Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1927-01-01 · Heft 1 (1.1.1927) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1927
Issue
Heft 1 (1.1.1927)
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064299-3064300--15091-3087855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT Seite 0 Veiöffentti(fiuni>en der „Union deuidkösterweidkisdhev Juden" Wien IX. jBcrggasse % 9osto|Miifta0Scii- Jffonto m*. 0M4 Tel. 19-2-77 D/e Kulturschande an der Wiener Universität. Die Leser der „Wah r h e i t" sind über die Zustände an den österreichischen Kochschulen und zumal an der Wiener Universität hinlänglich unterrichtet, da die „U n i o n" und „Die Wahrheit" seit Jahren einen unablässigen Kampf gegen die antisemitische Hochschulschande führen. Wir haben es daher nicht notwendig, das bereits oftmals über diesen Punkt Gesagte nochmals zu wiederholen, wir wollen nur darauf hinweisen, daß alle Bemühungen, diesen Zuständen, die nicht nur das österreichische Judentum, sondern auch das Ansehen der Republik aufs schwerste gefährden, ein Ende zu bereiten, bisher leider erfolglos geblieben sind. Die mit Duldung und — man kann es ruhig sagen — Unterstützung der akademischen Behörden betriebene Judenhetze in den Räumen der Universität hat in der letzten Zeit solche Formen angenommen, daß sogar ein Blatt wie die „NeueFreie Presse", die doch sicherlich in der Judenfrage einen sehr gemäßigten und zurückhaltenden Standpunkt einnimmt, nicht umhin kann, in einem ihr von akademischer Seite zugekommenen Artikel in ihrer Ausgabe vom 20. Dezember v. J. entschieden gegen die „Kulturschande an derUniversität" Stellung zu nehmen. Wir entnehmen diesem Artikel, der in den weitesten Kreisen des österreichischen Bürgertums das größte Aufsehen hervorgerufen hat, folgende markante Stellen: „Die Juden sind die minderwertigste Köterrasse, die auf der Welt ihr Unwesen treibt"; sie sind „eine scheußliche Bastardrasse, die größte Promenadenrasse, welche, behaftet mit allen Lastern eines typischen Bastards, überall Fäulnis und Morast verbreitet"! Sie wollen ihre Leichen nicht sezieren lassen,, weil sonst herauskommen würde, daß „ihr Körper der Sitz aller Abnormitäten ist" und daß ihr Gehirn andere Windungen hat als nichtjüdische Gehirne, weshalb gerade der unsinnige Pazifismus nur in jüdischen Gehirnen geboren wurde." Dies ist nicht etwa an den Wänden einer Schnapsbude oder eines Irrenhauses zu lesen, sondern an einer Anschlagtafel der Nationalsozialisten an der Wiener Universität, gleich bei der Aula, wo täglich tausende Studenten vorübergehen. Wer einen Rundgang durch die Universität macht, findet auf Schritt und Tritt hakenkreuzgeschmückte Anschlagtafeln mit den absurdesten und lächerlichsten (?) Hetzereien gegen die Juden, die beschuldigt werden, alles Unglück und alle Schmach über das deutsche Volk gebracht zu haben. In jüngster Zeit waren da auch widerliche Karikaturen, vollkommen unrichtige Statistiken und Zitatensammlungen antisemitischer Tendenz zu sehen, ferner große Plakate mit der Ankündigung einer ganzen Reihe judenfeindlicher „Vorträge", gelegentlich auch solcher mit Lichtbildern. An der eingangs erwähnten Tafel hängen Porträts Hitlers und Bilder aus der Hitler-Bewegung. An vielen Stellen scheint sich die Universität überhaupt in eine hakenkreuzlerische Kolportageeinrichtung verwandelt zu haben. In den Schaukästen zahlreicher Vereine sieht und sah man da Schriften, wie: Das Judentum in Oesterreich; Jüdelach, Jüdelach hepp hepp hepp; Der völkische Ludendorff, Judas Schuldbuch: und Dutzende ähnlich« Produkt«." Es besteht an der Universität ein sogenanntes „Knlturamt der deutschen Studentenschaft" (über dessen „kulturelle" Betätigung die Leser der „Wahrheit" schon oft unterrichtet wurden, D. Red.), das unter Leitung eines eigenen Agitators sich ausschließlich der Judenhetze widmet und sich dabei eine Art amtlicher Stellung anmaßt. Mit ihm wetteifern zahlreiche ähnliche Vereine. Die Universitätsvorschriften des Rektorats über Anschläge bestimmen nun wörtlich in § 3: „Von der Veröffentlichung im Anschlagkasten sind ausgeschlossen: a) Bücher und Broschüren, ferner Karikaturen und unanständige Zeichnungen oder andere bildliche Darstellungen: b) alle Anschläge, welche Angriffe gegen die Behörden der Hochschulen, deren Lehrpersonen und Organe sowie gegen eine andere studentische Gruppe enthalten." Im Zweifel sind alle Anschläge dem Rektor zur Bewilligung vorzulegen, Uebertretungen werden mit disziplinarer Bestrafung und Entziehung der Anschlagkasten bedroht. Es ist ferner zu bemerken, daß viele dieser Anschläge ganz offenkundig einen Verstoß gegen die §§ 302 und 303 des Strafgesetzes darstellen. Ihre Duldung oder Begünstigung verstößt ferner gegen Artikel 7 der Bundesverfassung über die Pflichten der Bundesbeamten. Eingaben an die Universitätsbehörden, in denen auf solche Mißstände hingewiesen wurde, blieben unbeantwortet und unerledigt. Es muß daher einmal vor aller Oeffentlichkeit die Frage an Rektor und Senat sowie an das Unterrichtsministerium gestellt werden: Wird dafür gesorgt werden, daß diese Kulturschande aufhört und daß die Gesetze und Universitätsvorschriften nicht tagtäglich übertreten und verhöhnt werden? Werden jene Elemente, die eigentlich strafgesetzlich verpönte Handlungen begehen, disziplinar bestraft und wird ihnen die Erlaubnis zur weiteren Benützung der Anschlagtafeln entzogen werden? Werden jene Universitätsorgane zur Verantwortung gezogen werden, die ihre Pflicht der Aufsicht und der Verhütung gesetzwidriger Vorkommnisse vernachlässigen?" Wie wir erfahren, unternehmen die maßgebenden Hochschulbehörden jetzt endlich doch die geeigneten Schritte, um dieser antisemitischen Kulturschande ein Ende zu bereiten. * * * Eine selbstverständliche Antwort hat der akademische Senat der Wiener Universität der „Deutschen Studentenschaft" auf ihre Eingabe erteilt, in welcher gegen die Wahl Professor Hupkas zum Dekan der juridischen Fakultät Einspruch erhoben wird, da diese „infolge der nichtarischen Abstammung des Gewählten eine Rechtswidrigkeit darstelle". Der akademische Senat teilte nämlich der „Deutschen Studentenschaft" mit, daß er es ablehne, sich mit ihr in dieser Frage in eine Diskussion überhaupt nur einzulassen. Hätte der akademische Senat die herausfordernde Art der „Deutschen Studentenschaft" stets mit gleicher akademischer Würde zurückgewiesen, dann hätten an unserer Universität niemals jene unwürdigen und beschämenden Zustände Platz greifen können, wie wir sie heute dank der Tätigkeit der „Deutschen Studentenschaft" zu beklagen haben. * * * Eine bemerkenswerte Absage erteilte der „Akademische Verband Deutscher Historiker" der „Kammer der Deutschen Studentenschaft". Im Anschlagkasten des Verbandes war ein Anschlag ausgestellt, dem wir folgendes entnehmen: „Die gefertigte Leitung des Akademischen Verbandes Deutscher Historiker gestattet sich, Ihn«n mitaut«il«n, da£ Sit »Ich nach 'etflichw Erwägung ent-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.