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Die Wahrheit · 1927-01-28 · Heft 5 (28.1.1927) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 5 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 illililliM^ DIE WAHRHEIT sorgfältigeren Rücksicht auf dieses kodifikatorische Werk, ihre Tätigkeit fast ganz lahmgelegt würde. Was sollen ihnen Blätter mit Ausschluß der Oeffentlichkeit, für die selbst eventuelle Einschließung der Schriftleiter keinen Ersatz bietet? Auch die mit zahlreichen weißen Flecken gezierten Nummern wirken nicht besonders. Es muß allerdings zugegeben werden, daß durch den Wegfall der antisemitischen Hetzpresse auch die Wirksamkeit der Bekämpfer dieser geistigen Pest eine wesentliche Beschränkung erfahren würde. Was speziell die satyrisch veranlagten Mitarbeiter jüdischer Zeitschriften betrifft, denen die hakenkreuzleri sehen Emanationen eine unerschöpfliche Fülle des Stoffes und die so überreich fließenden Honorare ermöglichen, so kämen diese wirklich in eine bedrängte Lage. Ist ja ohnehin nur die Generosität der Herausgeber die Ursache, wenn ein jüdischer Satiriker es nicht zu hören bekommt, daß er eigentlich gar keinen Honoraranspruch habe, denn er lebe nicht von seinem Geiste, sondern ganz im Gegenteil von der Dummheit der anderen. * Ein wissenschaftlich längst zu Boden gestreckter toter Mann, Houston Steward Chamberlain, hat nach einem ein Jahrzehnt füllenden Siechtum durch sein körperliches Hinscheiden wieder die Erinnerung an die Zeit geweckt, in der er zu den lebendigsten führenden und verführenden Köpfen gezählt hat. Auch seine entschiedensten Gegner Haben dem Manne, der ein Geist des Widerspruches war und dessen den Rassenantisemitismus verherrlichendes Hauptwerk von den lächerlichsten und plumpsten Widersprüchen strotzte, die geistvolle Sprache und den Glanz der Darstellung nicht abgesprochen. Aber wer wird ernstlich heute noch einem Manne wissenschaftlichen Ernst und Bedeutung zuerkennen, der sich zum Beispiel erdreistete, über jüdisches Schrifttum zu urteilen und die „Sippurim", diese Sammlung jüdischer Mähren, Sagen und Novellen usw. als wissenschaftliche Quelle bezüglich jüdischer Gesetze zitierte? Könnte man da nicht auch Louise Mühlbachs Roman als Quellenwerk für deutsche Geschichtsforschung benützen? Man kann eine lange Liste mit denNamen der hervorragendsten Männer der Wissenschaft füllen, die längst ein. vernichtendes Urteil über Chamberlains Werk gefällt haben. Aber die rassentollen Fanatiker, die auch heute auf Chamberlain als Mann der Wissenschaft schwören, möchte ich doch auf das Urteil eines Mannes verweisen, vor dem selbst sie sich beugen müßten. In dem Vorwort zur ersten Auflage der „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" schreibt Chamberlain, der damals noch keine Ahnung von dem durchschlagenden Erfolg des Buches hatte, das den bösesten Instinkten schmeichelnd entgegenkam, buchstäblich: „Nicht einen Augenblick bildete er (der Verfasser) sich ein, seinem Buche komme wissenschaftlicher Wert zu." Ein schönes, offenbar von einem momentanen Wahrheitsdrang beseeltes Wort, das in den zwei dicken Bänden kaum mehr übertroffen werden konnte. Ein zweites gutes Wort mag aus diesem Vorwort allerdings noch zitiert werden. Da versichert Chamberlain, in der richtigen Er- Hqtgasiein, Baaobjeitf, Sffi^iS'WlÄ??? SÄUSK^^^ 4SÄV1.1 Kenntnis, daß ein massenhaft angesammelter Zitaten^ kram, noch lange keine wissenschaftlich begründete Gelehrsamkeit bedeute, bescheiden: „Gerade in seiner Ungelehrtheit schöpfte er (der Verfasser) den Mut zu einem Unternehmen, vor welchem mancher bessere Mann erschrocken hätte zurückweichen müssen." Das stimmt. :, * Das erschrockene Zurückweichen war wahrhaftig nicht die Sache Chamberlains; eher das Gegenteil. Schreckt er doch nicht einmal davor zurück, einem der hervorragendsten Männer der Wissenschaft, einem Renan die Behauptung ins Antlitz zu schleudern: „Wer die Behauptung aufstellt, Christus sei ein Jude gewesen, ist entweder unwissend oder unwahr." Aber nicht genug damit, weicht Chamberlain vor der niedrigen Verdächtigung nicht zurück, Renan habe für seine Meinung andere als wissenschaftliche Beweggründe. „Wie soll man es zum Beispiel erklären — wettert Chamberlain — daß Renan in dem 1891 vollendeten fünften Band seiner Geschichte des Volkes Israel die kategorische Behauptung aufstellt: Jesus etait un juif und mit ungewohnter Heftigkeit über die Leute herfällt, die das zu bezweifeln wagen. Sollte nicht die Alliance Israelite, mit der Renan in seinen letzten Lebensjahren in so eifrigem Verkehr stand, hier ein Wort mitgeredet haben?" Damit man aber ja nicht im Unklaren darüber bleibe, was Chamberlain da unter einem „Wort" der Isr. All. versteht, so sagt er ein paar Zeilen weiter: „Der neue Zwang, der nur von Geld ausgeht, nur auf Geld hinzielt, entwürdigt zur niedrigsten Sklaverei". Hat je eine tückische Verleumdung raffinierteren Ausdruck gefunden? Ego. C I 1SRAEUTISCHE HtliniSOEMEIlVDE WIEN Z. 564 ex 1927 Bei der Israel. IfDlfnsäemeinde Wien gelangen mehrere Chorsängerstellen fOrTenöre undDässe zur Besetzung. In Betracht kommen nur jüngere, stimmbegabte, musikalische, im Hebräischen und der Lithurgie bewanderte Bewerber, mit moralisch einwandfreier Lebensführung, welche bis spätestens 10. Februar d. J. sich melden. Ausländer können nur bei Nichtvorhandensein qualifizierter inländischer Kräfte nach eingeholter behördlicher Genehmung berücksichtigt werden. Nähere Anstellungsbedingnis6e sind in der Amtsdirektion der Israel. Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, zu erfragen. „ „ „„ Der Vorstund der Wien, 25. Jänner 1927 |srae, KoMlis*einelnde Wien KONKURS Bei der israel. Kultusgemeinde Klagenfurt gelangt die Stelle eines KANfORS der gleichzeitig Schochet-Ubodek sein muß zur baldigen Besetzung. Bewerber müssen von orth. Rabbinern Kaboles besitzen. Gehalt nach Uebereinkommen. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet Offerte mit Zeugnisabschriften sind zu richten an den Präses: Max stÖ8sl

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