Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT MIHliM^ ™ Seite 13 jungen Demokratien, die mitten in einer revolutionären Bewegung sich befinden. Hofrat In«. Josef Löwy beschäftigte sich, um das Gesetz der Revolution aufzuzeigen, mit der französischen und der englischen Revolution vom Jahre 1642 und versuchte zu beweisen, daß der Mißbrauch dar Revolution, dor bei diesen historischen Kämpfen zu einem Massenblutbad führte, auch in Oesterreich die Reaktion ausgelöst habe. Wir müssen alle Kräfte anstrengen, um aus der chronischen Revolution herauszukommen und das notwendige Glci'C'hgc wicht, das keine Vergewaltigung von links oder rechts kennt, herzustellen. Wir Juden sind an diesem Gleichgewicht besonders intercssiort, denn die Vergewaltig^!- und die Vergewaltigten werden immer den Juden als Sündenbock wählen. Rgierungsrat Dr. Max Lenk polemisierte mit seinem Vorredner, wobei er vor allem ausführte, daß dessen Vorwürfe deshalb unberechtigt seien, weil — um bei .seinem Vergleich zu bleiben — die österreichischen Musikanten ihre Instrumente -noch nicht so lauge gebrauchen, daß das Orchester; schon einen guten Klang ergibt. Die Revolution vom Jahre 1918 war keine Revolution im Sinne jener historischen, von denen Hofrat Löwy sprach, sie fiel dem österreichischen Volke vielleicht unverdient in den Schoß, und erst in dem Momente, da die Mächte, die uns so lange mit Säbel und Kirche beherrscht, entfernt waren, ward sich das österreichische Vrlk bewußt, daß es nicht Obiekt. sondern Subiekt der Politik sei. Man muß es diesem Volke und seinen Führern hoch anrechnen, daß sie ihre Kräfte nicht, wie in Rußland und Ungarn, bis zum letzten Maße ausgenützt, was nur die Stärke österreichischer Kultur und Klugheit bewiesen hat. In den letzten Wochen sind wir knapp an einem blutigen Bürgerkrieg vorbeigegangen, dienn gewisse Elemente, die sich früher nn Diadem der Kaiserkrone sonnten, glaubten nunmehr ihre Zeit für gekommen. Der Mißbrauch der von radikalen Elementen getrichernen Soziademokratie hat eine Bewegung gegen diese Auswüchse ausgelöst, die begreiflich gewesen wäre, wenn das Bürgertum Front gemacht hätte gegem jene, die ihm jede Lebensmöglichkeit nehmen und es als eine Nichtigkeit betrachten. Aber hinter der sogenannten „Volksbewegung" standen andere Kräfte, gegen die gerade wir Juden Stellung nehmen sollten. Autorität im guten Sinne ist sicher notwendig, aber die Rückkehr zu einem Autoritätsstaat, dessen Herrschaft auf Bajonetten aufgebaut ist. müssen wV Juden ablehnen. Deshalb ist es verwunderlich, daß sich Juden finden, die sich von den Schlagworten der „Heimwehr" irreführen lassen. Wir sind am Anfang einer Entwicklung, die Erledigung der Verfassungskämpfe bedeutet keinen Ruhepunkt und da müssen gerade wir österreichischen Juden besonders auf der Hut sein. Pr. Lenk beschäftigte sich schließlich mit der schwierigen Politik, die die „Union" in der nächsten Zeit zu verfolgen h^t. und kam zu dem Ergebnis, daß, wenn wir alle Dinge nur vom Standpunkte des jüdischen Ocsrenreichers betrachten, es nicht schwer sein wird, die einzig mögliche mittlere Linie zu finden. Präsdent Dr. Jakob Ornstein schloß hierauf mit Dankesworten an die Referenten und die Erschienenen d'ie eindrucksvoll verlaufene Versammhing. Beim 4. „Union"-Sprechabend (York-Stelner- Vortrag) wurde irrtümlich ein Paar Damenhandschuhe in einen fremden Winterrock gegeben. Der Besitzer dieses Rockes, der seinen Fund bereits dem Garderobepersonal anzeigte, wird gebeten, die Handschuhe dem Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel A 19-2-77, zu übermitteln, das auch eine direkte Abholung veranlassen würde. Dr. Leo Werdesheim ist während der Wintermonate IX.. Lackierergasse 1/2, zwischen 2—3 Uhr (auch Tel. B 45-1-91) zu erreichen. Doktor der Philosophie sucht für die Nachmittagsstunden als Sekretär Beschäftigung. Zuschritte an die Administration d. B- TUWoJuizulDcJi* Vergrößerung der Berliner Gemeinde. Ein sehr wichtiges Ereignis für die Berliner Gemeinde ist die in der letzten ReprästentantenVersammlung erfolgte E i u g e m e i n d u n g der S y n a g o g e n g e m e x n d e n Köpenick und Oranienburg. Damit reicht die Beri'ncr indische Gemeinde im Süden beinahe bis zum Spreewaid und im Norden bis in die Gegend von Eberswalde. Sie dürfte damit, was den Fläehenraiim anlangt, vielleicht die g r ö I! t e Gemeinde da Welt geworden sein, hbrr kammergerichtsrat Woltf sprach bei dieser Gelegenheit dk- Hoffnung aus, daß dor räumlichen Eingemeindung der beiden Vorortegruppen auch das innere Einfühlen recht bald h Igen möge, und verhieß von seiteu der Gemeinde auf diesem \V.;ge jede Unterstützung. Aus St. Pölten wird uns mitgeteilt: Dem seit nahezu 2») Jahren an de-r Spitze der israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten stehenden Kultusvorsteher Herrn Albert Leicht, dem vom Herrn Bundespräsidenten der Titel eines Kommerzia'- rats mit Nachsicht der Taxe verliehen wurde, haben in herzlicher Weise gratuliert: der Herr Minister für Handel und Verkehr Dr. Michael H a i n i s c h. Herr Landeshauptmann Dr. Karl Burcsch, der Bürgermeister der Stadt St. Pölten Hl-iT Hubert Sch!i!>?l. Herr Magistratdürektor Dr. Kernstück. Von der Kultusgemeinde gratulierten persönlich: Horr Oberrabbiuer Prof. Dr. Adolf S c h ä c h t e r. Kultusvorsteherstellvertreter Herr Karl Fran k. die Herren Beiriite Moritz Frisch mann und Richard L ti s t r g. von de Chewra Kadischa der Obmann Herr Isidor R e i s s. vom iüd'schen Frauenverein Frau Präsidentin Hermine A 11 i n a. Frau Prof. Dr. Schächten Frau Irma R e i s s. Todesfall. Am 23. d. M. ist hier im 71. Lebensjahre Frau Jenny Schur gestorben, eine durch ihren Wohltätigkeitssinn und ihre Gastfreiheit sehr bekannte und beliebte Dame der Wiener Oesellschaft. Oesterreichischer Kantorenverband. Donnerstag, den ~>. Jänner 1030. findet um K;8 Uhr abends im Restaurant B a r s c h a k eine gemütliche Zusammenkunft statt, zu welcher alle Gönner, Freunde und Mitglieder des Vereines mit ihrer Familienmitgliedern höflichst eingeladen werden. Festgottesdienst. Freitag, den 27. Dezember 4 Uhr nachm. findet im Tempel III., Untere Viaduktgasse M ein Festgottesdienst anläßlich des 70. Geburtstages des Herrn Schulrates Prot. Dr. Heinrich Pollak statt. Festrede: Rabh. Dr. Armin 4 b e I e s, Ansprache des Präsidenten des Temoelvereines. Vereii»?gwng indischer Auslandsberichterstatter in Wien. In der kürzlich stattgefundenen ordentlichen Gencrnlversammlonv: der ..Vereinigung jüdischer Anslandsberichterstatter in Wien** •vmrden folgende Herren in dien Vorstand gewählt: M. H e n i s c h (Präsident). Dr. J. F i n k e 1 s t e i n. S. Hab e r (Vizepräsident). D. S c h e c h e t. M. A. T e n e n b 1 a 11. M. U ü g e r f e I d, IX W e instei n. Dr. S. W o. I f (Sekretär). i£ftanufzfta~f7<eiern. Isr. Kinderbewahranstalt des Vereines Wohlfahrt. IL. Schiffamtsgasse 15. Der Vorstand der Lsr. Kinderbewahranstalt veranstaltet Samstag, den 2$. d. M.. präzise 17 Uhr, in den Räumen der Israel. Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15. eine C h a n u k a - F e i e r. Festprogramm: Festgesänge (Lichter anzünden) unter Mitwirkung des Horm Oberkantors Gerson Margulies. Festrede gehalten von Sr. F.hrwürden Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d, Präsident der lsr. Kindeibewahranstalt. Kinderspiele aufgeführt von den Kindern der Anstalt. Beteilung samtlicher Kinder des Instituts mit kompletter Winterbekleidung und Spielsachen. Montag, den 30. Dezember I. .!.. um '45 Uhr nachmittags, f'fidet im Beisaale dur israelitischen V e r s o r g u u g s a us t a 1 t. IX.. Scjgasse V. eine C h a n u k k a - F e i e r statt. Die Beteilung der Pfleglinge findet um 2 Uhr naehm'ttags statt. Der Bethrn vorstand iiir den IS. 19. Bezirk veranstaltet am Sabbath Chanuka. das ist am 2S. Dezember \92M. um Kö Uhr nachmittags in der Währinger Svnagoge einen feie rlichen Gottesdienst für die Jugend des Bezirkes, bei welchem Sc. Ehrwürden Rabbiner Doktor David Feuchtwang die Festrede halten wird.