Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Statistik der Berliner luden. Im Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin stellt Dr. Julius Rotholz Betrachtungen zur Statistik der Berliner Juden an und schreibt u. a.: Die judenreichste Stadt der Welt ist New York mit 1,750.000 Juden, die fast 30 Prozent der Gesamtbevölkerunu ausmachen. In den amerikanischen Großstädten schwanken die jüdischen Anteile zwischen 6—13 Prozent. So weist Chikago 325.000 Juden auf, Philadelphia 275.000. Berlin mit seinen 172.672 Juden nimmt erst die achte Stelle in der Reihe der Städte nach der absoluten Zahl der jüdischen Einwohner ein. Das viermal so kleine Warschau übertrifft es mit 322.185. Budapest mit 212.736, Wien mit 201.513 Juden, und selbst in London wohnen fast 30.000 Juden mehr als in Berlin. Abgesehen von russischen, polnischen und jetzt auch rumänischen Provinz- und Großstädten, wo die Juden die absolute Majorität bilden, übertrifft Frankfurt a. M. mit seinen 6.3 Prozent Juden die 4.3 Prozent betragenden jüdischen Anteile der Einwohner Groß-Beriins. Verhältnismäßig judenreicher aJs Berlin ist auch Amsterdam (10.3 Prozent), Saloniki (22.8 Prozent), Bukarest (14.3 Prozent), Montreal (6.9 Prozent), Riga (11.7 Prozent), Manchester (4-7 Prozent), Bagdad (14 Prozent). Antwerpen (6.2 Prozent), Sofia (11 Prozent) und Wien (10.8 Prozent) und viele andere Städte. An der Spitze der 20 Berliner Verwaltungsbezirke steht Wilmersdorf, wo die Juden ungefähr 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ihm schließt sich an die City, der Ursitz der Berliner Judenschaft, wo die jüdischen Anteile noch immer 10 Prozent betragen, dann folgen Schöneberg mit 8 Prozent und Charlottenburg mit 9 Prozent, im Tiergartenviertel und Prenzlauer Berg sinken die Sätze auf 5—6 Prozent, um in den sonstigen Peripherie-Bezirken auf 1 Prozent und 3 Prozent und darunter herabzugehen. Ja, es sind in Groß-Berlin sogar kleine Ortschaften vorhanden, wo bei der letzten Volkszählung überhaupt keine Juden gezählt wurden. In Berlin kommen auf 100 Männer 112 Frauen. Nach den Konfessionen verschieben sich die Verhältnisse. Bei den Evangelischen kommen auf 100 Männer 125 Frauen, bei den Katholiken auf 100 Männer 119 Frauen, bei den Juden auf 100 Männer 105 Frauen, bei den Dissidenten auf 100 Männer 80 Frauen. Daß bei den Berliner Juden der Frauenüberschuß ein viel geringerer ist, mag darauf zurückzuführen sein, daß der Zustrom nach dem Zentrum des Handels und der Industrie seitens der männlichen Jugend ein besonders großer ist. Aber das Bild ändert sich für die mittleren Städte und das platte Land. Für diese Gebiete steigt der Frauenüberschuß bei den Juden auf 11 bis 12 Prozent und nähert sich dem allgemeinen Durchschnitt. In Berlin wurden im Durchschnitt der letzten sechs Jahre je 1500 bis 1600 Kinder in rein jüdischen Ehen geboren. Daraus ergibt sich, daß diese Kindergruppe im Höchstfälle 10.000 Seelen umfaßt Da die jüdische üesamtbevölkerung sich auf rund 170.000 Seelen beläuft, kommen auf 1000 Juden rund 60 Kinder im Alter von 1—6 Jahren. Machen wir dieselbe Rechnung lür die Gesamtbevölkerung, so erhalten wir als Resultat den Tausendsatz von 54 Kindern. Dabei hat Berlin seit 1922 die niedrigste Geburtenziffer aller Weltstädte des Abendlandes und damit die niedrigste Geburtenziffer der ganzen Welt. Betrachten wir die Gruppe von Kindern von 6—13 Jahren. Es besuchten die Volksschulen Berlins im Jahre 1921 376.940 Kinder, davon 4873 jüdische; 1926 waren unter 270.679 Schulkindern 5345 Juden. Während die allgemeine Volksschülerzahl um 20 Prozent abgenommen hat, hat die jüdische Schülerzahl um 10 Prozent zugenommen. Aber dieses Plus ist darauf zurückzuführen, daß die Einwanderung von jüdischen Familien aus den verloren gegangenen Ostprovinzen nach Berlin eine bedeutende war, und in diesem Zeitraum die Vorschulen der höheren Schulen, die stark mit jüdischen Kindern durchsetzt waren, aufgehoben wurden, worauf die Abwanderung nach den Volksschulen erfolgte. — Es besuchten die höheren Knabenschulen Berlins (ohne die Vororte) im Jahre 1914 16.477 Schüler, davon 2334 Juden, 1926 waren es 21.154, davon 1661 Juden. Während die allgemeine Schülerzahl der höheren Schulen um 30 Prozent zugenommen hat, hat die Zahl der jüdischen Schüler um 30 Prozent abgenommen. Die Zahlen liefern den Beweis, daß der jüdische Mittelstand sehr unter der Not der gegenwärtigen Zeiten leidet und nicht mehr imstande ist, die Kosten für die Aus bildung der Knabenschaft auf höheren Schulen zu tragen. Qiersen* Soll, darf eine jüdischen Interessen dienende Zeitschrift mit Schweigen an der seltenen Jubelfeier vorübergehen, die P a p s t P i u s XI. in bewunderungswürdiger geistiger Frische in diesen Tagen feierte? Nun, der hohe Greis, der mit dem Mute, den nur wahrhaft religiöse und humane Gesinnung verleiht, in einer von Judenhaß verseuchten Zeit vor allen gläubigen Christen laut bekennt, daß der Antisemitismus eine schmachvolle Verwirrung ist, welche die im Judentum wurzelnden Lehren des Evangeliums verhöhnt und somit die Grundlagen des Christentums untergräbt, hat ein heiliges Anrecht auf die verehrungsvolle, unauslöschliche Dankbarkeit aller Juden. Auch ihre Gebete steigen zu Gott, dem Vater aller, empor, er möge schützend seine Hand über das ruhmgekrönte Haupt dieses hohen Priesters der Menschenliebe halten. Möge ihm der Wunsch in Erfüllung gehen, den die religiösen Juden für das Leben der großen Frommen aller Völker hegen: bis 100 Jahr! * Am 13. d. M. hat „Die Wahrheit" an der Spitze des Blattes im Auszuge das Vorwort, das Graf R. N. Coudenhove-Kalergi zu dem in Neuauflage erschienenen Werke seines Vaters „Das Wesen des Antisemtismus" geschrieben hat, gebracht. Am 18. d. M. hat die „Neue Freie Presse" dieses Vorwort, etwas erweitert, ebenfalls abgedruckt. Die „Dötz" hat diese Veröffentlichung mit einem Wutgeheul begrüßt, dem man anhörte, wie hart die ansonst ziemlich gegen jede Kritik abgestumpfte antisemitische Meute von den Keulenhieben getroffen wurde, die aus der Kennzeichnung des „Wesens des Antisemitismus" niedersausen. Das Wutgeheul ist daher begreiflich. Der Artikel der „Dötz" enthält den schönen Satz: „Jeder halbwegs ehrliche Kerl schreibt und spricht so, wie er denkt." Aber trotzdem bin ich mir nicht klar geworden, ob die „Dötz" aus armseliger Unwissenheit oder aus wohlberechneter Tücke den Anschein erwecken möchte, das im Jahre 1901 erschienene 527 Seiten starke Buch „Das Wesen des Antisemitismus" sei die Arbeit von R. N. Coudenhove-Kalergi und nicht das Werk von Dr. Heinrich Coudenhove-Kalergi, des berühmten Vaters des jungen Autors. sfc Warum ich, der wahrhaftig sonst gerne der „Dötz" den Anspruch auf Unwissenheit zuerkennt, diesmal nicht ohne weiteres diese zugebe? Das hat seine Gründe. In dem umfangreichen, von langjährigem tiefen Studium zeugenden Werke des Grafen Heinrich Coudenhove, der die Verkörperung der Wahrheitsliebe und des Rechtsgefühles war, sind große Kapitel insbesondere der Rassenfrage, aber auch den anderen Themen gewidmet, die der Sohn in seinem Vorwort nur mit ein paar Zeilen streift. Die „Dötz" aber hat in ihrer von Raserei und Gehässigkeit durchseuchten Entgegnung nur ein Ziel vor Augen, den Antisemitismus als Rassenfrage zu behandeln, und es paßt ihr, ihre öden, jeder wissenschaftlichen Erkenntnis Hohn