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Die Wahrheit · 1929-12-20 · Heft 51 (20.12.1929) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 JiimiiiiiiiminiimiimiiiiMiinimimuiiDra WAHRHEIT Die Frage des Schadenersatzes in Palästina. Im britischen Unterhause fragte Colone! Wedgwood, welche Vorbereitungen getroffen wurden, um die Juden in Palästina für den von ihnen während der Unruhen erlittenen Verlust an Leben und Eigentum zu entschädigen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. D-rummond Shiels erwiderte, es werde die Erfüllung von Ansprüchen auf Entschädigung erwogen, in klarliegenden Fällen sind bereits Vorschüsse auf die Entschädigungssummen ausgezahlt worden. Ein Mitglied der Arbeiterfraktion fragte, ob den Hinterbliebenen der während der Unruhen ums Leben gekommenen vier Christen und 83 Arabern ebenfalls Entschädigung geleistet werden wird. Dr. Shiels erwiderte, berechtigte Ansprüche auf Schadenersatz werden ohne Unterschied der Rasse1 und Religion erfüllt werden. Oberst Kenworthy fragte, ob man es nicht so einrichten wolle, daß die Kosten des Schadenersatzes von denjenigen getragen werden, die die Ausschreitungen begingen. Captain Crookshank und Sir Philip Cunliff-Lister (flandelsminister in der früheren Regierung Baldwin) drängten die Regierung, darauf zu antworten, ob der britische Steuerzahler die Kosten des Schadenersatzes tragen wird oder nicht. Eine Antwort erfolgte aber nicht. Dr. Leon Reich s. A. Im Alter von 50 Jahren starb kürzlich in Lemberg Sejmdeputierter Dr. Leon Reich. Das Begräbnis fand unter ungeheurer Beteiligung in Lemberg statt. Innerhalb der Zionistischen Weltorganisation spielte1 Reich eine hervorragende Rolle. In den letzten Jahren war er ein Anhänger der Weizmannschen Agency-Politik. Leon Reich gehörte zu den fleißigsten Mitgliedern des Zionistischen Aktions- Komitees. Als Führer der galizischen Zionisten erfreute sich Reich einer seltenen Beliebtheit. Seine Figur war geradezu für zionistische, aber auch allgemeine jüdische Tagungen in der ganzen Welt charakteristisch. Stets heiter, liebenswürdig, von ungewöhnlicher Vitalität, war er als Debatter und Erzähler beliebt. Auf dem Züricher Kongreß wählte man ihn in das Administrative Committee der Jiewish Agency. Die zionistische Exekutive Ostgaliziens hat in ihrer Trauersitzung beschlossen, ein Nationalhau s in Lemberg auf den Namen Dr. Reichs zu errichten. Chewra Kadischa, Wien I. Sonntag, den 15. d. M., hielt die „Chewra Kadischa I" im Festsaale des Hotels „Continental" ihre diesjährigen Generalversammlung ab. In Vertretung der israel. Kultusgemeinde Wien erschien Präsident Prof. Dr. Alois Pick, Ehrenmitglied der Chewra Kadischa. Präsident Dr. W. Pappenheim begrüßt die Anwesenden und stellt sodann die ordnungsmäßige Einberufung und Beschlußfähigkeit der Generalversammlung fest. Von einer Verlesung des Tätigkeits- und Rechenschaftsberichtes der letzten drei Jahre wird Abstand genommen, da derselbe den Mitgliedern zugeschickt wurde. An der Debatte, betreffend Rechenschaftsbericht, beteiligten sich die Herren Kommerzialrat Buchwald, Frommer, Börserat Glück, Löbl, Mandel, Klein und P1 a s c h k e s. Sodann wurde zur Wahl geschritten: Als Vorstandsmitglieder wurden die Herren: Sandor Adler, Franz Denes, Josef Dohan, Sigmund Ernst, Samuel Glückselig, Gustav O e s t - reicher, Paul Schwarzstein, Adolf Stern, Dr. Josef Ticho; als Revisoren die Herren: Kommerzialrat Heinrich Neurath, Kommerzialrat Moriz Reif einstimmig gewählt. Lehrlingsheim Zukunft. Zu Gunsten des Lehrlingsheimes Zukunft findet am 5. Jänner 1930 eine Vorstellung von „Die andere Seite" mit Alexander Moissi im Deutschen Volkstheater statt. Karten zu normalen Preisen im Lehrlingsheim Zukunft, auch telephonische Bestellung. Telephon A 16-3-23. Todesfälle. Die Mitbegründerin des Mädchen- und Frauenvereines „Krankenbesuch Bikkur Chaulim" und langjährige ehemalige Präsidentin desselben, Frau Rosa Stransky, die in stiller Zurückgezogenheit im israelitischen Versorgungshause lebt, hat nach Vollendung ihres 80. Jahres einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Ihr einziger Sohn, ein hochgeachteter Kaufmann, ist nach langer Krankheit im 53. Lebenjahre einem schweren Herzleiden erlegen. Seine liebevolle, treue Gattin teilt den Schmerz der gebeugten Mutter. Beide genießen die Teilnahme eines großen Bekanntenkreises, der sich beim Leichenbegängnisse kundgetan. — Am 15. Dezember verschied im 75. Lebensjahre Herr Simon W e s s e 1 y, Direktor der „Semperit Gummiwerke-A.-G." und langjähriges Vorstandsmitglied des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom" (II., Pazmanitengasse). Bescheiden und liebenswürdig als Mensch, treu und hilfsbereit als Freund, hat er sich die Liebe weiter Kreise, die Hochachtung und Verehrung aller, die ihm im Leben nahegestanden, erworben. Diese Beliebtheit kam auch bei seinem am 17. Dezember am Neuen Friedhof stattgefundenen Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Eine große Gemeinde von Verwandten und Freunden scharten sich um den schlichten Sarg und Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d schilderte in beredten Worte die Verdienste des bescheidenen edlen Mannes, der keinem Menschen je Unrecht oder nur die geringste Kränkung zugefügt, deshalb auch keinen Feind, sondern nur Freunde zurückgelassen. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor I. Müller mit großer Chorassistenz. H. Diejenigen Glaubensgenossen, die in L a i n z, S p e i s i n g, Mauer, Hetzendorf, Altmannsdorf und Umgebung wohnen und die ein Interesse an einem „Minjan" an Samstagen und Feiertagen hätten, werden ersucht, dies an Regierungsrat J. K r e p p e 1, Wien XIII., Wattmanngasse 102, bekanntgeben zu wollen. Linz. Samstag, den 4. Jänner 1930, findet im hiesigen Tempel beim Sabbatgottesdienste die Bar-Mizwafeier des Josef Spiro, Sohn des Herrn Salomon Spiro und der Frau Rosa Spiro, geb. Ehrlich, Altstadt 2, statt. Neunkirchen. An Stelle des vor einigen Monaten verstorbenen Oberrabbiners Dr. Reich in Baden, welchem seit Jahren die Besorgung der höheren religiösen Funktionen in der israelitischen Kultusgemeide Neunkirchen oblag, hat mit 1. November d. J. Oberrabbiner Dr. Heinrich Weiß aus Wiener-Neustadt diese Funktionen übernommen. Der J. Ak. V. Theologia hält im Wintersemester 1929/30 im Hörsaale der israel.-theol. Lehranstalt (Rabbinerseminar) folgende allgemein zugängliche Kurse ab: 1. Dr. Eisenstein: Talmud (ChiiMn); 2, Cand theol. et phil. Frostig H.: Talmud und Propheten; 3. Cand theol. et phil. Margulies S.: Neuhebräische Literatur; 4. Cand theol. et phil. Schönblum S.: Jore Dea; 5. Cand theol. et phil. Zikier: Talmud. Der Zeitpunkt der Vorlesungen ist an der genannten Anstalt zu erfragen. Künstlerabend. Zugunsten der S c hü 1 e ir ausspei s u n g an der jüdischen Volks- und Hauptschule, Wien IL, Malzgasse 16, veranstalten einige hervorragende Kantoren und Künstler Sonntag, den 29. Dezember d. J., präzise 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotiöl Continental, II., Taborstraße 2, einen Künstlerabend. Eine Reihe erstklassiger Kräfte, wie die Heriren: Oberkantoren F r ä n k e 1, Margulies, Müller und Weiß, sowie die Herren: Oskar Beregi, Dr. Robert Weiil (Homunkulus), Ernst Friedländer bürgen für ein sicheres Gelingen. Das israelitische Versorgungshaus, Wien IX., Seegasse, besitzt eine bescheidene Bibliothek, deren Bücher den Insassen des Heimes manch angenehme Erbauungsstunden bereiten. Es ergeht nun an edle Menschen die dringende Bitte, die Zahl der Bücher durch Bücherspenden zu vergrößern und so mitzuhelfen, daß den einsamen Menschen Unterhaltung und Freude wird.

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