Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Union dcufsdiösferr. Juden. Der zweite Sprechabend der „Union" fand Donnerstag, den 14. d. M. im Wissenschaftlichen Klub, unter dem Vorsitz des Präsidenten der „Union", Herrn Dr. Jakob 0 r n s t e i n, statt, der in seiner Einleitung den Referenten, Herrn Hofrat Dr. Adolf Drucker, herzlichst begrüßte. Dessen ausgezeichneter Vortrag über „Geldmacht und Weltmach t" war der Untersuchung des Problemes gewidmet, ob die Macht des Geldes geeignet ist, die Weltmacht zu erobern. Nach einer glänzenden historischen Darstellung der Einflußnahme des Goldwertes, respektive des Goldes auf die Politik und auf die Geltung im Staate und in der Welt, nach eingehender Untersuchung der Machtstellung einiger sehr reicher Staaten in der Welt, kam der Redner zu dem Ergebnis, daß nicht der Besitz des Goldes imstande sei, die Weltmacht zu bedeuten. Die Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart habe immer wieder den Beweis geliefert, daß der Macht des Kapitalismus sich unbedingt Mächte entgegenstellen, die die unumschränkte Herrschaft des Kapitalismus einschränken und in manchen Fällen so weit beeinflussen, daß trotz enormer Goldschätze eines Landes gerade von jenen Gruppen die Macht ausgehe, die den Kapitalismus bekämpfen. Der Redner verwies insbesondere auf die Vormachtstellung Amerikas auf dem Geldmarkte. Amerika hat nach dem Kriege mit seinen ungeheuren Reichtümern, die es während des Krieges aus Europa gezogen hatte, ganz Europa befruchtet, hat aber trotz dieser unerreichten Dotierung keine ideelle Machtstellung in Europa erreicht, was insbesondere schon dadurch augenscheinlich wird, daß Amerika dem Völkerbund nicht angehöre. Schließlich befaßte sich der Redner mit der Stellung der Juden zur Frage der Geidmacht und der Weltmacht. Er kam zu dem Schlüsse, daß die Juden gemäß ihrer besonderen geistigen Schulung immer imstande gewesen seien, die Idee der kapitalistischen Wirtschaftsordnung auszubauen und zu popularisieren und das Kapital der Wirtschaft dienstbar zu machen, ohne daß gerade in ihren Händen die Macht des Kapitals vereinigt gewesen wäre. Diese Tatsache hat sogar Henri Ford, der wohl nicht als Judenfreund anzusehen ist, in seinen Schriften zugegeben. Diejenigen, die glauben, Geldmacht sei Weltmacht, sind in einem Irrtum befangen, diejenigen, welche das Kapital. durch ihre Ideen zur Rationalisierung der Wirtschaft verwendet haben, sind es, die von der Geldmacht den richtigen Gebrauch gemacht hatten. Nach diesen glänzenden Ausführungen, denen lebhafter Beifall folgte, ergriff Herr Regierungsrat Dr.H.O p p e n h e i m das Wort und führte ungefähr folgendes aus: Jeder Unternehmer, der kapitalistisch eingestellt sei, könne nur dann der Wirtschaft fördernd sein, wenn er von dem Prinzipe ausgehe, daß er ebenso wie seine Arbeiter Diener der Wirtschaft sei. Nur derjenige sei ein Förderer der Wirtschaft, der den Mehrwert seines Unternehmens immer wieder dem Unternehmen selbst zuführe, neue Arbeitsmöglichkeiten schaffe und seine Arbeitsstätten vergrößere. Jeder andere, der den Mehrwert seines Unternehmens nicht wieder der Wirtschaft zuführt, ist ein Schädling der allgemeinen Wirtschaft und wird mit Recht von der Sozial- ' Seit« 13 demokratie bekämpft. Gegen diejenigen Unternehmer, welche die Errungenschaften ihrer Wirtschaft wieder dem Unternehmen zuführen, könne sich unter keinen Umständen der Kampf der Sozialdemokratie wenden. In Europa hatte vor dem Kriege der Kosmopolitismus eine Vormachtstellung, auch Oesterreich war vor dem Kriege einer derjenigen Staaten gewesen, welcher — wohnten doch in Oesterreich die verschiedensten Nationen — eine kosmopolitische Wirtschaft betrieb. Diese Wirtschaft wurde in Europa durch den Weltkrieg zerstört, der Nationalismus erhebt nun nicht zum Vorteile der Wirtschaft sein Haupt, und es müsse wieder eine Zeit kommen, in der die Wirtschaft losgelöst von allen Hemmungen nationaler Ideen einzig und allein zum Wohle der Gesamtheit sich frei entwickeln könne. Zum Schlüsse beschäftigte sich der Redner mit der Stellung der Juden zum Kapitalismus. Zwei Vorwürfe werden von unseren Feinden gegen uns Juden erhoben. Den Juden wird vorgeworfen, daß sie die Träger des Kapitalismus seien, und gleichzeitig zum Vorwurf gemacht, daß sie die Führer der antikapitalistischen Bewegung, sogar des Kommunismus und Bolschewismus wären. Die Lösung des Rätsels sei darin zu suchen, daß die Juden sich jeder geistigen Bewegung anschließen, Herz für die Entrechteten und Verständnis für die Idee des Kapitalismus hätten. Dieser zweiseitige Vorwurf führe immer wieder zu dem allbekannten Schlüsse, daß die Juden durch ihre geistigen Fähigkeiten es verstehen, aus jeder wirtschaftlichen Bewegung die Idee herauszuschälen, um sie den Interessen der Allgemeinheit nützlich zu machen. Reicher Beifall lohnte diese bemerkenswerten Ausführungen, denen Herr Präsident Dr. Jakob O r n s t e i n ein interessantes Schlußwort folgen ließ. Union tieufscnösterreicuisclier Jaden 3 Wien IX., Berggasse 4 — Tel. A 19-2-77 C1NEADVNO zu dem am Dienstag, den 26. November, 8 Mir abends, im Wissenschaftlichen Iflnb, ¥!., Oelreldemarhi Nr.? (Eingang vi., Drelhnlelsengasse Nr. i) stattfindenden 3. Sprechabend der „Union" Reg.-Rat Dr. Max Lenk: „diis müssen die deutsciiSsterrelemschen Juden uon der Preßreform oerlonsen?" 5 Anschließend Diskussion Gäste willkommen 1 Das Präsidium der Union deiatsmosterrelfnlsdier Jaden4 llnWfltTOfäO Donnerstag, den 12. Dezember ■ VUiUIUcIgls spricht im Wisseiisdrattttdien ■ Klnb Heinrich Yorh-Sfeiner 5 über die Entstehung seines Buches: ■ „Die Kunst als Jade zo leben" ■ dsr Union'