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Die Wahrheit · 1929-11-15 · Heft 46 (15.11.1929) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 46 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 im WAütttffilf mit Einlaßkarten in das Gotteshaus gelangen. Zu der Trauerfeier hatten «ich unter anderem eingefunden: Die Bezirksvertretung Favoriten mit Bezirksvorsteher August Siegel (vom Gemeindehause wehte auf Veranlassung des Bezirksvorstehers zu Ehren des Heimgegangenen die Trauerfahne), Stadtpfarrer Jungbauer, das Professorenkollegium des Realgymnasiums Margareten mit Gemeinderat Direktor NeubaueT an der Spitze, eine Abordnung der Polizei des X. Bezirkes, unter Führung des Stadthauptmannes. Die Wiener jüdische Oeffentlichkeit war vertreten: Durch den Vorstand der israelitischen Kuitusgemeinde, mit Präsident Prof. Dr. Alois Pick und den Vizepräsidenten Dr. Jakob O r n s t e i n und Dr. JoseiL öwenherz an der Spitze, die Amtsdirektoren Regierungsrat Doktor Emil Adler und Regierungsrat Guido Fuchs gelb. Die Schulsektion der israelitischen Kultusgemeinde war durch Obmann Kulftusvorsteher Dr. Josef T i c h o, Inspektor Prof. Dr. R e d i s c h und Amtsleiter Förster vertreten. Die Rabbiner Dr. M. Bauer, Dr. J. Drobinski, Dr. D. Feuchtwang, Dr. A. Frankfurter, Dr. M. Granwald, Dr. A. Kaminka, Dr. M. G. Mehr er, Dr. A. Z. Schwarz, Dr. J. T a g 1 i c h t, eine Abordnung des österreichischen Kantorenverbandes mit Präsident I. L ö w i t, H. Smetana Vizepräsident der Kultusgemeinde Mödling, mit Herrn Rabb. Schweiger, Delegierte sämtlicher Wiener Tempelvereine, eine Abordnung der Chewra-Delegierten, Vertreter zahlreicher Wohlfahrtsvereine, in deren Dienst der Verblichene seine hervorragende Persönlichkeit stellte. Deputationen der jüdischen Frauenvereine Favoriten und Wieden- Margareten. Nachdem Oberkantor S. Weiß mit verstärktem Chor einen Trauerchoral rezitiert hatte, widmete Rabbiner Doktor M. Bauer seinem so plötzlich verstorbenen Jugendfreunde und Studienkollegen einen vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Nachruf. Er entwarf in großen Zügen ein treffliches Lebensbild des Heimgegangenen als Gelehrter, Jugendbildner und Menschenfreund und betonte, daß der Verklärte im buchstäblichen Sinne des Wortes ein Vater der Armen war und daß jeder Hilfsbedürftige einen Freund an ihm hatte. Tieifergriffen schilderte er sodann das ersprießliche Wirken Dr. M a n d e 1 s und hob hervor, daß der Verstorbene auf allen Gebieten des jüdischen Lebens Großes geleistet i->id reiche Saaten ausgestreut hat, deren Früchte noch spätere Geschlechter genießen werden. Zum Schlüsse seiner Rede sprach Dr. Bauer von dem unersetzlichen Verluste, den die Familie des Heimgegangenen erlitten und der sich die Teilnahme Tausender zuwendet. — Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz, ein Verwandter des Verblichenen, rühmte ebenfalls die überaus großen Verdienste Dr. Mandels als Rabbiner, Erzieher der Jugend und Wohltäter. Wie er ein guter Gatte seiner Frau, so war er ein zärtlicher Vater seinen Kindern und ein ebenso treuer Sohn und Bruder. Im Schöße seiner Familie fand er die Ruhe nach den Mühen des Tages. — Für den Vorstand des Tempelverednes nahm Obmann Max B e r g e r tiefgerührt Abschied von dem teueren Verblichenen, dessen hervorragende Verdienste um den Tempel- und Schulverein er ganz besonders hervorhob. Wir liebten und verehrten ihn unendlich und sahen zu ihm als. zu unserem Führer empor, sagte Redner, und geloben, sich seiner verwaisten Famile anzunehmen^ in seinem Geiste weiterzuwirken, und dieser, wird uns stets bei unseren Beratungen umschweben. Nachdem Ehrenpräsident S t r a ß b e r g für die Vereinsmitglieder und Dr. Polatschek im Namen der einstigen Schüler Worte des Dankes gesprochen, wurde der barg von den Vorstandsmitgliedern gehoben und zu dem Galafourgon gebracht. Hinter denselben folgten die Familienangehörigen, das Präsidium der israel. Kultusgemeinde, die Vorstandsmitglieder des israel. Tempel- und Schulveremes sowie des israel. Humanitätsvereines, Wien X., und die Delegationen der verschiedenen Körperschaften und Vereine. * * * Auch auf dem Friedhofe hatte sich eine unübersehbare Trauergemeinde eingefunden, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem Oberkantor S. Weiß unter Assistenz des 1. Kantors Schlesinger und des verstärkten Chores einen Trauerpsalm rezitiert hatte, widmete Rabbiner Dr. D. Feuchtwang dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck machte. Güte, Frömmigkeit und aufopfernde Menschenliebe, all das verkörperte sich in Dr. A. L. Mandel in einer Weise, wie sie selbst bei Rabbinern nur selten zu finden ist. Er gedachte insbesondere der grenzenlosen Liebe und Verehrung, die der Dahingeschiedene angesichts seines friedliebenden Wesens bei seiner engeren und weiteren Gemeinde und seinen Amtsbrüdern genoß und des unersetzlichen Verlustes, den seine Familie und die Jugend, der er ebenfalls ein gütiger Vater war, erlitten. — Sodann trat Prof. Dr. A. Pick an die Bahre, um im Namen des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde dem Heimgegangenen zu danken und von ihm Abschied zu nehmen. Er würdigte ganz besonders die Persönlichkeit des Verblichenen und sein vorbildliches Wirken auf dem Gebiete der Jugenderziehung und der Humanität. Unzählige sind es, die seinen Tod tief beklagen, denn in seiner Herzensgüte war der Verstorbene Tausenden ein edler Freund und treuer Berater. — Namens des - Professorenkollegiums des Realgymnasiums in Margareten dankte Gemeinderat Direktori Neubauer dem Verewigten iür seine 28jährige aufopfernde und mustergültige Lehrtätigkeit. Er dankte aucli im Namen der anwesenden Schüler und betonte, daß das, was der Verstorbene für die Jugend geleistet, ihm für ewige Zeiten hoch angerechnet werden wird. Hierauf wurde der Sarg von den Amtsbrüdern des Verstorbenen von der Estrade gehoben und zu dem Ehrengrabe gebracht, das die Wiener israelitische Kuitusgemeinde Rabbiner Dr. A. Mandel gewidmet hat und das sich nächst dem Elirengrabe Oberrabbiner Dr. C h a j e s und neben der ürabstätte Rabbiner Dr. Funk befindet. H. American Jewish Committee. Das Lebenswerk Louis Marshalls. Von Gerhard H i r s c h f e 1 d, New York. II. In diesem Zusammenhang darf auch die antisemitische Propaganda seitens Henry Ford erwähnt werden, der schließlich, veranlaßt durch den weltberühmten Prozeß mit Shapiro und durch die Vorstellungen, cEe ihm aus den Kreisen des amerikanischen und europäischen Judentums entgegengehalten wurden, den hetzerischen Veröffentlichungen des Dearborns-Organs ein Ende gemacht hat. Kurz darauf, d. h. im Jänner 1928 stattete Henry Ford dem Präsidenten des A. J. C, Louis Marshall, einen Besuch ab und gab Versicherungen, daß er seinen ganzen Einfluß darauf verwenden würde, die hetzerischen Folgen der unter seinem Namen geführten antisemitischen Propaganda nach Möglichkeit einzudämmen und die angerichteten Schäden soweit wie möglich wieder gutzumachen. Mag dieser Besuch von Henry Ford an sich nebensächlich sein, so ist er doch geeignet, den bedeutenden Einfluß und die machtvolle Stellung auch dem Außenstehenden vor Augen zu führen, über die das A. J. C. nicht nur in der jüdischen Welt verfügt. Ein anderer Vorfall, der die Tätigkeit des Committees in einem rein praktischen Lichte zu zeichnen geeignet ist, ist folgender: Man erinnert sich an den Film „King of Kings", der das Leben Jesus zu schildern vorgab. Nach den ersten Probeaufführungen wurden lebhafte Proteste von Seiten jüdischer und anderer Religionsgemeinschaften laut; das Exekutiv- Komitee des A. J. C. nahm die Angelegenheit mit Herrn William Fox, dem Hersteller des Films, auf, und es gelang den Repräsentanten tatsächlich, wesentliche Aenderungen in der Abfassung des Films herbeizuführen, so daß dem Film in seiner endgültigen Fassung all diejenigen Ausdrücke genommen waren, die anstößig oder intolerant hätten wirken können. Das A. J. C. unterhielt auch eine statistische Abteilung, die sich mit dem Zensus der jüdischen Bevölkerung, wie Gemeinden in den Vereinigten Staaten befaßt. Nach den Feststellungen dieser Abteilung beläuft sich die Anzahl der jüdischen Ge~

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