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Die Wahrheit · 1927-02-11 · Heft 7 (11.2.1927) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 7 (11.2.1927)
Date
1927-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 11» Hiillliilill! DIE WAHRHEIT übte nur schwer vermeiden lassen, auf sich zu nehmen? Es ist nur zu begreiflich, daß die fortwährende Unterstützung der hakenkreuzlerischen und reaktionären Studentenschaft durch die Universitätsbehörden, insbesondere aber die Einrichtung einer Schießstätte in den Kreisen des demokratischen Bürgertums und in der Arbeiterschaft, welche durch die unerhörten Vorfälle im Burgenland ohnedies in heftige Erregung versetzt worden war, gewaltige Entrüstung auslösen mußte. Dieser Stimmung hat der Abgeordnete Dr.Renner bei der Debatte über die Schattendorfer Vorfälle im Nationalrat Ausdruck verliehen, wenn er sagte: „Die Universität ist das eigentliche Rekrutierungsgebiet der Frontkämpfer und der Hakenkreuzler, die Pflanzstätte, wo nicht die Idee der Wissenschaft, sondern geradezu das Evangelium der Gewalt verkündigt wird Sie haben versucht, an der Universität die Technische Nothilfe einzurichten, das ist ihnen nicht gelungen. Jetzt haben sie dort eine Schießstätte eingerichtet. Sie haben eine sogenannte Studentenkammer, die eine freie Vereinigung ist, sich aber den amtlichen Titel einer Kammer anmaßt. Das Amt für Leibesübungen fordert die Räume für eine Schießstätte an und das Rektorat liefert sie merkwürdigerweise aus. Als unsere Leute über die Entweihung der Universität und über die einseitige Begünstigung Beschwerde erhoben, sagte ihnen der Rektor, wenn die anderen etwas Positives schaffen, wollen sie es hinterher hindern, im übrigen mögen sie sich auch eine solche Einrichtung schaffen. Darauf kann man dem Rektor nur erwidern, daß diese Studentengruppe seit fünf und mehr Jahren einen Raum für wissenschaftliche Zwecke verlangt und keinen erhält. In dieser. Schießstätten wird nicht etwa der Sport geübt, es sei denn, daß sie in der Bedrohung der Volksmassen, die auf ihren demokratischen Rechten bestehen und sich von den Universitäten nicht terrorisieren lassen wollen, eine Art Sport sehen wollen. Wir werden darauf achten, daß das Erschießen von Arbeitern nicht ein Studentensport werd e." Als nun die sozialistischen Hochschüler in der Aula der Universität eine Protestkundgebung gegen die Einrichtung einer Schießstätte abhalten wollten, wurden sie von den deutschnationalen und frontkämpferischen Studenten, welche die bloße Anwesenheit andersgesinnter Hochschüler schon als Provokation auffaßten, gewaltsam aus der Universität vertrieben, bei welcher Gelegenheit die deutschnationalen Studenten Proben ihrer körperlichen Ertüchtigung ablegten, indem sie Studenten und Studentinnen in der rohesten Weise mißhandelten. Dieser bloße und — wie man sieht — mißlungene Versuch, einer den deutschnationalen Studenten nicht genehmen Ueberzeugung in den Räumen der Hochschule Ausdruck zu verleihen, wurde nun von diesen geradezu als ein „jüdischer Ueberfall auf die Universität" gebrandmarkt und mit Flugzetteln und auf Anschlägen in der Universität eine wütende Hetze gegen die jüdischmarxistisch-sozialistisch-demokratisch usw. Studentenschaft betrieben, deren Erfolg neue Ausschreitungen und Krawalle an der Universität und in den Universitätsinstituten waren. Wüste Szenen spielten sich vor allem vergangenen Freitag im Anatomischen Institut ab, vor welchem 300 bis 400 Hakenkreuzler aufmarschierten. Sie besetzten die Eingänge, den Hörsaal des Professors T a n d l e r, den sie an der Abhaltung seiner Vor- Feuilleton Innen und Außen. Von Dr. V. Kurrein. Ueberziehe sie mit reinem Golde, vor innen und von außen sollst du sie überziehen ... 11, 25, 11 Die Heilige Schrift findet es angebracht, auf die körperliche Schönheit des jungen, zum König über Israel bestimmten Saul hinzuweisen: „Er war jung und schön und kein Mann von den Israeliten war schöner als er; von seiner Schulter aufwärts überragte er das ganze Volk." Die schöne, imponierende Erscheinung scheünt ihre Wirkung auf das Volk nicht verfehlt zu haben, denn nochmals bei der Königswahl betont die Schrift, daß Saul. stand er inmitten des Volkes, von der Schulter aufwärts alles Volk überragte. Saul erwies sich aber schließlich n<5cht als der Mann nach dem Willen Gottes. Vielleicht dachte der Psalmist daran, als er sang: ..Nicht an des Mannes Schenkeln hat Gott sein Wohlgefallen." Samuel mußte auf göttliches Geheiß einen von den Söhnen Isais zum Könige salben, sah Eliab und sprach: „Fürwahr, da äst vor dem Ewigen sein Gesalbter!" Da sagte aber Gott zu Samuel: „Schaue nicht auf setin -Aussehen und seinen hohen Wuchs, denn ich verwerfe ihn. Nichts ist es um das. was der Mensch sieht Der Mensch sieht den Augenschein, Gott aber sieht das Herz!" Außen und Innen, Körper und Seele, Leib und Gemüt, wohl aufs engste miteinander verbunden, sind nur selten einander gleich vollwertig oder gleich unwertig, in ebenbürtiger Harmonie oder zu erwartender Uebereinstimmung. R. Josua war in seinem Aeußeren der Häßlichsten einer, aber im Geiste einer der Besten und von ihm stammt das Wort: „Schaue nicht auf den Krug, sondern auf das, was darin ist." Dem schönen Körper entspricht nicht immer die schöne Seele, dem mißgestalteten Leibe nicht immer die entartete Gesinnung. Sagt das Volk: „Hütet euch vor den Gezeichneten", so sagt der weise Prediger: „Bei bösem Antlitz ist das Herz gut." Ein seltenes Gottesgeschenk ist es, wenn sich körperliche Vorzüge und leibliche Schönheit mit seelischen Tugenden und geistiger Hochwertigkeit vereinigen, und wahrhaft gesegnet ist, wen der Himmel also doppelt begnadet hat. Immerhin ist und bleibt aber die schöne Außenseite ein wertvolles Gut, weil sich die Menschen von ihr leicht und schnell bestechen und einnehmen lassen. Sagt doch darum richtig ein großer Dichter: „Glücklich, wem Mutter Natur die rechte Gestalt gab, denn sie empfiehlt ihn stets und nirgends ist er ein Fremdling." Anderseits kostet es oft einen langwierigen, manchmal schmerzhaften Entschluß, bis sich die Menschen mit der häßlichen, unglücklichen Außenseite abfinden, um sich mit dem schönen, edlen „Innen", den Vorzügen der Seele bed einem ihrer Mitmenschen zu befreunden. Darum braucht es nicht wunderzunehmen, wenn die Menschen trachten, die Außenseite schön zu gestalten, „um Gunst zu finden in dien Augen aller, die sie sehen". Die Bestimmungen, die die Thora für die Errichtung und die Gegenstände des Heiligtums gibt, sind offenkundig auch von dem Gedanken geleitet, das Schönheit suchende Auge zu befriedigen, aber mehr noch besteht die Absicht, eine gewisse Vollkommenheit in und an ihnen aufzuzeigen. Besonders wird dies von der Heiligen Lade gelten dürfen, und deshalb heißt die Vorschrift: „Ueberziehe sie mit reiweim Gold, von innen und von außen sollst du sie überziehen." Leicht verständlich ist es, daß der innere Ueberzug kostbar sei, weil ja das höchste göttliche Gut in der Lade ruhen sollte; ebenso verständlich ist der kostbare Ueberzug von außen, weil sich die Lade ihrer hohen Bestimmung gemäß dem Auge schön und wertvoll präsentieren sollte. Daß aber die Innenseite mit Gold bekleidet äst und die Außenseite dann die gleiche Behandlung

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