Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 DIE WAHRHEIT Van, Wecke, zu IDoek* c Universitätskurse über Ursprung des Antisemitismus. Die Verwaltung der Universität inSmolensk hat beschlossen, mit Beginn dieses Lehrjahres spezielle Kurse über Geschichte und Ursache des Antisemitismus einzuführen. Das Studium des Antisemitismus soll die Studenten mit dem nötigen RüstzeugzurBekämpfung dieser Volksseuche versehen. Wien zur Nachahmung empfohlen! 70. Geburtstag. Herr Adolf Braunfeld, Oberkantor und Gemeindesekretär i. R. (VIII., Blindengasse 29), feiert am 27. d. M. seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlichst. Der Mädchen- und Frauen-Verein ..Krankenbesuch" (Bikur Chaulim) veranstaltete am 3. d. M. im „Hotel Continental" eine Wohltätigkeitsjause mit Vorträgen, welche auch von materiellem Erfolg begleitet war. Den Glanzpunkt bildeten die ausgezeichneten Gesangsvorträge des Herrn Oberkantor Rosen wald vom Tempel Ohel Abraham, IX„ Grüne Torgasse. und der Opernsängerin Frau Ingenieur Paula Steiner. Herr Anton Rudolf vom Josefstädter Theater, Fräulein Rozsi Länczi, Fräulein Trude Godwin and die Kinder-Tanzgruppe der Frau Palm6 ernteten ebenfalls begeisterten Beifall. Die nächste Jause findet am 8. Dezember ebendort statt. Das Maimonides-Instltut hat am 6. d. M. seine Vorlesungen an der Universität (Hörsaal 37) eröffnet. Rabbiner Dr. Kaminka besprach einleitend das reichhaltige Programm der für das Wintersemester in Aussicht genommenen Vorträge, die zunächst der Bibelforschung gewidmet sein sollen. Laien. Bibelkenner, auch solche der Exegese sollen Wissenswertes erfahren. Der Vortragende besprach die Benennungen „Bibel". ..Heilige Schrift", die Zahl der früher und später darin enthaltenen „Bücher" und deren Reihenfolge, erklärte das erste Kapitel der Genesis als einen dichterischen Abschnitt für sich allein, den man allenfalls dem Psalm 104 gegenüberstellen kann, und wies auf die Notwendigkeit hin, Dichtung und Erzählung in der Bibel auseinanderzuhalten. Wellhausens kritische Studien sind durch Einführung moderner Methodik wertvoll gewesen, haben jedoch stark übers Ziel geschossen, was durch neueste Forschungen und Funde nach Ausgrabungen erwiesen ist: so hat man Briefwechsel morgenländischer Fürsten aus der Zeit Abrahams zu Tage gefördert, welche die Annahme strikt widerlegen, es hätte in der Zeit Mosis noch keine Schrift gegeben. Auch könne man viele Stellen in den Propheten nur dann richtig verstehen, wenn man sie als Zitate von Aussprüchen Mosis deutet, was aus bestimmten Redewendungen ersichtlich ist. Interessant war auch der Beweis, daß u. a. der Ausdruck: „Alter und Neuer Bund" — altes und neues Testament — zuerst von Paulus in den Corinther-Briefen erwähnt, aus dem 30. Kapitel von Jeremias stammt, wo vom „heiligen Bunde" die Rede ist: auch andere Redewendungen der Evangelien wurden auf alttestamentlicbe Ouellen zurückgeführt Hoffentlich werden diese und die anderen Wissenschaften, respektive deren Pflege, nicht durch unliebsame Sperrmaßnahmen gedrosselt! Med.-Rat Dr. H. Haase. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien, II., Ferdinandtraße 23/8. Montag, den 25. November 1929, findet im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Ludwig Bato: „Die jüdische Kultur der Renaissance in Italien." Beginn ^8 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen! Linz. Der jüdische Frauenverein widmete der verstorbenen Präsidentin, Frau Marie Heller, einen Grabstein, dessen feierliche Uebergabe an die Chewra am 17. d. M. am hiesigen Friedhofe erfolgte. An der schlichten, aber würdigen Feier nahmen teil: Das Präsidium des Frauenvereines mit der Präsidentin, Frau Tandler, an der Spitze, der Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde unter Führung des Präsidenten Herrn B. Schwager und des Tempelvorstehers Herrn Theodor K1 e i n, der Vorstand der Chewra Kadischa, dessen Obmann durch Herrn S. S p i r a vertreten war u. v. a. In einer inhaltsreichen Rede würdigte Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. V. K u r r e i n die Verdienste der Verewigten, die sich besonders während des Krieges der Kriegsgefangenen und internierten Glaubensbrüder und -Schwestern wärmstens annahm. Herr Oberkantor B. Löwensohn sang das „Schiwisi" und „EI mole rachamim" mit klangvoller Stimme. Erwähnt sei, daß der seinerzeitige Festungssanitätschef von Przemysl, Oberstabsarzt Dr. Schönbaum, ein Bruder der Verewigten war. An unser« p. t Abonnenten! Eine bedeutende Zahl unserer Abonnenten ist mit der Zahlung der Abonnementsbeträge im Rückstände, daß dadurch die Führung unseres Blattes erschwert erscheint. Es ergeht daher an dieselben, auch in dieser Form, das dringendste Ersuchen, die rückständigen Abonnementbeträge sofort zu überweisen. Die Administration. Der Verein „Mathilde", zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder, mit dem Sitze in Wien IL, Große Sperlgasse 41, Cafe Buchsbaum, bekleidet heuer zu Chanuka 100 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Gesuche werden bis zum 2. Dezember 1. J. angenommen. Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Freitag, den 22. November 1929, werden bei dem um 4 Uhr 15 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in folgenden Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang); XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 23. November a. c, findet um 3 Uhr nachm. der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Konzert. Bei einem Orchesterkonzert im großen Konzerthaussaal hörte man den Cellisten Ernst Friedländer das Konzert von Saint-Säens spielen. Er interpretierte das überaus schwierige Werk mit virtuoser Technik, schönem, großen Ton und seelenvollem Ausdruck. Der junge Künstler, der lebhaft gefeiert wurde, wird gewiß seinen Weg machen. h. g. KuoicImcBClftBBs&g. In der heute abgehaltenen Generalversammlung der Aktionäre der gefertigten Anstalt wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Fusion mit der Allgemeinen österreichischen Boden-Credit-Anstalt derart durchzuführen, daß gegen je 4 Aktien dieser Anstalt mit laufenden Kupons eine Aktie der Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1930 gewährt wird und zu diesem Bebufe das Grundkapital der letzteren von Nominale S 85.000.000.— auf Nominale S 96.000.000.— durch Aus. gäbe von 275.000 Aktien zum Nennwerte von ie S 40.— mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1930 zu erhöhen; 2. Das Grundkapital weiters von Nominale S 96.000.000.— auf Nominale S 125.000.000__durch Ausgabe von 725.000 voll und bar einzuzahlenden Aktien zum Nennwerte von je S 40.— mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1930 unter Ausschluß -des Bezugsrechtes der bisherigen Aktionäre zu erhöhen; 3. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen zu genehmigen; 4. Die Fusion mit der Bankanstalt der Ersten österreichischen Spar-Casse durchzuführen: 5. Die Zuwahl der Herren Dr. Paul Hammefschlag. Eugen Kublnzky. Dr. Otto Petschek und Josef Vinzl in den Verwaltungsrat zu bestätigen. Wien, am 14. November 1929. OESTERREICHISCHE CREDIT-ANSTALT FÜR HANDEL UND GEWERBE