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Die Wahrheit · 1927-01-14 · Heft 3 (14.1.1927) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 3 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEFl Rumäniens. Ei« Land, dessen Regierung den Studenten pa$$ tielle, anarchistische Ausschreitungen gegen einen Teii der Bevölkerung gestattet, ein Land, das belastet ist mit einer noch immer nicht in modernem Sinne gelösten sehr ernsten Agrarfrage, verdieint kein finanziielles Vertrauen, Fisnanzfragen und rlumanitätsiragen sind gewiß nicht identisch; aber ohne moderne Humanität in einem Lande keine bleibende staatliche Ruhe, und ohne innere Ruhe im Staate keine finanziellen , Sicherheiten. Jede ernste Gärung im Staate beeinträchtigt ernst seine finanzielle Lage. Einem solchen Staate Geld in Millionen von Goldsäcken zuzuführen, bedeutet eine Unterstützung der Barbarei, eine Stärkung barbarischer Regferungsmerhoden und dazu eine Gefährdung der Kapitalien, die solchem Lande geliehen werden. Ein Staat, dßT seine Bauern noch immer verkommen läßt, und der seine Juden verprügeln, ausrauben und hin und wieder auch totschlagen läßt, befindet sich noch in einem Stadium der Entwicklung, dije es unmöglich machen sollte, ihm auf Treu und Glauben in modernem Sinne Millionen ersparten westeuropäischen Kapitals anzuvertrauen. Rumänien ist ein Land, in dem die modernen Ventile in die Staatsmaschine noch nicht eingebaut sind, wo sie noch nicht funktionieren, wo sie, wie der Parlamentarismus, nur Attrappen sind, um Gimpel zu täuschen. Rumänien ist ein Land mit einer Boiarenherrschaft wo Land und Leute ausgebeutet, ruiniert werden, wie die nahe verwandte Schlachta einmal Polen zugrunde gerichtet hat Wer dieses rumänische System finanziell stutzt, versündigt sich ebenso gegen die Humanität wie gegen den Geldbeutel jener, die er zur Hergabe von Kapital an einen Staat veranlaßt, der seiner Jugend bereitwilligst Krawalle, Plünderungen, wilde Brutalitäten, also anarchische Ausschreitungen, gestattet Wenn die öffentliche Meinung der zivilisierten Welt es will, kann sie ohne die Weisheit schwerfälliger und mit Verantwortung überreich belasteter Kabinette, ohne internationale Noten ein segensreiches politisches Erziehungswerk an Rumänien vollbringen. Für Staaten, in denen Besitz und Leben der Einwohner, gebildeter und ungebildeter, in Frage steht: kernen Pfennig aus finanzieller Klugheit und aus Humanität. Hakenkreuz wider Hakenkreuz oder die Schlacht beim Wlmberger. Historisches Drama aus der Geschichte des Hakenkreuzes in einigen (widerlicheu und sehr erregten) Auftritten und mehreren (Rauf-) Szenen. Ort der Handlung: eine antisemitische Massenversammlung beim Wimberger. Zeit: eine sehr traurige, zu Ausschreitungen und Gewaltaten neigende. Helden der Handlung: Parteiobmann Schulz, Führer der hakenkreuzlerischen Dissidenten; Dr. Urs in. Landesobmann des Alldeutschen Verbandes; Kastenbein, Obmann der Deutschen Höchschüler-Vereinigung; die „im Judassold stehenden" Originalhakenkreuzler Derda und Rentmeister, welche die „wohlverdiente Züchtigung" empfangen und der Führer des hitlerischen „Vaterländischen Schutzbundes" Onderka, ein arisch-germanischer Recke von Scheitel bis zur Sohle. Mitwirkende: Hakenkreuzler aller vier Richtungen, Frontkämpfer und Alldeutsche, Polizisten, welche dem Heldendrama ein vorzeitiges und unrühmliches Ende bereiteten. Die Musik besteht aus hakenkreuzlerischen Schlachtgesängen, einem Höllenspektakel, das von schrillen Pfiffen und schallenden Ohrfeigen unterbrochen wird. Von den gesprochenen ■Worten ist keine Silbe vernehmbar, da alles im wüsten Lärm «nd Geschrei untergeht, die Handlung selbst gipfelt darin, daß von den empörten Schulz-Anhängern an den „im Interesse des Judentums krawalKsierenden und stänkernden Derda-Leuten" (siehe „Deutsche Arbeiter-Presse" vom 8. Jänner) Lynchjustiz geübt wird. „Das Häuflein der Derda-Leute erweist sich als eine zuchtlose, undisziplinierte Pülcherhorde." So lautet die Kritik der „Deutschen Arbeiter-Presse", während Herr Onderka öffentlich erklärte: „Ich schäme mich, unter diesen ^Umständen ein Hitlerianer zu sein". Das Motiv der Handlung tles Stückes, über das vielleicht Unklarheit herrschen könnte, geht aus dem Aufrufe hervor, mit dem die Hakenkreuzler die Versammlung einberufen haben. Dieser Aufruf sagt nämlich ausdrücklich, daß „bei dieser Versammlung von Seiten der völkischen Verbände und der nationalsozialistischen Partei der [Zusammenschluß aller völkischen Kräfte im kommenden Wahlicampf klar und deutlich ausgedrückt werden würde". Heil! Bukowinaer Zentralverftand (I., Elisabethstraße 9). Dieser rührte Verein veranstaltete Sonntag, den 9. d. M., im Grand £äf£ Central eine Verbandsyersammlung, zu der recht zgfi&r reiche .Mitglieder erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr M. A. Ehrlich, begrüßte unter den Anwesenden Herrn Regierungsrat Dr. G r o ß m a n n, den in Vertretung des verhinderten Präsidenten der „Union deutschösterreichischer J u d e n" Dr. J. 0 r n s t e i n erschienenen Herrn Dr. E. Korn und den Sekretär dieser Vereinigung Herrn Oskar Hirschfeld. Er erstattete hierauf einen sehr instruktiven Tätigkeitsbericht, aus dem hervorging, in welch intensiver Weise der Verein auf allen möglichen Gebieten, insbesondere dem der Wohlfahrt in den letzten Monaten zum Wohle seiner Mitglieder wirkte. Herr Dr. Korn hielt nun ein sehr interessantes Referat über die heute besonders schweren Erwerbsmöglichkeiten des Heimat- und Staatsbürgerrechtes, das er mit der Feststellung einleitete, daß gerade die „Union", aus deren mehr als 40jährigem rastlosen Kampfe für das Judentum der Redner ruhmvolle Details hervorhob, für die staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Juden bei Ablehnung aller für sie gefährlichen Sonderrechte stets unentwegt eingetreten sei. Es sei daher Pflicht der Juden, auch die „Union" in ihrem Kampfe zu unterstützen, insbesondere in dem um die unanstastbaren Staatsbürgerrechte, deren große Bedeutung schon angesichts des schweren jahrzehntelangen Ringens, das erst zu ihrer Erlangung führte, mehr als bisher gewürdigt werden müßte. Redner streifte sodann in umfassender Weise alle Gesetze, die vor und insbesondere nach dem Zusammenbruch in Kraft waren und teilweise noch sind, erwähnte namentlich die letzten Verordnungen vom Jahre 1925, deren Voraussetzungen und Inhalt er glänzend und einleuchtend den Zuhörern vor Augen führte. Diese zollten ihm lebhaften Beifall für seine aufschlußreichen Ausführungen, welche wieder mit einem Appell für die „Union" schlössen, der wohl auf fruchtbaren Boden fiel. Regierungsrat Dr. Gr'oßraann hielt noch ein interessantes Wirtschaftsreferat. UIIIIIHIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII „Union deulsdtösferreldiisdier Juaen" Wien IX., Berggasse 4 Einladung zu der am Dienstag, den 18. Jänner 1927, 7 Uhr abends im Festsaale des Bezirksrates für den I. Bezirk, I. WIpplingerslraBe 8 (Alles Ratsaus) stattfindenden Vereins Versammlung Tagesordnung: _ 1. Regierungsrai Dr. Hermann Oppen- § heim (Mitglied des Vertreterkollegiums und ■ Finanzreferent der Wiener Kultusgemeinde) „Das Budget der Wiener Kuttusgemeinde für das Jahr 1927" 2. Diskussion. Von Mitgliedern eingeführte Gäste, auch Damen, herzlich willkommen! „Union deMstiidsterrcMnlstiier Jaden" Der President: Dr. Jakob Or ns-tein Mltgliedsdiaft Innere Stadt der „Union" Der Obmann: Dr. Oskar H ein ■■■I erMMHiäij DezugsDedlngnngen: flalDj&nrlg: für Oesterreich S 8.50, Ungarn Pengö 8 50, Deutschland Qoldm, 7.—, Tschechoslowakei CK 60—, Polen ZI. 11— . Schweiz Fr. 7.-, Amerika l7aDoU.,Italien Life40.—,Englan&S.chiMn£ ' 15.—, Rumänien Lei 3Q0.~, Jugoslawien Dteaf 100,— W

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