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Die Wahrheit · 1929-11-08 · Heft 45 (8.11.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT fHiBWHiHHBimniffln eine Partei, die an die gesunde, leidenschaftslose Vernunft und die Erkenntnis der wahren Interessen appelliert und überdies zu unmoralischen Kampfmitteln nicht greifen will, einen sehr schweren Stand hat, liegt auf der Hand. Nach diesen Voraussetzungen wird der Wahlerfolg der beiden Parteien beurteilt werden müssen, wenn das Wahlresultat richtig eingeschätzt werden soll. Die „Jüdische Partei" wird von ihrem Standpunkte aus mit dem Wahlresultat zufrieden sein. Denn sie wird nach Abschluß des zweiten Skrutiniums konstatieren können, daß der Mandatshunger z w e i e r ihrer Führer nach zehnjährigem verzweifelten Kampf nun endlich gestillt ist. Daß dabei aucl; die polnische Minderheitsnationalität zwei Mandate erhielt' und durch die Schenkung der jüdischen Stimmen eine nie geahnte und nie erhoffte Stärkung erfuhr, stört diese Herren am wenigsten. Ihnen ist die Idee der „Minderheitsnationalität"' sein wertvoll und es tut der „Idee" keinen Abbruch, wenn es einmal nicht die Juden, sondern die Polen sind, die sich zufrieden ins Fäustchen lachen. Den wirtschaftlichen und politischen Schaden, den diese Einschaltung der Juden in der Republik in den Nationalitätenkampf zwangsläufig verursachen wird, werden die Leiter der „Jüdischen Partei** schon durch eine neue wohlklingende Phrase wettzumachen suchen. Die „Gewerbe- und Handelspartei'' darf dessenungeachtet mit Genugtuung auf diese ihre erste Wahlkampagne zurückblicken. Die siebenunddreißigtausend Stimmen, fast zur Gänze jüdische, die sie in der Slowakei und Podkarpatska Ruft auf ihre Listen vereinigte, sind ein respektabler Erfolg von größtem Werte für die Weiterführung der politisch-organisatorischen Arbeit. Die Interessen der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden werden im Abgeordnetenhause und im Senat von einer Partei vertreten werden, die hohes Ansehen genießt und zu keiner anderen parlamentarischen Partei in politischem Gegensatze steht. Wird im zweiten Skrutinium außerdem noch einem der j üd i s c h e n Kandidaten im Rahmen der Partei ein Mandat zugeteilt werden können, so wird dem Judentum jetzt schon auch die Möglichkeit geboten werden, einen Sachwalter zu besitzen, der starr Phrasen wirklich jüdischen Interessen das Wort redet. Siebenunddreißigtausend Wählern den richtigen Weg gewiesen zu haben, ist ein Verdienst, das in die Zukunft weist. Ihr wird die zielbewußte Fortsetzung der politischen Arbeit gewidmet sein müssen. („Jüdische Presse". Wien.) American Jewish Committee. Das Lebenswerk Louis Marshalls. Von Gerhard Hirschfeld, New York. I. Verglichen mit der Struktur anderer großer jüdischer Organisationen in den Vereinigten Staaten, wie z. B. der Bnai Brith-Loge oder dem Joint Distribution Committee, hat das American Jewish Committee sein durchaus eigenes Gepräge. Denn diese Organi- UFA-TON-KINO Wien II., TaberslraBe 8 - T«l. R 42-3-41 'Das fifmtßeater der guten Qeseflsdjaft den Prunkfilm Der Sträfling aus Stambul In den Hauptrollen: Paul Hörbiger, Trade Hesterberg, Lotte Lorring, Willy Forst Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Sonn- und feiertags: ab 4 Uhr I satioii ist enger als irgend eine andere verbunden mit einer der hervorragendsten jüdischer. Persönlichkeiten Amerikas, dem nun leider dahingeschiedenen Louis M a r s h a 1 i. Man kann von de-' Arbeit des American Jewish Commiüee nicht sprechen, ohne fortgesetzt des Wirkens von Marshall zu gedenken. Wie das ComrniUee seihst vor etwa 23 Jahren unter der Mitwirkung dieses bedeutenden Mannes gegründet worden ist. so .hat sich die Entwicklung der Organisation in den letzten :r> Jahren unter der Präsidentschaft und Führung \ on Louis Marshall in dem gleichen umfassenden Rahmen gehalten, wie er von den üriiudungs-Staaiten vorgezeichnet worden ist. Drei Namen geben der Arbeit des A. J. C. ihr Gepräge: Louis M a r s h a i i als Präsident, Cyrus Adler als Vizepräsident und Leiter des Exekutiv- Komitees und schließlich Julius R o s c n w a 1 d. der bedeutende jüdische Philanthrop von Chikago. Die Tätigkeit des A. J. C. zerfällt hauptsächlich in drei Teile. Gleiches Recht für Juden über c* i e ganze Welt ist die erste Forderung in dem Programm des A. J- C. 1) r o h e n d e od v_ .- t a tsächliche V e r 1 e t z u n g dieser Rechte zu b ekämpfen, ist die logische Ableitung aus dem Prinzip des gleichen Rechts für alle Juden. An dritter Stelle steht die Olef c h s t «j 1 i u n g d e r J u d e n in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und erzieherischer Bieziehung, womit die Forderung verbunden ist, alle Ungerechtigkeiten. Verfolgungen oder Nachstellungen zu bekämpfen und aus der Welt zu schaffen. Im Rahmen dieses Programms und in Verfolgung der durch zwei Jahrzehnte hochgehaltenen Prinzipien ergibt sich heute für das A. J. C. eine wichtige Arbeit in der Verteidigung der jüdischen Rechte in P a 1 ä s t i n a, dem Wiederaufbau der zerstörten Kolonien und darüber hinaus der Sicherstellung der politischen und wirtschaftlichen Rechte innerhalb der jüdischen Gemeinschaft auf dem Boden der Väter. Es ist daher nicht \ er\v underlieh, da!< bei den großen Anstrengungen, die die amerikanische Judenheit macht, um ihren bedrängten Brüdern in Palästina zu Hilfe zu eilen, das American Jew ish Committee eine führende Rolle spielt. Doch diese Arbeit für Palästina ist nur ein geringer Teil der Arbeit des A. .1. C. und gibt durchaus nicht den weiten Rah irren wieder, innerhalb dessen sich die Aktivität dos Committee, seiner

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