Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Union nccisdiösterr. Juden. Prof. Jehudo Epstein las Dienstag, den 29. v- JVL auf dem ersten heurigen Sprechabend der „U n i o n deutschösterreichischer Juden" aus seinem interessanten Lebenswerke „M ein Weg von Ost nach West" mehrere Partien einem zahlreichen Publikum, das den großen Saal des Wissenschaftlichen Klubs bis auf das letzte Plätzchen füllte, vor. Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n betonte die große Freude und besondere Genugtuung, die die „Union" erfüllt, an ihrem Vortragspult den großen Meister begrüßen zu können, auf den wir in doppelter Richtung stolz sein dürfen. Einmal als Juden, denn wir freuen uns, daß Epstein aus dem dunkelsten Osten emporgestiegen ist in die lichten Gefilde idealster Kunst, zweitens als Oesterreicher, denn er, der in den verschiedensten Ländern sich der Kunst widmete, ist schließlich Wiener geworden und hat die höchsten auszeichnenden Anerkennungen seitens unseres Staates erworben, dem wir hierfür dankbar sind. Prof. Jehudo Epstein brachte hierauf aus seinem schönen Buche die einleitenden Partien, in denen seine Vaterstadt Sluzk und das Leben und Treiben der dortigen Juden anschaulich geschildert wird, ferner eine Beschreibung ihrer Festtage und Gebräuche und schließlich die Erzählung seiner abenteuerlichen Flucht aus dem Osten fesselnd zum Vortrage. Reicher Beifall lohnte seine interessante Wiedergabe, die gewiß manchen Hörer veranlassen wird, das Buch selbst zu lesen, dessen Lektüre (E n g e 1 h o r n - V e r 1 a g) nicht warm genug empfohlen werden kann. Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n dankte in seinem Schlußworte dem Vortragenden für die feinste Detailmalerei, die er den Anwesenden geboten. Wir freuen uns, sagte er, daß uns Gelegenheit gegeben wurde, ein so wunderbar schönes Bild von dem mit größten Schwierigkeiten erfüllten Leben der Ostjuden zu erhalten. Wie Jehudo Epsteins Weg nach dem Westen, in die lichte Freiheit führte, so sehnen auch wir uns nach dieser Freiheit, deren Erringung unser Kampf gelten soll. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiisaiiiii^ Ws^bdMcnneAtmfärßk UhJuAdtJ Lederhandschuhfabrik Josef, ZLosÜngec L, Rotenturmstraße 23 Telephon II 25-3-29 IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 WcJuhätmvcm%g* Frei nach Heine. Der Währinger Wählerprozeß ist uninteressant geworden. Die Sensation, die man sich von diesem Prozeß auf jener Seite, die den Sozialdemokraten nicht gerade günstig gesinnt ist, versprach, ist ausgeblieben. Schon die geraume Zeit, die dieser Prozeß mit seinem Massenaufgebot von Zeugen beansprucht, mußte seine Wirkung auf das Publikum beeinträchtigen. In diesem faden Einerlei entstand vergangenen Samstag ein humoristischer Lichtpunkt, für den die Beteiligten dem unbekannten Täter nur dankbar sein durften. Der Vorsitzende verlas nämlich eine an ihn persönlich adressierte anonyme Karte folgenden Inhaltes: „Im Falle einer Verurteilung der sogenannten Wahlschwindler von Währung bitte ich als mildernd anzunehmen, daß unter dem Regime des seligen Lueger und Weiskirchner auch die Bewohner des Zentralfriedhofes zu wählen pflegten. In der Judengasse pflegte man zu sagen: „Schander, Bander, Kapores miteinander." Ein Professor der orientalischen Sprachen oder der Eisenbach könnte dieses Sprich-, aber Wahrwort erklären." „Laute Heiterkeit" quittierte, wie der Prozeßbericht mitteilt, diese Erholung aus der wählerischen Eintönigkeit. Der Anonymus hat aber auch ernstlich recht; schon Heine hat gesagt: „Es will mich schier bedünken, daß alle beide usw." Das hat der Anonymus mit dem Zitat aus der Judengasse, die er anscheinend gut kennt, vulgärer und beinahe treffender ausgedrückt. Ewiges Einerlei. Zwei Nachrichten in einem Abendblatt: Im Saal 18 der Technischen Hochschule hielt Montag Universitätsprofessor Dr. T u r b a, der als Honorardozent außertourlich Geschichte und Bürgerkunde an der Technik für die Hörer des ersten Semesters vorträgt, seine erste Vorlesung ab. Professor Turba hatte bei Beginn seiner Vorlesung die Studenten aufgefordert, seinen demnächst stattfindenden Vortrag über dieKriegsschuld- 1 ü g e zu besuchen. Dieser Aufforderung fügte er einige Worte über die Friedensverträge und die „b edenkliche Haltung eines bestimmten mmmmmmmmmammmmmmmmBammmmmmmmmmMamammumati NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 20a TEL. R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN 1 REICHE AUSWAHL IN HEBRAIKA UNO JUOAIKA in englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3- KEINE BANDGEBOHR! TÄGLICHER UMTAUSCH!