Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 47 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 komitee gesammelt wurden, zur Gründung einer großen Schöpfung dienen sollte, die In der Verwaltung des Jlschuw stehen sollte und sich mit großen Aufbauarbeiten auf dem Gebiete der Landwirtschaft, des Gewerbes und des Handels befassen sollte, gewaltige Entrüstung. Seit Jahren wird, eine solche Gründung erwartet und die Verwunderung über die zionistische Leitung ist ungeheuer, daß diese günstigste Gelegenheit versäumt wird. Man teilt uns mit, daß diese Gruppen mit aller Macht gegen dieses Projekt auftreten werden, welches geeignet ist, jeden Weg für eine wirkliche Aufbauarbeit abzuschneiden. „Der Moment" (nationalistisches Blatt, Warschau). Nr. 256, vom 5. November 1929, schreibt folgendes: Wilna, 4. November (telephonisch von unserem Korrespondenten): Rabbiner Chaim Oiser Grodsensky hat dieser Tage einen Brief erhalten von Rabbiner Kuk*) mit folgendem Inhalt: Das Verteilungskomitee beim Waad Leumi für die Beschädigten bei den letzten Unruhen in Erez Jisroel lehnt es entschieden ab, die alten Chalukah- Juden und die frömmeren Elemente zuunterst ü t z e n. Ich habe mich deshalb an die angesehensten Rabbiner in Amerika gewendet, welche bei W a r b u r g interveniert haben. Auf ihre Intervention erhielt ich ein Telegramm von Warburg, ich solle in das Verteilungskomitee eintreten: nachdem aber die Vertreter des Verteilungskomitees beim Waad Leumi auf meine Bedingungen nicht eingehen wollten, mußte ich mich entschließen, die Gelder nach meinem Einsehen selbst zu verteilen. Deshalb bitte ich Sie, die gesammelten Gelder an meine Adresse zu senden. Dieser Brief von Oberrabbiner Kuk hat hier einen sehr starken Eindruck hervorgerufen. Man halte sich bei solchen Nachrichten nur vor Augen, daß z. B. das englische Nothilfs- Komitee allein 90.000 Pfund aufgebracht hat und die Aktion von ihrem Leiter Lord M e 1 c h e 11 deshalb als abgeschlossen erklärt wurde, weil der Appell zur Hilfe an die Palästina- *) Oberrabbiner Kuk ist der von der zionistischen Organisation vorgeschlagene und vom Staate anerkannte Landesrabbiner von Palästina. Der Adressat des Briefes, Rabbi Grodsensky, ist der Präsident des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel. S. SCHEIN .AKTIENGESELLSCHAFT 1., Douemmorht Nr. 10-12 VU., nartalililersirooe Nr. < (Ecke Zieglergasse) < 14 TEPPICHE VORHAMOE tmOBELSTOEEE E1NOEEUPI DECKEN Größte Auswahl f Dilligste Preiset Opfer von allen jüdischen Gemeinden derWelt so hochherzig beantwortet w urde und schließlich angenommen werden muß, daß die Palästina-Regierung den Opfern der Unruhen Entschädigung leisten wird. Der englische Staatssekretär für die Kolonien hat nach einer Mitteilung der zionistischen Exekutive auch tatsächlich zugestimmt, daß in das reguläre Palästina-Budget ein außerordentlicher Posten eingesetzt werden sollte, der zusammen mit den Summen, die aus den Kollektivgeldbußen belegten arabischen Kommunen erfließen, zur Entschädigung der durch die jüngsten Unruhen entstandenen Verluste verwendet werden sollen. Was soll man zu all diesen erstaunlichen Vorgängen sagen? Man kann nur eines: Kategorisch die Forderung erheben, daß eine Untersuchung eingeleitet wird nach zwei Richtungen: Wollen — im Sinne Einsteins — die Araber den jüdischen amüsierten, und ihm, wie zum Hohn, Abschiedsgrüße zuwinkten. Das giftete natürlich „Eite", wie er genannt wurde, aber trotzdem er sich wohl oft genug vorgenommen haben mochte, pünktlich zu sein, dampfte ihm regelmäßig der Zug vor der Nase davon, so daß er immer erst mit dem nächsten fahren konnte. Einmal, es war gerade an einem Sonntagsnachmittag und so recht gemütlich im Hause, wo Verwandte und Neffen zu Besuch weilten, da bat ihn seine Frau, doch am anderen Morgen zu fahren. „Eite" aber schnitt mit einem kategorischen „hol Din Mul" jede Erörterung ab; er packte seinen Koffer, und die ganze Gesellschaft begleitete, ihn zur Bahn. Nun war es sicherlich Zeit genug. — „doch mit des Geschickes Mächten" — am Eingang des Bahnhofs traf er einen Freund, den man ob seiner Körperlänge „den langen Wehurachum" zu nennen pflegte. Dieser verwickelte Eite in ein längeres Gespräch, indem er ihm die hervorragende Güte seiner Crimmitschauer Buxkins pries usw.; plötzlich durchhallte es die Wartesäle: „Der Zug nach dem Norden fährt in fünf Minuten ab!" Das gab Elite einen Ruck, aber, was war das? Trieb der Teufel sein Spiel mit ihm? — Er konnte seine Fahrkarte nicht finden, und nun begann er seine Taschen auf der vor ihm stehenden Bank zu entleeren, als da war: ein Schlüsselbund, das Portemonnaie, der Priem usw. pp.; da, zum Glück fand er sie und nun holter-polter unter wieherndem Gelächter der ganzen Korona ging es die Treppe hinauf zum Bahnsteig. Hier aber entsann sich Eite, daß die beiden vorher gereisten Brüder für ihn ein Wachstuch beim Zugführer deponiert hatten und, um sich Gewißheit hierüber zu verschaffen, lief Eite den Zug entlang und gerade, als er beim Zugführer anlangte, pfiff derselbe und gab damit das Signal zur Abfahrt. Die Türen wurden zugeworfen, und als Eite einsteigen wollte, sah er sich von kräftigen Armen nach hinten gerissen mit den Worten „Halt, mein Herr, jetzt ist es zu spät!" — Da stand er nun und hatte zum Schaden noch den Spott obendrein, denn, als er seinen Zorn an seiner unschuldigen Frau auslassen wollte, sagte letztere zu ihm mit gutem Recht: „Wärest Du nur abgereist, es hat Dich ja niemand daran gehindert". Dieser Mann war äußerst tüchtig in seinem Fach; er lebte in geordneten bürgerlichen Verhältnissen und ihn, über den sein eigenes Fuhrwerk einmal hinweggefahren war. ohne daß er sonderlichen Schaden dadurch erlitt, fällte eine tückische Krankheit, der er innerhalb weniger Tage erlag. Selig David, dessen Söhne längst draußen in der weiten Welt waren, hatte keinen eigenen Haushak mehr und wohnte nunmehr bei „Onkel Ite". dem hochbetagten Oberhaupt der weitaus größten Friedrichstädter Familie, deren Mitglieder in alle Himmelsrichtungen zerstreut leben. Onkel Ite besaß noch starken Lebensmut und hatte Sinn für Humor, und er liebte es, den alten, gallig gewordenen Selig David hin und wieder mal ordentlich aufzuziehen. So erhielt denn auch Selig David sein Teil für all den Spott und Hohn, den er in so reichem Maße anderen zuteil werden ließ. Ein Unikum war der nunmehr in Kiel lebende Harry Reh. Das war ein „gerissener" Mann, und Hermann Lipmann. der große Produktenhändler in Kiel, wußte das zu schätzen; er bediente sich dieser „Kraft" zuweilen bei seinen Geschäften, und Harry galt als seine rechte Hand. Harry machte die verwegensten Streiche. Am meisten machte es ihm Spaß, mit dem Schnellzug zu fahren. Dann pflegte er sich vorher eine große Tüte fauler Aepfel zu kaufen, und wenn der Zug in sausender Fahrt eine kleine Nebenstation überholte, so dienten diese faulen Aepfel dem Harry als Geschoß und die rote Mütze des Stationsbeamten als Zielscheibe und — ratsch! — flog dem Nichtsahnenden diese süße Spende unsanft mitten ins Gesicht! Harry war in Kiel eine bekannte Persönlichkeit. Er machte die gewagtesten Geschäfte. Als ihn in den späteren Jahren ein guter Bekannter einmal besuchte und ihn fragte, wie es ihm gehe, antwortete ihm Harry trocken und in gutem