Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064197-3064246--17691-3087815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Di£ WAHRHEIT ****** Seite 5 Mohammed gegen selbständige Judenstaaten. Der heftige Widerstand, den die Araber in diesen Tagen der Gründung und dem Aufbau eines neuen Judenstaates entgegensetzen, weckt die Erinnerung an die Kriege, die schon Mohammed gegen selbständige jüdische Staatswesen in arabischer Umgebung gerührt und mit der Zerstörung dieser Judenstaaten beendet hat. Das Verhalten Mohammeds zu den Juden zeigt eine charakteristische Parallelität mit dem Luthers. Beide Religionsstifter waren in ihrer Jugend den Juden freundlich gesinnt. Als sie aber erkannten, daß die Juden von dem neuen Glauben nichts wissen wollten, sondern „halsstarrig" an dem ihrer Väter festhielten, wich die Sympathie glühendem Hasse. Die Judenfreundschaft des jungen Luther beruhte wohl auf dem Einfluß seiner humanistischen Erfurter Lehrer, die ja in der Pfefferkorn-Affäre wacker für die sittliche Reinheit des verleumdeten jüdischen Schrifttums eintraten. Der junge Mohammed dagegen hatte auf seinen Geschäftsreisen Fühlung mit jüdischen Kreisen genommen und bei diesem persönlichen Kontakt die moralische Ueberlegenheit des jüdischen Glaubens über den Götzendienst seiner arabischen Volksgenossen erkannt. Wahrscheinlich war es diese Erkenntnis, die den Keim zu seiner Eingebung, als religiöser Reformator unter sein Volk zu treten, gelegt hat. Wie hoch er das Judentum geschätzt hat, verrät sein Koran, als Mohammed bereits den Juden Fehde angesagt hatte: Die Juden werden dort „Inhaber der Schrift" genannt. Zu der Zeit, als Mohammed noch höhte, die vielen in Arabien wohnenden Juden dem Islam zu gewinnen, bestimmte er ihnen zu Gefallen die Stadt Jerusalem zur „Kibla", d. h. zu demjenigen Punkte, nach dem man beim Gebete das Gesicht wenden müsse. Er gestattete die Beibehaltung mancher mosaischen Vorschriften und beobachtete sogar selbst den jüdischen Versöhnungstag. Da er aber durch all dies nur wenige Juden gewann, änderte er seine Taktik: Die Kibla ward nach Mekka gerichtet und statt des jüdischen Versöhnungstages wurde der Monat Ramadan zur Fastenzeit bestimmt. Auch erließ er das Gebot des Krieges gegen alle „Ungläubige ir. Zwar wandte sich dieses Gesetz zunächst gegen die Kurei'schiten; als aber diese in der Schlacht bei Bedr (624) geschlagen waren, wandte sich Mohammed im Begeisterungstaumel seines ersten bedeutenden Sieges gegen einen jüdischen Stamm, der in der Nähe von Medina angesiedelt war. Es gelang ihm, die Angegriffenen völlig zu besiegen, ihnen alle ihre Habe zu rauben und sie selbst nach Syrien zu verjagen. Als hierauf einige Niederlagen, die ihm die Kurei'schiten beibrachten, seinen Kriegsruhin arg schädigten, suchte er den verblaßten Glanz seiner Waffen durch einen Ueberfall auf einen jüdischen Stamm wieder aufzufrischen. Die jüdischen Festungen hielten sich aber lange Zeit und erst als Mohammed das seitdem für seine Anhänger be- UFA-TON-KINO! Wien II., Taborstraße 8 - Tal. II 42-3-41 AD nittwoA vraaffunrana der erste Ufa-Ton- und Sprechfilm der Erich Pommer- Produktion Melodie des Derlens Hauptdarsteller: Dlta Paria and WUla misch Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Sonn» und feiertags: ab 4 Uhr stehende Verbot des Wein trink ens erließ, konnte er die geschwächten Verteidiger überrumpeln. Hierauf hatte er selbst eine dreimonatige Belagerung durch die Kurei'schiten auszuhalten. Kaum waren diese unverrichteter Dinge abgezogen, brach Mohammed auf, um den jüdischen Stamm der Beni Koreida, der den Kurei'schiten Waffenhilie geleistet hatte, zu züchtigen. Er besiegte ihn, ließ alle jüdischen Männer, 700 an der Zahl, töten und ihre Frauen und Kinder zu Sklaven machen. Dieser Eifer, allen in Arabien noch vorhandenen unabhängigen jüdischen Gemeinschaften den Garaus zu machen, beruhte keineswegs ausschließlich auf religiösem Fanatismus. Mohammed lockte ganz bestimmt auch die reiche Beute, die ihm dabei in den Schoß fiel. Das beweist am besten sein Zug gegen die jüdische Stadt C h e i b a r. Wahrend zu den oben geschilderten früheren Feldzügen Mohammeds gegen jüdische Stämme immer Anlässe vorhanden waren, wie sie immer und überall gefunden werden, wenn es gegen die Juden geht, kann für den Krieg gegen Cheibar auch beim besten Willen keine andere Ursache angegeben werden, als der Reicht u m dieser Stadt. Es lagen dort viele Schätze aufgehäuft und die ganze Umgebung zeichnete sich durch üppigste Fruchtbarkeit aus, die durch sorgfältige Pflege des Bodens noch erhöht worden war. An der Spitze von zwölfhundert Fußsoldaten und zweihundert Reitern, die von bewährten Führern befehligt wurden, brach Mohammed dorthin auf. Er richtete zunächst seinen Angriff gegen die geringer befestigten Schlösser der Gegend, die schnell in seine Gewalt gelangten. Dagegen leistete Cheibar selbst, das stark mit Außenwerken befestigt war, lange Zeit tapferen Widerstand. Erst als die bedeutendsten Führer der Juden gefallen waren, übergaben die heldenmütigen Verteidiger die Stadt. Die Juden behielten Haus und Hof, mußten aber fortan jährlich die Hälfte ihres Einkommens als Tribut entrichten und sich verpflichten, sobald es verlangt werde, aus Arabien auszuwandern. Zwei jüdische Frauen von Cheibar wurden von Mohammed unter seine Gemahlinnen aufgenommen. Die eine von ihnen wußte diese Ehre offenbar nicht genug zu würdigen, denn sie versuchte Mohammed zu vergiften. Da er jedoch beim ersten Bissen das Gift bemerkte, erklärte sie reumütig, daß sie ihn nunmehr für einen Gottgesajidten halte.