Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i So endete das letzte autonome jüdische Staatswesen in Arabien. Als im nächsten Jahrhundert die Araber siegreich in Spanien vordrangen, fanden sie bei den Juden werktätige und eifrigste Unterstützung. Eine große Frau. Die Sprache, die diesen Begriff noch nicht so recht rezipiert hat, wird sich an ihn gewöhnen müssen. „Großer Mann" — ja, das ist recht üblich; warum soll es nicht in demselben Sinne auch „große Frau" heißen? Jetzt, wo die Frauen sich in allem betätigen und auch auszeichnen, was früher des Mannes Domäne war. Nennt doch übrigens schon die Bibel die Sunnamiterin, die den Propheten Elischa so hoch in Ehren hielt, eine große Frau- Frau Rebekah K o h u t nun, von der hier gesprochen werden soll, die warme und erfolgreiche Verfechterin aller Rechte nicht nur des jüdischen Volkes, sondern auch des jüdischen Glaubens, verdient in hohem Grade diesen biblischen Namen. Früher war sie nur als Wohltäterin, als Lehrerin, als schützender Engel der großen jüdischen Massen in der „Ostseite" von New York tätig; im Kriege und besonders nach dem Kriege umfaßt bereits ihre Tätigkeit die ganze jüdische Welt. Sie mochte sich denken, und das mit Recht, daß die reichen Erfahrungen, die sie sich zeitlebens gesammelt hat, die Bekanntschaft und Aussprache mit vielen bedeutenden Männern und Frauen der Zeit, die Art und Weise ihrer Tätigkeit, wie sie da hilft und dort lehrt, wie sie dem einen Moral predigt und dem anderen ins Gewissen redet, wert sind, der Nachwelt aufbewahrt zu werden, und so hat sie im Jahre 1925 „My Portion" als ihre Autobiographie geschrieben, das sie jetzt ergänzt mit dem feinen Buche „As I know them" (Wie ich sie kenne), in welchem sie sozusagen ihre Memoiren niederlegt. Die Frau ist nicht mehr jung, wie sie selber des öfteren versichert, und so kann sie, ihre Kindheit mitgerechnet, auf die Ereignisse von gut vierzig Jahren zurückblicken, Ereignisse, deren Zeugin sie war oder in die sie eingriff. Wie bunt aber, wie mannigfaltig, wie lehrreich auch sind die Bilder, die sie uns in ihrem Buche vorführt, und wie sie sie vorführt, in pointierter urwüchsig amerikanischer Sprache, die nur so strotzt von geistreichen Wendungen und von abgeklärter Weisheit! Wer dieses Buch mit Aufmerksamkeit liest, wird nicht nur über die Juden New Yorks und anderer amerikanischer Städte belehrt, sondern wird fast einbezogen in die Vertrautheit und edle Jüdischkeit des Kohutschen Hauses selbst, in welchem seit Jahrzehnten eine Schar erlesener Geister sich ihr Stelldichein geben. Durch weite Reisen, die sie gewöhnlich in Begleitung ihres Stiefsohnes George Alex. Kohut macht, hat sich dieser Kreis unendlich erweitert. Ich muß sie nicht weiter vorstellen, diese große Frau. Sie ist auch in Wien bekannt, war sie doch im Jahre 1923 Vorsitzende des jüdischen Frauenbundes, der damals hier tagte, und kommt sie doch auch sonst fast alljährlich nach Wien, wo ihr gemeinnütziges Wirken sehr bemerkt wird. Dem- Ungarische Mastgänse S 3-20 Mährische Lebergänse „ 3-40 Gansfett kg „ 4-— Geräucherter Gansbiigel per Stück S 3.— „ Gansbrust „ „ „ 7— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döblinger Hauptstraße 88 gemäß spricht sie auch in ihrem neuesten Buche viel über Wien, in dessen jüdische Verhältnisse sie genau eingeweiht ist, war doch kein geringerer als der verstorbene C h a j e s ihr Freund und Berater! Und abgesehen von Momenten, wo sie über Verstorbene klagen muß, fließt ihre Rede fröhlich und gemütlich dahin, denn sie ist eine große — Piauscherin! Dies ist nämlich ihr Scherzwort, denn die Frauen im Geschlechte Bettelheim — sie ist eine geborene Bettelheim in Ungarn — sind große Plauscherinnen. Sie ist stolz auf diese Familienzusammenhänge wie nicht minder auf die des großen Gelehrten Alexander Kohut, dessen Witwe sie ist und dessen Andenken und Ruhm sie getreulich bewahrt und mehrt. Um so mehr kann sie bitter böse sein, wenn Juden fahnenflüchtig werden oder auch nur ihren Namen ändern. Darüber erzählt sie in diesem Buche so manch köstliche Anekdote. Weil sie aber gar so eine große „Plauscherin" ist, so predigt sie nicht nur Moral, so streitet sie nicht nur um die ewigen Wahrheiten und Vorzüge des Judentums, sondern sie hat es gewagt und wagt es jetzt noch, sich auch in politischen Reden an das Volk zu wenden, und indem sie an sich selbst die Wandlung wahrgenommen hat, daß eine Frau hinaustritt aus der stillen aber engen Häuslichkeit, findet sie auch warme Worte für die Verteidigung der modernen Frauenbewegung. Denn diese Frau, die so sehr festhält an dem alten Stamme Israels, hat auch Sinn und Verständnis für all seine modernen Lebenserscheinungen, nicht zuletzt auch für einen geregelten ästhetisch schönen synagogalen Gottesdienst, in betreff dessen sie z. B. rät, daß mau endlich mit der Verbannung der Frauen in die „Weiberschul" brechen möge. Eine große Frau spricht da zu uns; sie verzeichnet ein großes Stück Geschichte, w i r aber verzeichnen mit starker Ueberzeugung, daß sie selbst Geschichte gemacht hat. Professor Dr. Samuel Krauß. Die wirtschaftlichen Folgen der Unruhen in Palästina. Von Dr. Kurt G r u n w a 1 d, Tel-Aviv. Es ist nicht uninteressant zu versuchen, eine Uebersicht über die direkten und indirekten, nicht immer klar erkennbaren Folgen der Unruhen in Palästina zu gewinnen. Als direkte Folgen sind Zerstörungen von Häusern und Personaleffekten durch Brandlegung und Raub sowie die Verbrennung der Ernten zu betrachten. Dieser Gesamtschaden kann auf zirka 250.000 engl. Pfund veranlagt werden. Zum Teil wird dieser Schaden durch die Entschädigung der Regierung gutgemacht, zum Teil wird auch der von den Juden in aller Welt gesammelte Reconstruction Found, dessen Einnahmen auf zirka 450.000 engl. Pfund geschätzt werden können, hier eingreifen. Die Wiederaufbauarbeit wird vielerlei Problemen zu begegnen haben, wie z. B. der Frage, ob man nicht gewisse, nicht so rentable Wirtschaften an einen besseren