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Die Wahrheit · 1927-02-04 · Heft 6 (4.2.1927) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 6 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 ^lüinillllHIMlilM irarniaamtiumiiiiirmimiinniuinuinuiiniiinnnninnuiiiniiHrHnnuMniu DIE Wahrheit als angenehmste Erinnerung an ihren hiesigen Aufenthalt noch lange in recht angenehmer Erinnerung bleiben wird. Unter anderen war auch der Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden" und Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob Ornstein, erschienen, der an die ausländischen Studenten innige Worte der Begrüßung richtete, für die Samuel Neil herzlich dankte. Weiters waren in dem gastlichen Hause auch Herr Dr. Norbert Freuder, der Wiener Vertreter der Berliner „Vossischen Zeitung", der erste Vorsitzende der „Union-Jugendgruppe" Herr Dr. Benno Tenne t, der Sekretär der „Union" Oskar Hir schiel du weiter auch Mitglieder des „Jüdischen Hochschulausschusses u. v. a. anwesend. Es war ein schöner Abend, der den ausländischen Studenten gezeigt hat, wie trefflich ein Wiener Patrizierhaus geführt ist. Wie werden sich die Hakenkreuzstudenten zu ihrer Riesenblamage stellen, wird die „Deutsche Studentenschaft" die schallende Ohrfeige, die sie bekam, ruhig einstecken? Vorderhand und wahrscheinlich auch künftighin rührt sie sich nicht und gibt sich nicht zu erkennen. Nur der unentwegte „Volkskampf" regt sich über den eingangs zitierten Artikel des Herrn Alfons Hahn auf, und schreibt zu dessen Hinweis auf die bisherige Pflege fast aller internationalen studentischen Beziehungen durch die deutsch-demokratische Hochschülervereinigung folgendes: „Ja eben bisher und von nun an wird es anders sein, daran werden sich die Demokratenseelen eben gewöhnen müssen". Wenn es jedesmal so fabelhaft mit der Gastfreundlichkeit der „Deutschen Studentenschaft" an ausländische jüdische Studenten aussieht und diese nicht nur Ausländern, sondern auch den einheimischen jüdischen Studenten in gleich liebenswürdiger Weise gewährt wird, dann werden sich daran nicht nur die Demokratenseelen, sondern auch alle anderen gerne gewöhnen. O. H. Luden Wolf. Zu seinem 70. Geburtstage. Engländer, Jude, Politiker, Schriftsteller und siebzig Jahre dazu — das ist heute Lucien Wolf; dabei aktiv, wie ein langes Leben hindurch, vorsichtig, klug und energisch; eine Gestalt gleich charakteristisch für englische Verhältnisse wie für das Judentum in England. Bis zum Rande der Neuzeit gab es H o f j u d e n; jüdische Menschen, die als Aerzte oder als wirtschaftliche Berater, sei es von Königen und Fürsten oder doch von mächtigen Persönlichkeiten, im Staate /lurch unmittelbare Einwirkung auf diese einzelnen Individuen für sich eine besondere, ganz eigenartige Stellung erworben hatten und diese Stelle alsdann benutzten — wenn sie Egoisten waren —, um für sich selbst VorteiJe zu erringen, und wenn sie edel veranlagte Menschen waren, um die Lage der Gesamtheit ihrer Glaubensgenossen, die noch von der mittelalterlichen Gesetzgebung und von den mittelalterlichen Vorurteilen eingeengt und bedrückt waren, zu erleichtern, zu verbessern, wenigstens für den Augenblick. Als die Schranken des barbarischen Mittelalters gefallen waren, verschwanden naturgemäß auch diese jüdischen Gestalten, die ein Erzeugnis unfreier Zeiten gewesen waren, und an ihre Stelle trat der jüdische Politiker, der jüdische Schriftsteller, der die allgemeine Politik seines Landes zu beeinflussen suchte, und der, soweit es nötig war, auch die öffentlichen Interessen MMMMMMMMMm Jtttt&liedtt j der „Union" 1 Werbet neue JtlitgHedev \ für die „Union"! seiner Glaubensgenossen verteidigte und für die völlig durchgeführte Gleichberechtigung der Juden kämpfte. Diesen Typus des neuzeitlichen jüdischen Schriftstellers und Politikers gibt es überall in der Welt, wo es Juden gibt, und eine der ausgezeichnetsten Einzeäpersönlichkeiten dieser Art ist Lucien Wolf, der heute die Siebzig überschritten hat. Aus dem demütigen Hofjuden der Vergangenheit ist der weitblickende, aufrechte jüdische Politiker unserer Tage geworden, der den Zusammenhang erkannt hat zwischen der allgemeinen Gleichheit vor dem Gesetz und dem allgemeinen Fortschritt und Aufstieg der Gesamtheit der Menschen. In diese Kategorie von jüdischen Schriftstellern und Politikern gehört auch Lucien Wolf, ein «englischer Politiker, der sein Land liebt und ein eifriger Jude ist, der gegen eine Versklavung der Juden in; seinem Lande nicht zu kämpfen braucht und der daher die Summe seiner Kräfte der Höfe für Juden in fremden, meist barbarischen oder doch halbbarbarischen Ländern zuzuwenden in der Lage ist. Lucien Wolf hat das ein langes Leben hindurch getan in engster Fühlung mit den politischen Kreisen seines Landes und, wo es nötig gewesen, in engster Fühlung mit seinen Glaubensgenossen im Ausland. Bei kontinentalen Antisemiten wird aus solchen Tatsachen die internationale Verknüpfung des Judentums hergeleitet. Gewiß, die besteht für alle humanitären Aufgaben und nur für diese — und solche Verknüpfung besteht natürlich auch für Katholiken und Protestanten und für alle Kulturmenschen, wenn irgendwo Teile der Menschheit von einem großen Unglück betroffen sind. Es gibt eine Solidarität der Kultur weilt — glücklicherweise — bei gewaltigen Schicksals Schlägen, die die Menschheit treffen; eine Institution für solche Aufgaben ist das Rote Kreuz; solche Institutionen haben Katholiken, Protestanten, Juden, und wenn, solche humanitäre Hilfe der Menschen für Menschen, die über die Grenzen hinwegreicht, von den Antisemiten verdammt wird, um so schlimmer für die — Antisemiten, die freilich, auch über die Grenzen hinweg sich zu organisieren suchen, gewiß nicht zu Zwecken des menschlichen Wohlbefindens,, wohl aber zu Zwecken der Unterminierung allgemein menschlichen Zusammenwirkens. Teufelswerk und Himmelswerk durchziehen die gesamte Schöpfung. Zu den klugen, aufopfernden und erfolgreichen Mitarbeitern am Bau «einer besseren Welt gehört auch Lucien Wolf, der Siebzigjährige; als einem Juden gehörte seine segensvolle Tätigkeit vor allem den Juden, aber nicht diesen allein. Mag ein gütiges Geschick diesem bejahrten Manne noch lange gestatten, daran hingebungsvoll und klug zu arbeiten, daß die Welt immer menschlicher werde für alle, und so auch für die Juden. Paul Nathan. * * * * Die „Union", die seit langen Jahren mit dem Jubilar in seiner Eigenschaft als Sekretär des Joint Foreign Committee in steter Verbindung steht, schließt sich diesen Wünschen freudig an. An unsere Mitglieder! 1. Werbung: Die Arbeit, die unser Verein leistet, ist um so wirksamer, je mehr Mitglieder wir haben; jedes neue Mitglied ist ein neuer Weg, auf dem unsere Aufklärung vordringen kann. Deshalb: Werbet neue Mitglieder! Werbeblätter, aus denen die Ziele unseres Vereines ersichtlich sind, stehen gerne kostenlos zur Verfügung. Auf Wunsch versenden wir auch Werbematerial an aufgegebene Adressen. 2. Mitarbeit: Wir bitten unsere Freunde, uns in unserem Kampf durch Mitteilung über alle in unser Tätigkeitsgebiet fallende Ereignisse zu unterstützen. Rechtzeitige Mitteilung an uns erleichtert uns unsere Arbeit. 3. Mitgliedsbeitrag 1927. Unsere geehrten Mitglieder bitten wir, ihren Mitgliedsbeitrag für das Geschäftsjahr 1927 möglichst umgehend an uns einzusenden. (Postsoarkassenkonto 9464.) Der Mindestbeitrag beträgt sechs Schilling. In Anbetracht der uns durch die derzeit besonders rege Versammlungstätigkeit entstellenden Mehrausgaben bitten wir alle leistungsfähigen Mitglieder dringend um freiwillige Spenden für den „Vortragsfonds". Der Zentralvorstand der „Union deutschösterreichischer Juden", Wien DL, Berggasse 4 _ »•Go9e«®»e«r0«o*e&&«*oea

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