Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 7 (11.2.1927)
- Date
- 1927-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 HI Iii DIE WAHRHEIT sich Bundespräs. Dr. H a i n i s c h, der das Ehrenpräsidium des Hochschulkuratoriums bekleidet, und Hofrat Dr. Friedr. Hertz, der Initiator der Kurse, um die Ermöglichung einer ungestörten Weiterarbeit bemüht hatten. Und so werden vorderhand keine internationalen Hochschulkurse stattfinden und eine Institution, welche den Ruhm unserer Hochschule in alle Welt getragen hat, findet so ihr unrühmliches Ende. Werden vielleicht statt der internationalen nationale oder, besser gesagt, nationalistische Hochschulkurse abgehalten werden, um die Hochschüler in Faszismus, Rassenantisemitismus und Völkerhaß zu unterweisen? Diese Frage wird mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Zustände an der Universität sicher nicht als unberechtigt angesehen werden können. Und darum erscheint uns die Nichtabhaltung der internationalen Hochschulkurse unter den gegenwärtigen Verhältnissen durchaus nicht so bedauerlich als dies sonst wohl der Fall sein müßte; denn es istwahrlichbesser, das Antlitz der Universität, einer solchen Universität, zu verbergen, als unsere Hochschulschande vor aller Welt zu off e nb a r en. Über die bürgerliche Rechtsunfähigkeit der Juden. Von Thomas Babicgton Macaulay. Bearbeitet von Reg.-Rat Dr. Emil Weinberg. (Schluß.) Es gibt keine geistliche Angelegenheit des Landes, über die, wenn sie möglicherweise vor das Parlament kommt, die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Christen nicht genau so groß wären wie die zwischen irgendeinem Christen und irgendeinem Juden. Die englischen Juden, sagt man, sind keine Engländer. Sie sind ein Volk für sich, sie leben hinsichtlich des Ortes auf dem Inselreich, aber moralisch und politisch in Gemeinschaft mit ihren Brüdern, die über die ganze Weit zerstreut sind. Ein englischer Jude sieht in einem holländischen oder einem portugiesischen Juden seinen Landsmann und in einem englischen Christen einen Fremden. Dieser Mangel an patriotischem Gefühl macht einen Juden ungeeignet für ein politisches Amt. Diese Beweisführung hat etwas Bestechendes, aber eine genaue Prüfung zeigt ihre Unnahbarkeit. Selbst wenn man die angeführten Tatsachen anerkennen würde, sind die Juden nicht das einzige Volk, das ihre Sekte ihrem Lande vorzieht. Ist die Gesellschaft in einer gesunden Verfassung, so entsteht das Gefühl der Vaterlandsliebe durch eine natürliche und unvermeidliche Gedankenverbindung in den Köpfen der Bürger, die wissen, daß sie ihren ganzen Wohlstand und ihr Vermögen dem Bande verdanken, das sie zu einer Gemeinschaft verbindet. Aber unter einer parteiischen und harten Regierung kann eine solche Gedanken Verbindung nicht die Macht haben, die si© bei einem besseren Stande der Dinge hätte. Man ist genötigt, bei seiner Partei den Schutz zu suchen, den man vom eigenen Lande haben sollte, und naturgemäß überträgt man der Partei jene Zuneigung, die man sonst für das Land gehabt hätte. Frankreichs Hugenotten riefen England gegen ihre katholischen Könige zu Hilfe. Die französischen Katholiken riefen Spanien gegen einen hugenottischen König zu Hilfe. Wäre es am Platze anzuführen, daß gegenwärtig die französischen Protestanten es gerne sehen würden, daß ihre Religion mit Hilfe der preußischen oder englischen Armee zur heaxschenden gemacht würde? Sicherlich nicht. Und warum würden sie nicht jetzt wie früher die Interessen ihres Landes denen ihrer religiösen Ueberzeugung opfern? Der Grund ist offenbar. Damals wurden sie verfolgt, heute werden sie nicht verfolgt. Die hervorragendsten Männer, die England geboren hatte, entschlossen sich, um der Tyrannei eines I^aud (Erzbischot von Canterbury, geb. 1573) zu entgehen, nach Nordamerika zu entfliehen. Liegt der Grund darin, daß die Presbyterianer und die Independenten der Vaterlandsliebe nicht fähig waren? Aber es wäre müßig, noch Beispiele anzuführen. Nichts verletzt einen Mann mehr, der etwas von Geschichte oder der menschlichen Natur weiß, als zu hören, daß diejenigen, die die Macht besitzen, eine Sekte wegen ihrer Beziehungen zum Ausland anklagen. Wenn irgendeine allgemeine Annahme In der Politik wahr ist, so ist es die, daß Beziehungen zum Auslande das Ergebnis der häuslichen schlechten Regierung sind. Wenn die Juden sich England gegenüber nicht als Kinder gefühlt haben, so liegt der Grund darin, daß sie' sie wie eine Stiefmutter behandelt hat. Es gibt kein Gefühl, das sich bei Menschen, die unter einer einigermaßen erträglichen Regierung leben, so sehr entwickelt als die Vaterlandsliebe. Seit Beginn der Welt gab es niemals ein Volk oder einen großen Teil.ejnes Volkes, das von diesem Gefühl nicht ganz ergriffen gewesen wäre, außer wienn es grausam unterdrückt worden war. Darin einen Grund zu sehen, eine Klasse anzuklagen, weil sie nicht genug patriotisch sei, ist das größte Kunststück der Sophistik. Dies ist die Logik, welche der Wolf gegen das Lamm anwendet. Es ist eine Anklage gegen die Flußmündung, daß sie die Quelle vergifte. Wenn die englischen Juden wirklich tötlichen Haß gegen England fühlen sollten, wenn ihr wöchentliches Gebet in ihren Synagogen dahin ginge, daß die Verwünschungen, die Ezechiel über Tyrus und Aegypten ausgesprochen hat, auf London fallen sollten, wenn sie an ihren hohen Festen Verwünschungen über diejenigen aussprechen sollten, die ihre Kinder auf Steinen in Stücke zerschmetterten, dann wäre ihr Haß gegen ihre Landsleute nicht stärker gewesen als der, den Christen oft gegeneinander gehegt haben. Aber in der Tat steht es mit dem Gefühle der Juden anders. Es ist genau das, was wir je nach der Lage, in der sie sich befanden, von ihnen erwarten mußten. Sie werden weit besser behandelt als die Protestanten in Frankreich im 16. und 17. Jahrhundert oder als unsere Protestanten in deir Zeit des Laud behandelt wurden. Sie haben daher weder Groll gegen die Regierung, noch gegen ihre Landsleute. Aber sie werden nicht so gut behandelt wie die anderen Dissentersekten in England behandelt werden; und aus diesem Grund und nur aus diesem Grunde, davon sind wir überzeugt, haben sie einen Geist, der sich mehr abschließt. So lange wir den Versuch nicht weiter geführt haben, sind wir nicht berechtigt, zu sagen, daß man aus ihnen nicht Engländer machen kann. Der Staatsmann, der sie als Fremde behandelt und sich dann darüber beklagt, daß sie nicht die Gefühle der Landeskindieateilen, ist so unvernünftig wie der Tyrann, der ihre Väter strafte, weil sie nicht Ziegel aus Stroh machen konnten. Die Herrschenden dürfen sich nicht selbst von jeder ernsten Verantwortlichkeit lossprechen, es ist nicht bloß von ihrem Ausspruch abhängig, ob eine Sekte vaterlandsliebend ist. Es ist ihre Aufgabe, sie vaterlandsliebend zu machen. Geschichte und Vernunft zeigen klar den Weg hierzu. Die englischen Juden sind, soweit wir sehen können, genau das, was die Regierung aus ihnen gemacht hat. Sie sind genau das, was irgendeine Sekte, irgendeine Klasse von Menschen bei derselben Behandlung geworden wäre. Wenn man alle rothaarigen Menschen in Europa durch Jahrhunderte schändlich behandelt und unterdrückt hätte, von einem Platze verbannt, in einen anderen eingesperrt hätte, ihres Geldes und ihrer Zähne beraubt hätte, sie auf Grund der schwächsten Beweise der schwersten Verbrechen für schuldig erklärt hätte, an Schweifen von Pferden gebunden und geschleift hätte, sie gehängt, gemartert und lebend verbrannt hätte, und dann, als die Sitten milder geworden, sie erniedrigenden Einschränkungen unterworfen und gemeinen Angriffen ausgesetzt hätte, sie in einigen Gegenden in besonderen Straßen eingesperrt hätte, wenn sie vom Pöbel angegriffen und gedemütigt worden wären, von jedem Amt und jeder Ehrenstelle ausgeschlossen hätte, wie würde es mit dem Patriotismus dieser Ehrenmänner mit rotem Haar aussehen? Wenn man unter diesen Umständen den Vorschlag machen würde, rothaarige Männer zu Aemtern heranzuziehen, was für eine überzeugende Rede hätte ein Bewunderer alter Einrichtungen gegen so umstürzende Maßnahmen gehalten! „Diese Männer", würde er sagen, „betrachten sich kaum selbst als Engländer. Sie glauben, daß ein rothaariger Franzose oder ein rothaariger Deutscher ihnen näher steht als ein Mann mit braunem Haar in ihirier eigenen Gemeinde." Aber die Heilige Schrift erklärt, daß die Juden in ihr eigenes Vaterland zurückkehren werden; und das ganze Volk