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Die Wahrheit · 1929-11-15 · Heft 46 (15.11.1929) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 46 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT versität selbst erfahren habe, daß dieser gegenüber einer Abordnung der jüdischen Studentenschaft diese als einen ordnungsliebenden, lernbegierigen Teil der Studentenschaft anerkannt habe. Das Präsidium wies insbesonders auf die Gefahren hin, welche mit einer Wiedereröffnung der Hochschulen verbunden sind, wenn nicht seitens der maßgebenden Faktoren der Studentenschaft nachdrücklichst bedeutet werden würde, daß die Handlungen, welche zur Sperre der Hochschulen geführt haben, sich als strafgesetzlich verpönte Uebergriffe darstellen und daß insbesonders die Anrede, welche den Dekan Dr. H o 1 d t laut Mitteilung der „Neuen Freien Presse" gehalten haben soll, nicht geeignet sei, den Frieden auf den Hochschulen zu fördern und dauernd zu erhalten. Der Herr Minister antwortete, daß d i e i m anatomischen Institute vorgekommenen Ausschreitungen gewiß mit den GesetzenimWiderspruchestehenund daß diesbezüglich eine Untersuchung eingeleitet wird. Das angebliche Verhalten des Dekans Dr. Holdt sei ihm auch nur durch die „Neue Freie Presse" bekannt geworden, er werde selbstverständlich authentische Informationen einholen. Er versicherte schließlich nochmals, daß es seiner persönlichen und politischen Ueberzeugung widerspreche, daß irgend welche Teile der Studentenschaft an den Hochschulen Ausschreitungen ausgesetzt seien und daß er als Leiter der Unterrichtsverwaltung den ihr zustehenden Einfluß aufbieten werde, damit in Hinkunft die Ruhe an den Hochschulen aufrecht erhalten werde. * * * Die „Union deutschösterreichischer Juden" veröffentlicht folgende Erklärung zu den Hochschulkrawallen: Die „Union deutschösterreichischerJuden"protestiertmitallerEntschiedenheit gegen die unerhörten Ereignisse, deren Schauplatz seit einiger Zeit die Wiener Hochschulen sind und die ihren Höhepunkt in den vor den Augen der Festgäste stattgehabten empörenden Vorfällen anläßlich der Rektorsinauguration an der Wiener Universität und den sich in vandalischer Zerstörungswut austobenden Tumulten im Anatomischen Institut gefunden haben. Lerneifrige Studenten wurden von ihren Kommilitonen in rüdester Weise am Studium gehindert, ja in ihrer körperlichen Integrität gefährdet, weil sie — Juden sind. Diese rohen antisemitischen Exzesse sind ein notwendiges Ergebnis der seit Jahren auf dem Boden der Hochschulen selbst betriebenen Hetze; unter den Augen der akademischen Behörden wurden nationalsozialistische Aufrufe „zum Kampf, zur Tat" gegen die jüdischen Studenten verbreitet, wurde eine Boykottliste der „Deutschen Studentenschaft" gegen jüdische Professoren oder solche jüdischer Abstammung ungeahndet verteilt, füllen sich die in den ein Eigentum des ganzen Bundes bildenden Hochschulen angegHHHHHHHHHHHHHMnHH« ■ Union deutsdidsterrelchlscher Juden ■ Wien IX., Berggasse 4 — Tel. A 19-2-77 g EINLADUNG ■ zu der am Donnerstag, den 14. November, 8 Uhr abends, im Wissenschaftlichen Klub, vi., Gefreldemarht Nr. 7 (Eingang ¥1., Drelhuielsengosse Nr. l) stattfindenden 2* Sprechabend der „Union" flofrai Dr. Adolf Drudter spricht über „OcldmadilandWcllmacnf Gäste willkommen 1 Das Präsidium der „Union deutsdiösterreldiisdier Juden" ■ ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■s brachten Anschlagkästen der deutschvölkischen Studenten mit Pamphleten, strotzend von Verleumdungen staatsgrundgesetzlich gleichberechtigter Staatsbürger. Die notgedrungene Sperrung der Wiener Hochschulen, durch die nur die lerneifrige Studentenschaft hart getroffen wird, stellt ein ungeeignetes Mittel zur Verhütung solcher Gewalttätigkeiten dar. Wir müssen daher fordern, daß die oberstenakademischenBehörden den rechtsbrechenden Studentenvorhalten, daß auch für den akademischen Boden die Staatsgesetze gelten, welche jede Verletzung von Recht und Gesetz mit schweren Strafen bedrohen. Die „Union deutschösterreichischer Juden" verlangt aber auch von allen anderen zuständigen Behörden ein sofortiges Einschreiten der maßgebenden Faktoren gegen diesen Rechtsbruch; sie fordert den energischen, wirksamen Schutz des kardinalsten Rechtes der Studierenden und auch der Lehrenden, der LernundLehrfreiheit. Köchin für rituellen Haushalt nach Sarajevo. iesufiit Angebote an Max Hof bauer, Sarajevo (Jugoslawien) Stroßmajerstraße.

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