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Die Wahrheit · 1929-12-20 · Heft 51 (20.12.1929) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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flflltimninnm^it™ Sehe U Union dentsfliösterr. Inden. Wakxkdte*vcm7^ U ■__• 1ir__I, CA„!-n- ^..^,-»1, nnnnavi-torr /4on *^ Heinrich York-Steiner sprach Donnerstag, den 12. d. M. irn Wissenschaftlichen Klub auf dem sehr gut besuchten 4. Sprechabend der „U n i o n" über die Entstehung seines Buches „D i e Kunst, als Jude zu leben". Er schilderte, wie er, der während des Weltkrieges in Bern im Dienste der amerikanischen Botschaft ehrenamtlich wirkte, nach Beendigung des fürchterlichen Ringens das Judenleid aus persönlicher Erfahrung kennenlernte, da zu jener Zeit nach Bern die Berichte über die furchtbaren Pogrome in Osteuropa zugleich mit flehenden Hilferufen kamen. Er nahm damals den Anlaß wahr, in öffentlicher Versammlung Darlegungen über die Judenfrage zu bieten, erkannte aber, daß es notwendig sei, diese Frage von allen Seiten historisch und wissenschaftlich zu beleuchten. Dieser Aufgabe widmete er, aus dem nach dem Weltkriege still gewordenen Bern nach Wien heimgekehrt, seine ganzen Kräfte und so entstand sein Buch. Der Hauptgedanke dieses Buches ist der, daß wir Juden Opfer der Minderzahl, nicht der Minderwertigkeit sind und daß wir oft zu Unrecht den Gedanken der Minderwertigkeit von unseren Gegnern übernehmen. Durch unser Verhalten können wir unser Minderheitsschicksal ändern, indem wir uns immer vor Augen halten, daß diese Stellung als Minderheit uns verpflichtet. Diese beiden Grundgedanken, durch reiche persönliche Erfahrung und durch viel historisches und wissenschaftliches Material belegt, ziehen sich durch das ganze Werk, dessen einzelne Kapitel der Autor eingebend besprach, wobei er besonders markante Stellen aus dem Buche selbst zitierte. Reicher Beifall lohnte seine interessanten Ausführungen, an die der Vorsitzende, Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n, mit dem Bemerken anknüpfte, daß auch in der „Union" die Sentenz vorherrsche, die Juden zu einem Verhalten zu veranlassen, das ihnen in den Augen der Umwelt eine geachtete Stellung verschaffe. Regierungsrat Dr. Max Lenk, dessen Wirken als österreichischer Presseattache in Bern Herr Heinrich York-Steiner in seiner Einleitung gebührend gedacht hatte, sprach ihm den Dank aus, den wir Oesterreicher, Juden und Christen, ihm für seine Tätigkeit nach dem Kriege schulden, da Haß und Entfremdung die Völker entzweiten, Elend und Not aber die Hilfe des Auslandes notwendig machten. In dieser Zeit hat sich Herr Heinrich York-Steiner große Verdienste um Oesterreich erworben, da er, dem leichter als unseren amtlichen Funktionären der Weg zu den feindlichen Diplomaten gelang, mit ihnen Verhandlungen zwecks Linderung dieses Elends gepflogen hat, die bei seiner Beliebtheit stets zum Erfolg führten. Der Boykott in Palästina. Der Terror der arabischen Boykottagitation dauert fort. Araber, die in jüdischen Geschäften einkaufen, erhalten Drohbriefe, die mit „Schwarzer Hand" unterschrieben sind und in denen ihnen schärfste Repression für den Fall des Weiterkaufer.s bei Juden angedroht werden. Die jüdischen Kaufleute in Jerusalem klagen über verschärften Boykott-Terror, der es bewirkt, daß nunmehr auch arabische Käufer, die bis jetzt durch die Boykott-Propaganda sich nicht beeinflussen ließen, ausbleiben. Der Jaffaer Magistrat, der beschlossen hat, die Ruthenbergschen Elektriiztätswerke zu boykottieren, hat nunmehr auch beschlossen, die Stadt durch Luxlampen beleuchten zu lassen, obwohl festgestellt wurde, daß diese Art Beleuchtung viel teurer als die Beleuchtung durch Elektrizität zu stehen kommt. Exkaiser Wilhelm und Dreyfus. Der Berliner Theaterd'Lrektor Max Samst teilt der Presse mit, daß er beabsichtige, das Theater in der Stadt (Kommandantenstraße) zu pachten, um dort das Schauspiel „Kapitain Dreyfus" von Okonkowsky zur Aufführung zu bringen. Dieses Stück wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten an vielen Bühnen gespielt. Direktor Samst wollte es am Ostend-Theater Ln Berlin zur Aufführung bringen, es wurde aber auf Befehl des Kaisers Wilhelm II. vom Berliner Polizeipräsidenten Windheim verboten. In einer Unterredung, die Samst damals mit dem französischen Botschafter hatte, bat ihn dieser, von der Aufführung des Stückes abzustehen. Samst aber appellierte beim Bezirksausschuß und erreichte eine Aufhebung des Verbotes. Der Polizeipräsident aber legte, wieder auf Geheiß des Kaisers, Berufung ein. Der Prozeß kam nicht zur Entscheidung, die Sache versandete, und Direktor Samst hatte, nachdem sich inzwischen auch das Interesse für Dreyfus gelegt hatte, kein Interesse an dem Schauspiel mehr. Er glaubt, daß das Stück heute beim Publikum auf einen Erfolg rechnen kann. Ein mildes Urteil. Der Senat der Berliner Universität verhandelte jüngst unter dem Vorsitz des Rektors Erhard Schmidt in dem Disziplinarverfahren gegen die Vorstandsmitglieder der „Allgemeinen Deutschen Studentenschaft", die für die Absendung eines respektlosen Ultimatums an den Rektor und für die darauffolgenden stark antisemitisch betont gewesenen Krawalle in dem Gebäude der Universität verantwortlich sind. Das Urteil fiel sehr mild aus. Die Studentin von Ploetz wurde mit der Unterschrift unter das Consiiium abeundi (Androhung der Entfernung von der Universität) bestraft. Das Verfahren gegen das Vorstandsmitglied Busse ist eingestellt worden, da man ihm nicht nachweisen konnte, daß er von dem an den Rektor gerichteten Ultimatum Kenntnis hatte. Der stud. jur. Hoppe, der erste Vorsitzende der Allgemeinen deutschen Studentenschaft, konnte nicht zur Verantwortung gezogen werden, da er nicht mehr Mitglied der Universität ist (sein Reimmatrikulierungsgesuch wurde wegen Mangels an Fleiß seitens des Ansuchenden abschlägig beschieden). Man darf füglich bezweifeln, ob die Entscheidung des Senats geeignet ist, für die Zukunft ähnliche Vorgänge zu verhindern. Schundliteratur aus Reichsmitteln. Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft, die vom deutschen Reichshaushalt subventioniert wird, teilt mit, daß sie Professor Schemann, dem Verfasser des zweibändigen Werkes „Die Rasse in den Geisteswissenschaften" wegen seiner mit Wissenschaft nichts zu tun habenden Feststellungen in dem Kapitel „Juda und Rom" und „Die Herrschaft der Minderwertigen" das ihm für Forschungsarbeit verliehene Stipendium entzogen hat. Keine zionistische „Rettungs-Exekutive" Die Warschauer Tageszeitung „Hajnt" brachte eine Mitteilung ihres Jerusalemer Berichterstauers Herrn Triwaks, KLEIDERHAUS SCHACHTER XII., MEIDL. HAUPTSTR. 26-TELR 31 3 76 Größte Auswahl in fertigen Htenrem- und Knabenhleidern in besterQuaiität jm* Eisrene Werkstatte für feine Mafi arbeit.

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