Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT MBÄ,WB"11 " 1 Juden, sondern der besten Deutschen." Und weiter: „Diese Revision ist eine G e w i s s e n s p f 1 i c h t Deutschlands, die Befreiung aus einer schweren Schuld und einem schweren Irrtum." Von ü ü d e m a ii n stammt auch der Ausspruch: „In bezus auf den Antisemitismus befinden wir Juden uns in der Lage eines Gefangenen: dieser kann sich nicht selbst befreien, er bedarf dazu der Hilfe von außen." Ich meinte gelegentlich, nur wir Juden allein hätten Berechtigung, Antisemiter. zu sein, da wir die Fehler unserer Glaubensgenossen am besten kennen. Aber, was wir zu unserer Verteidigung vorbringen, wird stets unwirksam bleiben — man wird immer behaupten, daß wir eine zu gute Meinung von uns haben. Deshalb ist das Urteil, das von Andersgläubigen für uns günstig lautet, allein maßgebend. Matthias J. Schleiden, ein Naturforscher, den man den „deutschen Darwin" nennt, sagt in einem Essay über „Die Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter": „Es war den Christen endlich gelungen, durch die grausamste Tyrannei und Bedrückung ein geistig, sittlich und religiös edel, ja fast ideal angelegtes Volk herabzuwürdigen und in den Kot zu treten. Am tollsten ging es damals in Deutschland zu. Der Christ steht gegenwärtig dem Judentum gegenüber wie ein Mann der Asche und den rauchenden Trümmern eines herrlichen, Tempels, den er selbst in Brand gesteckt. Wenn noch eine Faser sittlichen Gefühls in ihm zuckt, so muß ihn Reue und tiefe Scham erfüllen und er muß alle Mittel ergreifen, um frühere Schandtaten zu sühnen." Man ersieht daraus, daß der Revisionsgedanke und seine Begründung nicht neu ist, allein er gehört augenscheinlich zu den Dingen, die man zweimal und wohl noch mehrmal sagen muß, bis sie sie Ii Gehör verschaffen. Med.-Rat Dr. H. Haase. Das Problem Palästina. Das „Berliner Tageblatt" hat nach den letzten Ereignissen einen Sonderkorrespondenten, Herrn Theodor B e r k e s, nach Palästina entsandt, der in der Ausgabe des genannten Blattes vom 7. Dezember, nachdem er die schwüle Atmosphäre, die über dem ganzen Lande lagert, an Hand von charakteristischen Vorfällen aufgezeigt hat, folgendes über die Lösungsm ö g 1 ic h k e i i ein des so schwierigen Problems zu sagen weiß: Schuld an den Ereignissen hin, Schuld her; es gilt aus diiesen Ereignissen zu lernen und die notwendigen realen Konsequenzen zu ziehen, um einer nochmaligen und wahrscheinlich viel blutigere« Wiederholung auszuweichen. Zu diesem Zwecke ist beii den Zionisten vor allem einmal die Min sieht notwendig, daß bei dem Widerstand der Araber gegenüber dem nationalen Vorwärtsdrängen der Zionisten es sich um eine bewußte oder instinktive Bewegung handelt, die selbst auch die umliegenden Araberstaaten bereits erfaßt hat. Die Meinung der Zionisten, daß, hetzten nicht der Großmuftf und dfe Effendis, die arabischen Massen den Zionismus freudig begrüßen würden, führt Jns politische Unglück. Die Araber allesamt, das ist die Wahrheit und die politische Tatsache, sind Gegner der politischen Zionisten, und das um so intensiver, je leidenschaftlicher der zionistische Nationalismus sich frondierend ihnen entgegenstellt. Die Zionisten können sich gewiß auf die Balfour-Deklaratiort berufen, aber mit dem täglichen Appell an die englische; Waffen zum Schutze der bedrohten Rechte werden sie nur immer weiter sich von einer Seite 5 HUFA-TON-KINOH Wien II., TaborsfeaB« 8 - T«f. R 42-3-41 Uraufführung Der erste Ufa-Ton- und Sprechfilm der Erich Pommer- Produktion Melodie des Herzens ill Hauptdarsteller: ,j nita Parlo and Wlllq Frllscü II) Beginn der Vorstellungen: 5,? und 9 Uhr Sonn- und feiertags: ab 4 Uhr Verständigung mit Jenen entfernen, mit denen siei, wollen sie im Lande bleiben, zum Zusammenleben gezwungen sind. Es ist durchaus zu verstehen, daß durch alte historische Bande, dinrch. einen gewissen nationalen Romantisnuus sich der, ideale Zionisi mit diesem Lande verbunden fühlt: aber es ist Utopie, daraus den Arabern gegenüber ein Recht auf die Inbesitznahme Palästinas herleiten zu wollen, denn vorchristliche Pergamente und die biblische Geschichte können im zwanzigsten Jahrhundert politisch natürlich nur noch historischen Wert haben. Es ist unbestreitbar, daß die Zionisten Geldmittel von Millionen über Millionen ins Land brachten, daß die Entwicklung des Landes mit diesen Millionen sehr gefördert wurde und daß davon wirtschaftlich auch die Araber profitierten. Aber es ist ebenso unbestreitbar, daß der Sinn der zionistischen Kolonisation in der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Förderung der Judensehatt und nicht der des Arabertums liegt. Tatsache ist forner., daß durch den Ankauf von palästinischem Boden zu hohen Preisen mancher Araber ein gutes Geschäft machte; es ist aber auch Tatsache, daß dadurch, und das wird arabLscherseits empfunden, der arabische Grundbesitzstand ein Minus erlitt. Dagegen ist nicht Tatsache, daß, wie vSele Zionisten hier behaupten, ihre unbestrittene kulturelle Ueberlegenheit ihnen, und das gewissermaßen als Schrittmacher der europäischen Zivilisation in den Orient hinein, ein moralisches Recht auf die Erringung dieses Landes gebe, denn, wäre das der Fall, würde sich die imperialistische Kolonisation jeder europäischen Macht rechtfertigen. Die zionistischen radikalen Nationalisten fordern eine Revision der heutigen zionistischen Politik in Palästina, denn es ist unangänglich, einem drohenden und voraussichtlich langandauernden Bürgerkriege oder einem bürgerkriegähmlrchen Zustande gegenüber noch gleichgültig zu bleiben. Diese Revision denken sich diese Radikalen in der Praxis wohl ungefähr so, daß man — vielleicht diurch einen Ausbau der Balfour-Deklaration — den Zionisten das Recht auf nationale Diktatur in Palästina (!) zugestehe. Ob sich für dieses Verlangen, das .lakobinskr vom ultiranatibnal-zionistischen Standpunkte aus meisterhaft zu verteidigen weiß, und das eine Lösung der Situation auf dem Gewaltwege, also nach alten Mustern, herbeiführen will, Verständnis im der Welt findet, bleibe dahingestellt. Die andere Lösungsmöglichkeit liegt auf der entgegengesetzten Seite, und sie gründet in eitoem entschlossenen und ehrlichen Eintreten für Verständigung mit den Arabern, und sei' d i e s e Verständigung a u ch nur mit großen Opfern zu erreichen. Die zionistische Politik hat in der Vergangenheit ihre eigenen Kräfte und namentlich auch das Interesse Englands an der Schaffung eines durch die Zionisten kontrollierten Palästina überschätzt, sie hat den nationalen Inhalt des palästinischen Arabertums unterwertet. Fasziniert von solchen Gedankengängen, übersah diese Politik selbst das Nächstliegendste und Notwendigste: nämlich dfe Araber an der zionistischen Immigration zum mindesten wirtschaftlich stark zu interessieren und im Laufe der Zeit eine unlösbare ökonomische und damit auch politische Verknüpfung von Juden und Arabern herbeizuführen.