfund- Fonds für die notleidenden Juden Polens, Rußlands, Rumäniens und Litauens in die Wege zu leiten. Der Vorsitzende Bischof Manning hielt eine von tiefster Menschlichkeit durchdrungene Ansprache, in welcher er unter anderem betonte: „Dies sei die erste Versammlung in einer amerikanischen Kathedrale und wahrscheinlich in einer christlichen Kathedrale überhaupt, die ausschließlich zugunsten der Juden einberufen worden s e i." General Pershing W e s 1 e y a n gab dem Gefühle der Genugtuung Ausdruck, daß amerikanische Christen in Anerkennung der großen Verdienste, welche sich die Juden zumal um Amerika erworben haben, bereit sind, den in Not und Elend lebenden Juden der Alten Welt werktätige Hilfe zu leisten. Dies sei ein Zeichen dafür, daß es in Amerika kein konfessionelles oder rassisches Vorurteil gebe. Außerdem sprachen noch General O r y a n, ein hervorragender Katholik, der Kongregationalist Dr. Cadmann und der jüdische Führer Richter Marshall. Möge das edle Beispiel, das die Christen der Neuen Welt gegeben haben, auch von den Christen der Alten Welt, wenn schon nicht nachgeahmt, so doch wenigstens gebührend gewürdigt werden. Zar Nikolaus IL und die Judenpogrome. Der letzte Zar aller Reussen, der unumschränkte Herr und Gebieter über eines der mächtigsten Reihe der Erde, war ein willensschwacher und energieloser Mensch, ein Selbstherrscher, der selbst von einer allmächtigen Hofkamerilla beherrscht wurde. Er schenkte den Einflüsterungen seiner machtgierigen und skrupellosen „Berater" nur allzu willig Gehör und, selbst unfähig, sich Gedanken über politische Fragen zu bilden, glaubte er alles, was diese ihm in ganz bestimmter Absicht suggerierten. Unter anderem redeten sie ihm ein, die Juden wären Umstürzler und Revolutionäre und müßten daher entrechtet und verfolgt werden, und Nikolaus II. glaubte es. So kam es, daß er, der sicher kein moralisch verhärtetes Gemüt bisaß, die furchtbaren Pogrome billigte, von welchen die Juden in seinem Reiche heimgesucht wurden. So heißt es in einem Briefe, den Nikolaus II. am 27. Oktober 1905 an seine Mutter schrieb und der von der Moskauer Zeitschrift „Iswestja" in ihrer Ausgabe vom 7. Jänner veröffentlicht wurde, mit Bezug auf die Judenpogrome, die sich kurz vorher abgespielt hatten:.....In den ersten Tagen nach dem