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Die Wahrheit · 1927-01-14 · Heft 3 (14.1.1927) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 3 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 wmmmmumUmMWmmm DIE WAHRHEIT Studenten war vor ihm erschienen und hat mit Hinblick auf die bekannten Anschlagtafeln-Affären die Einleitung einer Disziplinaruntersuchung gegen jene Hakenkreuzler gefordert, die bei der Beschimpfung einzelner Studentengrupperi sich sogar bis zur Verletzung verschiedener Paragraphe des noch immer in Oesterreich geltenden Strafgesetzes verstiegen hatten. Welcher' Universitätsrektor hätte nicht den freisinnigen Studenten ruhig die Antwort geben können, daß er es als eine Anmaßung empfinde, wenn Studenten ihn, wenn auch in der zartesten Weise, über die Maßnahmen belehren wollen, die zu verfügen seines Amtes in dieser Sache gewesen wäre. Der Rektor der Wiener Universität hatte die Selbstbeherrschung, diese sicherlich naheliegende Antwort zu unterdrücken. Man wird aber nicht darüber staunen dürfen, wenn die* hakenkreuzlerischen Studenten nächstens wieder laute Klagen über das Ueberhandnehmen des jüdischen Einflusses an der Wiener Universität erheben. Man denke nur: Die „Neue Freie Presse" v/agt es, Enthüllungen über Dinge zu bringen, die von den Universitätsbehörden nicht gesehen werden, und freisinnige Studenten machen dem Rektor Vorschläge über Verfügungen, die nur er zu treffen hätte. Es geht wirklich skandalös an der Wiener Universität zu. Es wäre undankbar, dem Grafen Sternberg das Zeugnis zu versagen, daß er bestrebt ist, in seinen Reden und Schriften eine vorurteilslose Haltung gegen die Juden einzunehmen. Man darf sogar ruhig bekennen, Adalbert Sternberg ist schon dadurch, daß er oft in glänzender Weise die Nichtswürdigkeit der antisemitischen Kampfweise nachgewiesen, als ein Philosemit zu bezeichnen. Aber kein Gefühl der Dankbarkeit kann so übermächtig werden, daß es das Schweigen zu handgreiflichen Irrtümern Sternbergs rechtfertigen würde. Der Vortrag, den Graf Sternberg vor wenigen Tagen über „Päpste, Kaiser, Könige und Juden" hielt, strotzt völlig von solchen Unrichtigkeiten, die man bei einem so geistreichen Kopfe fast unbegreiflich finden muß. Päpste, Kaiser und Könige können sich ruhig jede falsche Anklage gefallen lassen. Die Juden können sich diesen Luxus nicht so leicht gestatten; sie müssen sich oft sogar gegen ihre Freunde wehren. Hier nur zwei Beispiele für viele. Graf Sternberg wirft so ganz unbefangen in seinem Vortrag die Bemerkung hin, die Juden fühlten sich in der ganzen Welt als Deutsche! Hat Graf Sternberg wirklich nie etwas von dem Chauvinismus der ungarischen Juden gehört, nichts vom Patriotismus der amerikanischen, der englischen Juden, den vor kurzem erst Coolidge und Lloyd George als vorbildlich gepriesen haben? Das Religionsbekenntnis hindert wahrhaftig den Juden so wenig in der patriotischen Gesinnung, wie es den Katholiken oder Protestanten hindert Graf Sternbergs sicherlich ganz gut gemeinte Aeußerung ist für die Juden vielleicht nicht weniger kränkend als die von den Antisemiten in Deutschland verbreitete Perfidie, die Juden seien keine Deutsche. Noch peinlicher berührt die Behauptung Sternbergs, das unbedingte Solidaritätsgefühl der Juden führe dahin, daß wenn irgend ein Jude etwas Unrechtes tut, setzen sich alle für ihn ein. Graf Sternberg täuscht sich: Nicht wenn ein Jude Unrechtes tut, setzen sich alle Juden für ihn ein, sondern wenn einem Juden Unrecht geschieht, weil er ein Jude ist, setzen sich leider auch nicht immer und sicherlich nicht alle Juden für ihn ein. Das ist doch ein kleiner Unterschied? Wahrhaftig, ein Mann wie Adalbert Sternberg dürfte sich bei einigem Nachdenken über diesen kleinen Unterschied klar werden und sich dann eine Ehre daraus machen, diesen öffentlich ausgesprochenen Irrtum auch öffentlich zu korrigieren. * * * In der Streitaffäre zwischen dem Direktor des Burgtheaters und Frau Roland sollen, wie vielfach behauptet wird, weniger künstlerische als konfessionelle Momente mitspielen und die treibenden, das heißt die Frau Roland aus dem Kunsttempel treibenden Kräfte sollen eigentlich hinter den Kulissen zu suchen sein. Wenn das wirklich der Fall wäre, so müßte man zugeben, daß Direktor Herterich recht hätte, zu behaupten, die Konflikte zur Kündigung der von ihm hochgeschätzten Künstlerin wären nicht erst aus Vorgängen aus der jüngsten Zeit entstanden. Sie hätten dann wirklich ihren Ursprung in dem Tage, an dem die Roland das Licht der so verjudeten Welt erblickte. * , * * Einen interessanten neuerlichen. Beitrag zur Verjudung der Literatur danken wir dem bekannten deutschen Schriftsteller Adolf v. Hatzfeld. Dieser erzählt in der „Frankfurter Zeitung", daß er zu einer Werbeschrift für das Heine-Denkmal in Düsseldorf aufgefordert worden sei und daß er diese Aufforderung für wohl begründet gehalten. „Da ich keine Jüdin zur Frau habe, schreibt er, war ich nicht jüdisch abgestempelt, wenn ich auch oft seufzte: Was sollten wir Dichter ohne die Juden noch tun? Wer würde uns hören?!" Na also. Wer darf noch nach solchen Bekenntnissen die Verjudung der Li^ teratur bezweifeln. * * * Mit 300.000 Unterschriften ist bereits das Gnadengesuch geschmückt, das Freunde und Verehrer Nadossys und Windischgrätz' dem Ministerpräsidenten überreichen wollen. Es verdient nachdrücklich bemerkt zu werden, daß in Ungarn niemand die Echtheit dieser Unterschriften bezweifelt. Sie sollen sich dadurch wesentlich von den Francs unterscheiden, durch die Nadossy und Windischgrätz Ungarn retten wollten. Ego. BilanzaDsdilüssc und Steuerbehcnntnisse HNeuanlagen, Revisionen, Budinadilräge sowie Steuererledigungeii jeder Art übernimmt { Budisattiuerständigcp Dir. Cusfau Kolmin 1 { DQroiarDudiliallunü,Dllänzu.S(€uerDerafDna 8 Wtem II., TaborstraOe TO S Telephon 49-3-30 wBAAAAAl

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