Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIL WAHRHEIT llUUlßllllilltltiniUM Seite 13 V<m Woche zu IDoek» Rabb. Prof. Dr. A. E. Mandel 60 Jahre alt. Rabbiner Professor Dr. A. E. Mandel feierte am 30. Oktober das Fest seines 60. Geburtstages. Er studierte in Wien Theologie, übernahm vor 30 Jahren das Lehramt und wurde gleichzeitig Rabbiner im 10. Bezirk. Alle, die das Wirken Professor Mandels verfolgen konnten, schätzen in ihm einen guten Menschen und einen stets hilfsbereiten wohlwollenden Freund. Der Mann der Wissenschaft war aber immer auch ein Wohltäter mit offenem Merzen; besonders in der schweren Kriegszeit hat seine nimmermüde Arbeitskraft vielen Bedürftigen Hilfe und Erleichterung gebracht. Er war an seinem Ehrentage Gegenstand zahlreicher, herzlicher Symp a t h i e kundge bunge n. Die im Tempel geplante Feier mußte bedauerlicherweise wegen Erkrankung des Jubilars entfallen. Die Vertreter aller im Bezirke bestehenden Vereine: für den Tempelverein die Herren Obmann Max Berger, Ehrenpräsident Jacob S. Straf!- berg, Benjamin Scher. Adolf Plaschkes, Simon Steiner, Leopold Drill, für den Humanuätsverein die Herren Obmann Komme r- /.ialrat Carl Weis, Ludwig Poilatschck und Hermann FraiiK!. für den Fratienverein die Frauen Oberkantor Sofie Schlesinger. Louise Poilatschck. Oberkantor Irma Weiß, Dr. Louise Zetter, sprachen dem Jubilar mit anerkennenden Worten für seine bisherige Tätigkeit im Interesse der Vereine die herzlichsten Glückwünsche für sein weiteres Wohlergehen und weiteres gedeihliches Wirken aus, worüber der Jubilar sichtlich sehr erfreut war. Herr Dr. Mandel, dem von seinen zahlreichen Schülern und Verehrern telegraphisch und brieflich zahlreiche Glückwünsche zugekommen sind, befindet sich erfreulicherweise auf dem Wege der Genesung und dürfte in der allernächsten Zeit seiner Tätigkeit wieder aufnehmen. Das israelitische Kurhospital in Karlsbad. Wer kennt es nicht, das prächtige Kurhospital in Karlsbad, das auf Wunsch des Barons Albert R o t hs c h i 1 d, eines der Gründer des herrlichen Baues, von Baurat Wilhelm S t i a s n y entworfen, seit dem Jahre 1903 tausenden armer und wenig bemittelter Juden die Möglichkeit gibt, an den fieiiouellen Karlsbads neue Lebenskraft und Arbeitsfähigkeit sich zu holen! In diesen Jahren fanden aus YV i e u allein an 3000 Menschen in dieser segensreichen Anstalt Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Beratung. Fünf Kriegsjahre hindurch konnte das Kurhospital seinem edlen Zwecke nicht dienen, und als es dann wieder, unter größten Opfern von scheu der Karlsbader Kultusgemeinde restauriert, seine Tore den armen kurbedürftigen Juden öffnete, wuchs die Zahl der Petenten von Jahr zu Jahr derart, daß in der verflössenien Saison 740 Gesuche infolge Platzmangels abgewiesen werden mußten. Diesem traurigen Uebelstande abzuhelfen gibt es nur einen Weg: Die Einrichtung einer Zentralheizung für das ganze Haus. Es könnten so Kurbedürftige schon im März und April und mindestens noch im Oktober Aufnahme finden. Aber die Einführung einer Zentralheizung kostet an 40.000 S und die Restaurierung des Hauses nach der Militürbesatzttng verschlang den ganzen Fonds des Kurhospitals, so daß es über gar keine Barmittel verfügt. Darum begrüßte die Karlsbader jüdische Gemeinde mit besonderer Freude das Anerbieten der Frau Paula Sieber, Mitinhaberin des Palast-Kinos in Wien, Josefstädterstraße 43/45, in ihrem Kinotheater eine Matinee zugunsten des israelitischen Kurhospitals in Karlsbad zu v e r a nst alten. Diese Matinee findet am Sonntag, den 10. N o v e in b e r 1. J., um 10 Uhr vormittags statt und der Erfolg fällt zur Gänze der Einführung der Zentralheizung im Karlsbader Kurhospital zu. Die Matinee wird durch eine Ansprache des Karlsbader Rabbiners, Herrn Professor Dr. Ziegler, eingeleitet und entspricht mit dem ganzen Programm den verwöhntesten Anforderungen des Wiener Publikums. Zur Aufführung gelangen beide Teile des berühmten Films „Wolga — Wolga" — hier zum ersten Male - von der Firma K o p p e 1 m a n n & Reiter in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Wir empfehlen unseren Lesern den Besuch der Matinee aufs allerwärmste und hoffen, daß de.' Erfolg zahlreichen kurbedürftigen armen Juden unserer Hauptstadt einen Kuraufenthalt in Karlsbad ermöglichen wird. Vorbestellungen nimmt di'e Kasse des P a! a s t -K i u o s, Joscfstäclterstraße 43.45. Tel. A. 29-1-11, täglich von 5—10 Uhr abends, entgegen. Gesellschaft für jüdische Familieniorschting. Die Anteilnahme an der familieiigeschiehtlichen Forschung ist in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren in weiten Volksschichten außerordentlich gewachsen, in jüdischen Kreisen allerdings, nicht in dem Maße, wie es zu wünschen wäre. Das mag darin liegen, daß es bisher an einer Zentralstelle hierfür fehlte. Durch die ..Gesellschaft für jüdische Familienforschung" ist eine selche geschaffen. In der kurzen Zeit des Bestehens der Gesellschaft ist es dieser gelungen, ihre Ideen in erfreulichem Maße zu verbreiten. Sie zählt zur Zeit etwa 500 persönliche und etwa 30 korporative Mitglieder. Jetzt gilt es. dahin zu streben, weitere Kreise heranzuziehen. Je größer die Zahl, um so mehr kann geleistet und um so mehr dokumentarisches Material kann erschlossen werden. Gerade in be/ug darauf bietet sich noch ein weites Feld der Betätigung. Ein ungeheures Urkundenmaterial liegt noch zerstreut, unbeachtet und vernachlässigt herum. Man sieht, in welch weitem Maße es möglich ist. außer der Betätigung für die eigene Familie Fo<- schungsmaterial für unser Archiv und iiir unsere Zeitschrift (die ..Mitteilungen") zusammenzutragen, in diesen ...Mitteilungen" bringt die Gesellschaft stets ein reiches und interessantes genealogisches Material und solches aus den Grenzgebieten der Erbforschung und Eugenik. I>ie „Mitteilungen" erscheinen vierteljährlich, doch ist in Aussicht genominen, sie mit dem Wachsen der Gesellschaft zweimonatlich erscheinen zu lassen und ihren Inhalt zu erweitern. Probenummern werden auf Wunsch unentgeltlich abgegeben. In unserem F a m i I i e n a r c h i v ist es gelungen, die überwiegende Mehrzahl aller jüdischen Familienchroniken und zahlreiche Stammtafeln zu vereinigen. Mit den Mitteilungen verbunden ist ein ..Suchblatt", das Gelegenheit gibt, Rundfragen zu veröffentlichen zwecks Aufschluß über Familienmitglieder oder -beziehungeil. Diese Fragen fanden bis ietzt stets Beantwortung, bisweilen aus weiter Ferne. Bei weiterer Verbreitung des Blattes wird dieser Austausch immer ergiebiger unu wertvoller. In den wenigen Jahren ihres Wirkens und mit! In Villa, XIII. Iittiiniassi, j 1 Lainzer-Cottage. hinter Schönbrunner-Park. gute j ■ Straßen- und Stadlbahuverbindung nach allen Richtungen. : ■ ist ab 15. November direkt vom Hausherrn ein leeres. S 4X5 nr großes, schönes, sonniges Zimmer, vom Vor- :; zitnrner separiert, mit Bade- und Uartenbenüt/.'mg iiir 1 bis 2 Personen, auch kinderloses F.hepaar. gegen Gold zi ns zu vermieten. Für streng rituellen : Haushalt evtl. auch K ü c h e n b e u ii t /. u n g. : Evtl. möbliertes, separiertes Kabinett mit voMer. 5; streng ritueller V e r p f I e g u n g. Klavier- :! benützü.ng usw. für 1 Person bei vornehmer jüdischer ■ 5 Familie. :; Näheres: Wien XIII., Penzingeistraße 54. Tür 14. : : oder telephonischer Anruf täglich zwischen 2 und 3 Uhr; : nachmittags auf Nr. R 36-6-76. :