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Die Wahrheit · 1929-12-20 · Heft 51 (20.12.1929) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE WAHRHEIT lllll!inillllll!ll!lll!lllllllllll!!l|iliiiil!lH $e jte 13 Dr. Weiß aus Klosterneuburg das Wort ergriff. Er meinte, es sei dem Vereine zu danken für seine hervorragende Tätigkeit. Es wäre zu wünschen, daß auch sämüiche Medizinstudenten, die iji ihren ersten Jahrgängen die Werke Schleidens studieren müssen, über die Person dieses hervorragenden Mannes informiert würden. Schriftsteller Otto Lang betonte die Notwendigkeit der Gründung einer wissenschaftlichen Gesellschaft des Wiener Judentums; in gleicher Weise Herr Medizinalf at Dr. Horowitz. Herr Rabbiner Dr. K a m inka urgiertedie Herausgabe einer Broschüre über Schleiden nachdem f»halte des Vortrages des Medi2inaJrates Dr. H a a s e. die sicherlich zur Aufklärung und Nutzen der Gesamtheit dienen würde. Josef Babad. D. J. Silberbusch, ein populärer hebräisch-jüdischer Schriftsteller, vollendet dieser Tage sein 75. Lebensjahr. Silberbusch blickt auf eine 52jährige literarische Tätigkeit ^zurück und ist trotz seines Alters noch im Vollbesitze seiner Schaffenskraft. Seine letzten literarischen Erzeugnisse zeichnen sich sowohl inhaltlich, als auch in bezug auf Form und Sprache durch Frische aus. Gelegentlich seines 70jährigen Jubiläums wurde die jüdische üeffentlichkeit in einem von prominenten jüdischen Gelehrten und Schriftstellern vieler Länder gezeichneten Aufruf ermahnt, dem Schriftsteiler, der in Entbehrung lebt und schafft, durch ausgiebige materielle Unterstützung die Fortsetzung seiner Tätigkeit zu ermöglichen. Anläßlich seines 75jährigeu Geburtstages wollen Wiener Freunde und Verehrer Silberbusch's, die seine menschlichen und schriftstellerischen Qualitäten kennen und auch wissen, wie sehr sich seine materielle Lage letzthin verschlimmert hat, ihm eine ausreichende Ehrengabe darbringen, die ihm sein Schicksal erträglicher machen und ihn an seinem Lebensabend vor Not schützen soll. Adresse für Geldsendungen: Dr. Dawid Rothb! u in. Rechtsanwalt, Wien I., Bräunerstraße 7. Granovsky, Boden und Siedlung. Jüdischer Verlas. Berlin, fr. Mk. 3.—, gebd. 4.50. Granovsky, der durch seine früheren Werke „Bodenprobleme in Palästina" und ..Land- Taxation in Palästina" uns wohlbekannt ist, gibt unter obigem Titel eine Sammlung von Aufsätzen zur Land- und Siedlungspolitik für Palästina heraus. Der Autor greift die amerikanische Hypothekenbank der Brandeisgruppe an, um im selben Atemzuge die Palestine Economic Corp. lobend zu erwähnen. Ist ihm etwa nicht bekannt, daß es sich hier um dieselbe Institution handelt? Auch scheint uns eine Polemik gegen das ,.Pica"-System nicht überzeugend, wenn man daran denkt, daß weder hier noch beim K. K. L. die Siedler bisher ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Im Ganzen ein sehr instruktives Buch, dessen Vorzug es ist, auch eigene Fehler des K. K. L. zu betonen. K. G. Paneuropa-Zeitschrift. Heft 10, V. Jahrgang, Paneuropa- Verlag. Wien I., Hofburg. Preis: Mk. —.90, ö. S 1.50. Im Dezemberheft der Paneuropa-Zeitschrift veröffentlicht der Führer der Paneuropa-Bewegung R. N. Coudenhove-Kalerg! einen außerordentlich interessanten Artikel „Die Schweiz als Vorbild", in dem er die Bundesverfassung der Schweizer Eidgenossenschaft zum Vorbild einer künftigen Verfassung Panenropas setzt. Von Edouard Herriot. dem ehemaligen Ministerpräsidenten Frankreichs, gelangt der Vortrag zum Abdruck, den er in Wien, Berlin und Prag gehalten hat. Der Vertrag, in dem eine Reihe paneuropäischer Probleme behandelt wird, bildet einen besonders wertvollen Beitrag zur Geschichte des werdenden Europa. Ein vom hervorragenden Kenner Afrikas, Dr. Albert Zintgraff, geschriebener Artikel ,. Die Besiedlungsfähigkeit Afrikas" und die umfassende Chronik der Weitpresse ergänzen das reichhaltige Heft. A. Levy. Jüdische Grabmalkunst in Osteuropa (Verlag Pionier. Berlin, W. 35, .180 Mark). Die jüdische Kulturgeschichte hat hier einen beachtenswerten Beitrag zu verzeichnen. Zum Teil fällt daraus auch ein Licht auf die Malerei ■in den ostfüdischen Synagogen. Ueberrasehend ist der weitgehende Ersatz der menschlichen Figur durch die eines Vogels, wenn auch über die Seele als Vogel, auch bei uns Juden, schon eine Literatur zu verzeichnen ist. Auf. Abb. 9b steht man Jerusalem nach herkömmlicher Auffassung. Der gebrochene Baum ist auch sonst auf jüdischen Grabsteinen, so in Amsterdam, Altona, anzutreffen. Judaeus. Der Raw (Frankfurt. Hermon-Verlag). Nach langem Schweigen tritt Judaeus nun wieder mit einer Erzählung hervor, die alle Vorzüge seiner früheren Schriften aufweist. Unserer Jugend sind diese Arbeiten nicht warm genug zu empfehlen. Diesmal ist es eine Größe des Chassidismus, die in einen wichtigen historischen Zusammenhang gestellt wird, für den es nicht an dokumentarischen Grundlagen fehlt. VbsilDxkezu IDocke Universitä tsprofessor Dr. Erwin Gr äff. Zu seinem 50. Geburtstage. Uns Juden steht der Jubilar mit seinem Glauben uich' nahe. Professor Graft i^t nämlich Christ und sogar einer von denjenigen, die es mit der Christenlehre ernst meinen. Dafür über, oder gerade deshalb steht er uns mit seinem Herzen sehr nahe. Kein Zweiter wie dieser Wissenschaftler auf dem Gebiete der Gynäkologie erfreut sich eine.> solchen Rufes, nicht nur als Arzt, sondern auch als rettender Wohltäter für unzählige arme und unbemittelte Kranke, von denen die meisten Juden sind, die von der seltenen Toleranz dieses gütigen Mannes nicht genug erzählen können. Um so eher freut es uns, diesem Gelehrten in unserem Blatte, das ausschließlich jüdischen Interessen dient, anläßlich seines 5U. Geburtstages. Worte der Würdigimg und des Dankes zu widme!' Als Sohn des berühmten Zoologie-Professors Dr. E. Graf"; in Puezov/a geboren, absolvierte er seine medizinischen Studien auf der Grazer Universität, an der sein Vater langjähriger Dekan war. Seine Virtuosität auf dem chirurgischen Gebiet erwarb er sich beim weltberühmten Wiener Protesso* Ernst Wertheim, dessen Assistent er längere Zeit war. und sein immenses Wissen auf dem Gebiete der Frauenheilkunde ebnete ihm den Weg zum Universitätsprofessor und verschaffte ihm einen Ruhm, wie er sehen einem anderen Wiener Mediziner unserer Generation beschieden war. Nicht minder aber ist sein Name als Wohltäter und hilfsbereiter Arzt in der weiten und besonders in der jüdischen Oeffentlichkeit bekannt. Viele unserer Glaubensgenossen, die, aus der weiten Ferne kommend, so sehr es dringend erscheint, die ärztliche Hilfe eines prominenten Professors infolge ihrer Mittellosigkeit nicht ansprechen können, wissen ein Lied de« Lobes und des Dankes über Professor Graft zu singen. Kel" leidender, mag er auch arm sein, hat noch je vergebens;;n die Ordinationstiir dieses edlen Uuiversitätsprofessors gepocht. Gerade für unsere armen und kranken Glaubensbrüde -, mögen sie Wiener sein oder aus Ungarn, Mähren, Böhmen, selbst aus dem weiten Osten in die Ordination des Professors in die Universitätsstraße kommen, hat dieser große Gelehrte ein weites Herz. Er behandelt sie nicht nur unentgeltlich, sondern greift oft in die Tasche, um dem einen oder dem anderen Armen die Mittel zur Beschaffung der nötigen Medikamente, bzw. die Bahnspesen für die Rückfahrt in die Heimat zu geben. Seine Judenfreundlichkeit ist nicht zuletzt auch dadurch gekennzeiehet, daß er sich den im achten Wiener ü' - meindebezirk sehr beliebten jüdischen Arzt Dr. Ignaz W e r th e i m e r zu seinem Privatassistentcu gewählt hat. Einem alten Adelsgeschlecht entstammend, hat Professor Erwin Graff in seiner seltenen Bescheidenheit Hingst schon auf seinen Adelstitel verzichtet, bevor noch die österreichische Republik die Abschaffung des Adels zum Gesetz erhoben hat. Der Adel seines Herzens aber ist ihm geblieben und am Tage seines 50. Wiegenfestes, an dem ihm von so vielen Seiten große Ehrungen bevorstehen, wollen auch wir Juden mit einem Gebet uns anschließen: Möge dieses edle Herz noch lange, lange schlagen zum Segen aller, die Hilfe brauchen und zum Ruhme der medizinischen Wissenschaft. Josei ü r o b. Personalnachrichten. Der B u n d e s p r ä s i- <.! e i! t hat dein Kukusvorsteher Richard B eile i- 1» o i m. Prokurist des Bankhauses S. M. K o t hs c h i i d in Wien, in Anerker.iuin.u" seiner Verdienste am karitativem Gebiete das o I d e n e Ehre nj zeichen für Verdienste um die Republik, dem j Kultusvorsteher Albert Leicht, Seniorchef der \ Finna A. Leicht & Sohn, St. Pölten, den | Titel eines Kommcrzialrates mit Nachsicht J der Taxe verliehen- |!

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