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Die Wahrheit · 1929-12-20 · Heft 51 (20.12.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite U järtHtttolMSgjWI mauaamua liiitmnfflnwranwflWBfl rinttWTfflöhnirmm«« DIE WAHRHEi! wonach in Bälde die derzeitige Leitung der Zionistischen Weltorganisation zurücktreten und einer ganz neuen Leitung, eine Art ,Rertungs-Exekutive", Platz machen werde. Laut dem Vorschlage von Lord Rothschild und Lord Melchett soll die neue Exekutive aus Rothschild. Melchett, Pinchas Ruthenberg (Präsident des Waad Leumi), Wladimir Jabotinsky (ruhrer der Zionisten-Revisionisten) und aus dem Richter am Obersten Gericht der Vereinigten Staaten Louis Brandeis als Präsidenten bestehen. In einem Gespräch mit dem Czernowrtzer Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur erklärte der gegenwärtig in Czeruowitz weilende Präsident der Zionistischen Weltexekutive Nahum Sokolow die Meldung über die bevorstehende Bildung einer neuen Exekutive habe keinerlei reale Basis. Wafaiskandal in der Prager KuUusgemeinde. Die Repräsentanz der Präger Kultusgemeinde hat in ihrer letzten Sitzung mit einer Majorität vor» 18 zu 6 Stimmen den Beschluß gefaßt, die am 10 November durchgeführten Wahlen als u n g ü 11 i g zu erklären. Sic hat diesen Beschluß auf Grund des Antrages der Verifikationskommission gefaßt, welche e i n s t i m m i g zur Kenntnis gekommen ist, daß eine große Anzahl schwerer Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vorgekommen und daß insbesondere 864 W a h 11 e g i t i m a t i o n e n auf ungesetzliche Weise durch Kauf in die Hände Unbefugter gelangt sind, so daß das Resultat der Wahlen vollkommen verzeichnet ist. Was da im Prager jüdischen Rathaus nach dem Urteile der Verifikationskommission vorgekommen ist, überschreitet weitaus die Grenzen dessen, wogegen wir schon abgestumpft sind. Und daß diese Grenze gerade auf dem jüdischen Rathaus überschritten worden ist, ist gewiß kein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser altehrwürdigen Gemeinde. /Tmthehe uzJouAcuungm J«badißakm,/^iikigmäiutt1Cia% . jährzeitfeier. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages des sei. Oberrabbiners Prof. Dr. M. P. C h a j e s findet Samstag, den 21. d. M., um 4.45 Uhr nachmittags, im Seitenstettentempel die vom Vorstande der israel. Kultusgemeinde Wien veranstaltete Jährzeitfeier statt. Predigten in den israelitischen Geineindetempein. Freitag, den 20. Dezember 1929, werden bei dem um 4 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in folgenden Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XV1I1., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h tw a n g). Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 21. Dezember 1929, findet um 3 Uhr nachmittags, der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Wwb&Moiuwitenfüffik Wohtkeül Tümrt und Literatur Eine Mendelssohn-Medaille. Anläßlich des 200. Geburtstages von Moses Mendelssohn hat die staatliche sächsische Münze in Muldenhütten eine Erinnerungsmedaille geprägt. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. (11., Ferdimandstraße 23/8.) Montag, den 23. Dezember 1929, findet Im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashcf, eigener Eingang. Souterrain) ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Armin Abele s und Fräulein EdMh Abel es: „Vereinswesen und Vereinsleben im alten Judentum" statt. Beginn 3^8 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Schleidens Wissen um das Judentum. Das Bestreben des Vereines für jüdisch© Geschichte und Literatur, nicht nur die Kenntnis über alles, was in der Literatur unseres Volkes niedergelegt ist, sondern auch Ansichten namhafter nicfitjfüidischer Gelehrten über das Judentum in populärer Weise zu übermitteln, kam in trefflicher Weise im Vortrage des Herrn Medizinalrates Dr. Heinrich H a a s e, welcher am 9. ds. stattfand, zum Ausdruck. Hatte! die Wiener Judenheit erst unlängst das zweifelhafte Vergnügen, an die antisemitischen Ausfälle eines Billroth erinnert zu werden, so machte der Vortragende auf die höchst interessante Persönlichkeit Matthias Schleidens aufmerksam, der einer so seltenen Spezies von deutschnational-chauvinistischen Philosemiten und Judeinfreunden angehört. Schleiden, der 1859 Rektor der Jennenser Universität wurde und dem die botanische Wissenschaft die Einführung der Entwicklungsgeschichte in die Anatomie und Morphologie der Pflanzen verdankt — wird er ja auch „der deutsche Darwin" oder „der Darwin der Botanik" genannt —, hat sich in hervorragend erfolgreicher Weise der Publizistik gewidmet. Von dieser Art sind auch die Werke: „Die Pflanze und ihr Leben", „Das Meer", „Die Rose" und ferner diie beiden in Westermanns Monatsheften erschienenen Aufsätze „Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung der Wissenschaften im Mittelalter", und „Die Romantik des Martyriums der Juden im Mittelalter", mit welch letzteren sich der Referent hauptsächlich beschäftigte. Zunächst gab er einige Proben der extrem deutschnationaien, aber trotzdem universellen und demokratischen Gesinnung des großen Gelehrten wieder. Bei seinen Arbeiten 'über die Geschichte der Botanik hätten Schleiden die Werke Albrechts des Großen und Thomas von Aquino zu Aristoteles und den arabischen Philosophen geführt. Hierbei legte er sich die Frage nach den Vermittlungen der Schriften dieser großen Denker und so erkannte er die Bedeutung deir Juden für die Wissenschaft, die er in dem erstgenannten Aufsätze veröffentlicht hatte. Darin bezeichnet er das jüdische Volk als den Träger des reinen Monotheismus. Eben wegen der Reinheit des Gottesglaubens stellen die Juden das Sittengesetz und' seine Betätigung im Leben als eigentliche wahre Darlegung des religiösen Glaubens hin und halten daran fest. Ganz Europa hätte sein Mittelalter gehabt, nur die Juden machen hiervon eine Ausnahme. Schleiden würdigte auch die Leistungen der Juden für die Reformation. Sie wären die einzigen Lehrer für Hebräisch gewesen. Daher hätte es nie ohne Juden eine Reformation gegeben. Der Vortragende zeigte ferner, wie hoch Schleiden die Bedeutung der Juden auf dem Gebiete der Medizin schätzte. Darnach fuße die ganze moderne Heilkunde auf Forschungsergebnissen jüdischer Aerzte im Mittelalter. In1 seinen Angriffen gegen Billroths antisemitische Stellungnahme meint er, daß dieser die offenbare und ungeheure Bedeutung der Juden für die Medizin nicht kenne und daher nicht bedenke, daß es ohne die Juden vielleicht nie einen Professor B i M r o t h g ei g e b e n haben würde. Zu den Beschuldigungen des Riitualmordes und der Brannenvergiftung konstatiert er, daß es im Mittelalter am tollsten in Deutschland zuging, wo damals das Volk am rohesten und unwissendsten war. Man glaubte an Vergiftungen durch gar nicht existierendes BasiiWskenfleisch oder durch Eidechsen, die zwar nicht sehr appetitlich, aber ungefährlich sind. So beleuchtete der Referent in anschaulicher Weise die Verdienste Schleidens ums Judentum. Auch einige botanische Aufklärungen zur biblischen Terminologie habe Schleiden geliefert, unter anderem in seinem Werke „Die Rose" ein Kapitel „Das alte Testament und; die Rose", worin er die Bedeutung der hebräischen Bezeichnung Schoschana im Sinne von Lilie nachwies. An den überaus lehrreichen Vortrag ^schloß sich eine lebhafte Diskussion, in der zuerst Spitalsarzt

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