Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEH Franz Weriel und das Judentum. Wie wir authentisch erfahren, beruht die Veri 1 öffentlichuiij? der Austrittsanzeige des Dichters Franz | h W e r f e 1 aus dem Judentum auf einem M i ß v e r- M ständnis. Ebenso erweist sich die Nachricht, H Werfel sei zum Katholizismus übergetreten, als u n- N richtig- Werfel gehört nach wie vor der israeli-; i tischen Kultiisgemeinde Wien als Mitglied an. Frieden mit Rumänien. : ■ Zwischen der spaniolisch-jüdischen Gemeinde! ■ Wiens und der wissenschaftlichen Akadenüe Ru- [ ■ mäniens in Bukarest kam es hinsichtlich des Legats 'j. des verstorbenen spaniolischen Juden Elias, über i welchen Streit wir oft berichteten, zu einem Verj r gleich, demzufolge die Akademie der Spaniolen-Ge- | ':{t' meinde eine Summe von 60.000 Schilling als Ab- [! fertigung zahlt und die gesamten Prozeßkosten trägt. Die Spaniolen-Gemeinde wird diese Summe als ständigen Elias-Fonds zum besten der Knlüirmstitutionen der Wiener Spaniolen-Gemeinde anlegen. Weltfriedenskongreß für Palästina. Der in Athen stattgefundene W e 11 f r i e d e n s k o n- ' greß hat mir 5Ü ge^en 22 Stimmen die vom Franzosen Corsos eingebrachte und vom Engländer Smith bekämpfte Resolution angenommen, in der das Bedauern des Kongresses über die Ereignisse in Palästina ausgedrückt und der Wunsch ausgesprochen wird, daß England alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen möge, um ähnlichen Vorkommnissen in der Zukunft vorzubeugen. Der Vertreter des orthodoxen Judentums im ungarischen Oberhaus. Mit dem Ableben des Budapester orthodoxe« Oberrabbiners und Magnatenhausmitgliedes Koppel Reich ist die Frage der Vertretung der ungarischen Orthodoxie im Oberhaus akut geworden. In dem Budapester orthodoxen Organ Z s i d o U j s a g*4 schlägt Herr Alexander N e m e t i die Nominierung des Präsidenten der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei, Herrn Adolf Fjiaukl zum Vertreter des orthodoxen Judentums im Oberhaus vor. Dieser Vorschlag findet irt den orthodoxen jüdischen Kreisen Ungarns starke Zustimmung. Rückkehr zum jüdischen Glauben in Ungarn. Aus Anlaß der hohen jüdischen Feiertage sind wiederum in Ungarn mehrere Personen, die in den kritischen Nachkriegsiahre-n den jüdischen Glaube« venlassen hatten, zum Judentum zurückgekehrt. Die Massentaufen hatten bekanntlich 1918 begonnen. Die Bemühungen der Rabbiner, die durch die damaligen traurigen Vorgänge aus der Fassung geratenen Leute, die ihren Glaubensübertritt anmeldeten, zu beruhigen und auf- » zuklären, hatten nun geringen Erfolg. Eine Massenpsychose hatte Teile der jüdischen Massen Ungarns erfaßt, die glaubten, durch 4ie Taufe über alle Widerwärtigkeiten und Verfolgungen hinwegzukommen. „Egyenlöseg" veröffentlicht einen detaillierten Bericht über die Bewegung für Rückkehr zum Judentum. Vom 1. August 1919 bis 31. Juli 1929 sind 567 Män- ,; ner, 481 Frauen und 88 Kindor zum Judentum zurückgekehrt. Von diesen 56/ Männern waren 52 Gewerbetreibende. ■ 121 Kaurleute, 193 Angestellte. 41 Aerzte, 35 Rechtsanwälte. : . , 27 Ingenieupe, 14 Landwirte, 6 Lehrer, 60 Schriftsteller, 70 Studenten und 45 Angehörige anderer Berufe. Diese Zahlen betreffen allein die Pester israelitische Kultusgemeinde. Aber ' . auch die Ofncr Kultusgemeinde und zahlreiche andere Kultusgemeinden verzeichnen \iele Rückkehrer. | , Die jüdische Gemeinde von Leninsrad aufgelöst. , { ' : Nach einem Prozeß, der mehrere Tage andauerte, wur- 1 :< den sämtliche elf Mitglieder der Verwaltung der jüdischen Gemeinde Leningrad von dem Leningrader Gericht zu Zwangs- \ , ■' : arbeit von vier bis sechs Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten ist auch der 77 Jahre alte hebräische Schriftsteller Leon Rabbinowitz. der einstige Chefredakteur der großen hebräischen Tageszeitung „Hameliz". Der Prozeß begann am i ersten Rosch Haschanah-Tage. Seinem Ausgang wurde mit; I äußerster Spannung entgegengesehen. Graubärtige Juden und iunge Kommunisten füllten das große Gerichtszimmer bis auf; den letzten Platz. Die Anklageschrift warf den Angeklagten t; vor, daß sie sich als die Führer der jüdischen j: Gemeinde das Recht richterlicher Personen angemaßt haben. Im einzelnen lauteten die Beschuldigungen wie folgt: 1. Die Gemeindeverwaltung wandte sich an die jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf, Gelder für Renovierung der großen Chor-Synagoge zu spenden. 2. Die Gemeinde hat einen Teil des Verwaltungsgebäudes an eine Produktionsgenossenschaft vermietet, sie hat also Privatgeschäfte gemacht. 3. Die Gemeinde hat rn i t Kaschrut h- Aufseher u, T e m p e 1 d i e n e r n und a nderen religiösen Beamten Abmachungen getroffen, wodurch sie sich administrative Rechte anmaßte, die ihr nicht zustehen. 4. Die Gemeinde versuchte die Verteilung von Koscher-Flcisch unter den Gemcindemitgliedern zu beeinflussen. 5. Die Gemeinde stand m i t ausländischen jüdischen Organisationen in Verbindung und erhielt von diesen zu den vergangenen Pessach-Tagen 80.000 Pud Mazzoth. 6. Die Gemeinde erhielt Beträge für die Bestattung jüdischer Leichen auf dem jüdischen Friedhof, obwohl der Staatssowjet sich als Inhaber des Friedhofes betrachtet. Die Verteidiger wiesen darauf hin, daß die Chor-Synagcge eine Warnung von der Behörde erhalten hat, daß sie, wenn sie nicht bald renoviert wird, der Beschlagnahme verfallen werde: die Gemeinde mußte also Mittel zur Renovierung der Synagoge beschaffen. Schließlich habe die Gemeinde von Leningrad nicht 80.000, sondern 18.000 Pud Mazzoth aus dem Auslande, und zwar auf Grund einer Erlaubnis seitens der Zentralregierung erhalten Der Richter hielt die Anklagcpunkte für nicht entkräftet und sprach die erwähnten Urteile. Die Verwaltung der Gemeinde wurde für aufgelöst erklärt. Unter der Judenheit von Leningrad herrscht tiefe Niedergeschlagenheit. „Das neue Europa" (Zürich—Wien—Berlin). Unter den Organen der Friedenspresse ragt die von Dr. Paul Hohen a u herausgegebene Revue hervor, weil sie seit 15 Jahren mit energischer Beharrlichkeit für Völkerversöhnung eintritt und bei ihrer kürzlichen Jubelfeier kamen die allgemeine Anerkennung und die Sympathien der verschiedenen Nationen in reichem Maße zum Ausdruck. Die Fülle interessanter Beiträge, welche der unermüdliche Herausgeber in seiner Revue seil jeher zu vereinigen wußte, prägt auch dem eben erschienenen Üktober-Novemberheft den Charakter einer bedeutenden Publikation auf; Parlamentarier, Staatsmänner und Wirtschaftspolitiker, die zu den bedeutendsten und angesehensten zählen, bringen wichtige und bedeutungsvolle Artikel; so finden wir die Erklärungen des griechischen Staatsmannes Eleutherios Venizelos, bekanntlich einer der Schöpfer des Völkerbundes, der über diesen und die griechische Außenpolitik spricht; Henri de Jouvcncl beweist mit bezwingender Logik die Notwendigkeit der Kontrolle in der Außenpolitik. Senator Reynald weif] aus eigener Wahrnehmung über die bedeutsame wirtschaftliche Entwicklung der Türkei zu berichten; höchst bemerkenswert sind die Ausführungen des Präsidenten der letzten Völkerbundtagung Minister Gustavo G u e r r e r o, des englischen Parlamentsmitgliedes Sir Robert Gower über die Abrüstung und die nächsten Ziele des Völkerbundes. Der dänische Ministerpräsident M. Th. S t a tili in g spricht über Paneuropa und die Haltung der kleinen Staaten als gründlicher Kenner des Stoffes, Le Trocquer über die Zollpolitik der Vereinigten Staaten und Europas, der politische Schriftsteller Dr. Ludwig Bauer zieht die Bilanz der letzten Völkerbundtagung und Dr. Paul Hohenau entwirft in ungemein fesselnder und überzeugender Weise ein Bild der Zeitwende und des Kampfes um die Verständigung der Nationen. Es folgen noch Artikel von Eric L i p p a y, Dr. Friedrich Wal lisch, Gräfin Hetta Treuberg, von dem indischen Staatsmann J. P. B a h a d u r S i n g h, endlich -ine geistvolle Studie von Diplomaticus über die Individualitäten auf der letzten Völkerbundtagung. Eine lesenswerte liücherschau bildet den Abschluß. Auslieferung: Wien IX.. Türkenstraße 9.______ flmtbcke QjxuummuAga^ cLt/fMeläuJietikii^^ Barmizwah- und Talmudkurs. Die Einschreibungen für den Barmizwah- und Talmudkurs der israelitischen Kultusgemeinde Wien im XX. Bezirke finden bis auf weiteres jeden Sonntag von XA9 bis 9 Uhr vormittags im Unterrichtslokale, XX., Othmargasse 46, statt. Der Unterricht ist unentgeltlich.