Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 7 (11.2.1927)
- Date
- 1927-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT iliOlll1 Seite 3 lesung hinderten, säuberten Hörsäle und Gänge von sozialistischen, demokratischen und jüdisch aussehenden Studenten und Studentinnen. Es herrschte ein ohrenbetäubender Lärm, ein wüstes Kampfgebrüll in den der Wissenschaft gewidmeten Räumen. Die Säuberungsaktion der Hakenkreuzler ging in eine wilde Schlacht über, bei der die Mediziner Roos, Rona und Maderas relativ schwer verletzt wurden. Einem wurde die ganze Wange zerfetzt. Eine Unzahl von Studenten wurde mit Stöcken geprügelt, jüdische Studentinnen erhielten Ohrfeigen und wurden auf die Straße hinausgeworfen. Als Dr. M a r e s c h, der gegenwärtige Dekan der medizinischen Fakultät, sich schützend vor eine Gruppe sozialistischer Hochschüler stellte, hieben die Hakenkreuzler mit Stöckenaufihnein. Doch damit nicht genug, veranstalteten die deutschnationalen Hochschüler, durch die Erfolge im Kampfe gegen wehrlose Studentinnen in ihrem Selbstgefühl gestärkt, Samstag, den 5. d. M. „mächtige Einspruchskundgebungen aller national gesinntenHochschüler". Wogegen wollten sie Einspruch erheben? Etwa gegen die grausame Hinmordung eines Kriegsinvaliden und eines achtjährigen Knaben durch bestialische Rowdys, die sich zum Hohn aller tapferen Vaterlandsverteidiger als „Frontkämpfer'' bezeichnen? Oder gegen die Einrichtung einer Schießbude zur Ausbildung weiterer Scharen derartiger „Frontkämpfer"? Wogegen also wollen diese Burschen protestieren, muß man sich fragen, nachdem es auf der ganzen Hochschule nichts mehr gibt, was einem Hakenkreuzler noch Anlaß zum „Einspruch" geben könnte? erfährt — darin liegt die große Lehre von der Bundeslade. Bei aller Kostbarkeit und Wertschätzung der Außenseite — zuerst kommt die Innenseite und nach ihrem Werte richte sich dSe Außenseite. Die Menschen halten es gerade umgekehrt. Sie wenden alle Schönheit und Sorgfalt für das auf, was den Blicken und Augen der Mitmenschen ausgesetzt ist. Sie schmücken den Körper von außen mit prächtigem Geschmeide, ziieren ihn mit kostbaren Kleidern und trachten1 jeden Fehler, jedes Gebrechen tunlichst zu verdecken und unkenntlich zu machen. Wie mit dem eigenen Körper verfahren sie mit den Dingen, die sie schaffen. Der Außenseite geben sie Schönheit, Glanz und Zierat, sparen solches aber bei der Innenseite, die in der Regel schmucklos ist und der Außenseite weit nachsteht. AndeTS ist ®s bei der Thora. Ihr Wert ist in ihrem Innern. Darum muß sie in Form und Inhalt, Schrift und Schreibmaterial ohne Fehler und Schaden sein, soll Schönheit. Harmonie und Formvollendung von Anfang bis Ende aufweisen. Die äußere Hülle, der wiertvolle künstlerische Schmuck, den sie außen trägt, ist nur das sinnfällige Zeichen, das dem inneren Werte Rechnung trägt. Vollständige Harmonie von innen und außen ist das Zeichen höchster Schönheit und Vollendung, wie 'es der Bundeslade zukam und entsprach. Wenn nun unsere Weisen sagen, der Mensch soll diesem Vorbilde nachleben, so meiniem sie nicht, daß der mit schöner Außenseite Begabte sich schon auch innen „von reinem Golde" halte, und jener an Körpervorzügen Arme auch schon auf den inneren Wert verzichten müsse — sondern sie wollen sagen, daß man aufhöre, „außen" zu vergolden, wenn innen keine Spur davon ist. Denn die Welt sagt: „Ueberziehe sie von außen mit reinem Golde", weil sie trügt und betrogen sein will; „überziehe sie von innen mit reinem Golde und von außen sollst du sie überziehen", sagt die Thora, die lehrt, daß nicht wie der Mensch sieht, Gott sieht, denn der Mensch sieht, was Augen sehen, Gott aber sieht das Herz. 10 Gebote für Kaffeetrinker 1. Kaffee trinken, heißt gesund bleiben! 2. Kaffeemischen ist eine Kunst. — Meinl- Misdiungen sind aus besonderen Sorten von erfahrenen Fachleuten zusammengestellt. 3. Wahren Genuß bietet nur unverfälschter Bohnenkaffee ohne Zusätze! 4. Bereite den Kaffee nach erprobtem Rezept. Verlange Meinls Kochvorschrift! 5. Kaffee soll gut verschlossen, am besten in Glasgefäßen, an kühlem, trockenem Orte aufbewahrt werden. 6. Kaffee muß immer frisch geröstet sein. Unsere Filialen werden täglich beliefert. 7. Kaffee darf erst knapp vor Gebrauch gemahlen werden, je feiner, desto mehr Aroma! 8. Trinke den Kaffee womöglich als »Schwarzen", so ist er dtiner Gesundheit am bekömmlichsten! 9. jede Stunde ist Kaffeestunde! 10. Kaffee-Einkauf ist Vertrauenssache. Der Name bürgt für Qualität! Julius Meinl Kaffee-Import Cegr. 1862 Wohl aber muß vom Standpunkte der Kultur und Menschlichkeit gegen die jetzt an der Wiener Universität herrschenden Zustände auf das schärfste protestiert werden. Die Art und Weise, wie sich der Rassenantisemitismus ungehindert dort austoben darf, die schmutzige und gemeine Form, in welcher Juden und Andersgesinnte von einem sich „Kulturamt" nennenden hakenkreuzlerischen privaten Vereinsausschuß verleumdet und geschmäht werden dürfen, die zahllosen Verletzungen des geschriebenen Gesetzes und des ungeschriebenen Sittengesetzes, welche alltäglich unter den Augen der Universitätsbehörden sich abspielen, sie müssen den stürmischesten Protest aller derer hervorrufen, denen das Schicksal einer alten deutschen Kulturstätte, wie es unsere Alma mater ist, am Herzen liegt! Und nun hat sich tatsächlich der außerordentliche Fall ereignet, daß ein Gelehrter von Weltruf, ein hervorragender Soziologe, der auch dem Kuratorium der internationalen Hochschulkurse angehört, Dr. Rudolf Goldscheid, seiner Mißstimmung über die gegenwärtigen Hochschulzustände in beredten Worten Ausdruck verliehen hat. Daraufhin erklärten einige offenbar mit den Hakenkreuzlern sympathisierende Professoren, welche gleichfalls obgenanntem Komitee angehören, mit Dr. Goldscheid nicht mehr zusammenarbeiten zu wollen. Und so wurde das Komitee mitten in seiner Vorbereitung zu den diesjährigen internationalen Hochschulkursen gesprengt, obwohl