Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mmmmmmmmmmnmKnmmmm Seite 13 d e ra k f e i e r, bei der ernste Musikvorträge die Würde der Veranstaltung erhöhen, dachte sich in weiser Voraussicht ein hochlöblicher Magistrat und schrieb der „Union" erst — in besonderem Entgegenkommen! — S 25.— und d^nn „wegen Veränderung der Bemessungsgrundlage" — heiliger Amtsschimmel! — weitere S 25.— als „Nachtragszahlung" vor. Herr Stadtrat Breitner, der immer wieder seine Kunst- und MusikHebe betont, wird keine reine Freude an seinen Sachwaltern haben, die so auto- und bureaukratisch vorgehen. Ob es zweckmäßig ist, in dieser Zeit, da man gar nicht besonders gut auf das Rathaus zu sprechen ist, bei einer Gedenkfeier für einen toten Philosoohen solche lebende Beweise von Philosophischer Klugheit zu liefern, lassen wir ganz dahingestellt. Wenn eines Mendelssohn gedacht wird, muß auch der Lustbarkeitssteuersäckel bedacht werden. Geschmackssache. Wahltaktik ist eine schöne Sache. Ihr zuliebe opfert man oft die Gesinnung, ändert Standpunkte, die kurz vorher noch als unverrückbar hingestellt wurden. So darf man auch die J ü d i s c h n a t i on a 1 e n in der Tschechoslowakei nicht erar zu sehr verdammen, wenn sie bei den am Sonntag statteefnndenen Wahlen den Erfolg über das „nationale Ideal" stellten. Da sie bei den bisherigen Wahlen trotz aller Anstrengungen stets mit Glanz durchgeflogen sind, dachten sie, es diesmal gescheiter machen zu wollen, und verbanden sich — mit Tod und Teufel. Nicht die Tschechen, nicht die Deutschen waren ihre Bundesgenossen, nein, die größten Judenfreunde der Welt, die — Polen. Arm in Arm mit diesen forderten sie das Jahrhundert in die Schranken und gewannen, was ihnen ja die Hauptsache ist. Uns aber bleibt ein trüber Geschmack zurück; wohin nationale Mandatssucht führen kann, zeigt dieses Exempel. Glaubensschwindel. In der Verhandlung gegen das Schwindlerkonsortium Blech und Genossen kam unter anderem der Umstand zur Sprache, daß Herr Avigdor Blech aus Przemysl in der Haft zum katholischen Glauben übergetreten war. Man fraffte ihn. weshalb er sich zu diesem Pel.isrionswechsel entschlossen habe Er kam sichtlich in Verwirrung und wollte zunächst keine Aufklärung über diese rein persönliche Glaubenssache geben. Dt?mn rückte er £»Ker doch mit der Sprache heraus und sagte, zum Staatsanwalt Dr. Lachmayer gewendet: Schließlich und endlich sind wir hier unter »tis.;^h kg«* es sparen. Aber Herr Staatsanwalt. Sie dürfen nicht böse sein, in der Haft hört man so vieles und man erlaubt so manches, ich habe Angst vor Ihnen gehabt, man hat mir gesagt, daß Sie ein Antisemit sind, deshalb bin ich zum katholischen Glauben übergetreten. Aber bitte mir nicht böse zu sein, Herr Staatsanwalt Ich bete auch für meine Feinde, ich bete mindestens zwei Stunden im Tage, auch für Sie, Herr Staatsanwalt . . . Wenn ihm das nichts nützen wird, wird der feine Herr Blech bald noch mehr mit seinen Genossen „unter sich" sein können, ThttDochezu VDoch* Jüdische Nobelpreisträger. Zu der in unserer letzten Nummer erfolgten Veröffentlichung der bisherigen Nobelpreisträger jüdischer Abstammung werden wir von geschätzter Seite darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser für das Judentum ehrenvollen Liste der Name des W i ener Juden Prof. Baranyi fehlt, der nicht bloß der erste Jude der früheren Monarchie, sondern überhaupt der erste Gelehrte Oesterreich-Ungarns war, der den Nob e 1 p r e i s erhalten hat. Gastpredigt. Am Sabbath Bereschith, dem 2. November 1929, wird Herr Oberrabbiner S. F ü r s t im Bethause, I., Schönlaterngasse 6 (Schönlaternschul), eine Derasctoah abhalten. Beginn des Gottesdienstes um 9 Uhr vormittags. Thora-Weihe im Pazmanitentempel. Herr Leopold Weinstein, Vorstandsmitglied des Tempelvereines „Aeschel Awroho m'\ hat zur Erinnerung an seine verstorbenen Eltern Adolf und Therese Weinstein s. A. dem Pazmanitentempel eine wertvolle Thorarolle gespendet. Die Einweihungsfeier, die im Rahmen des Simchath-Thorafestesam26. v. M. abends stattfand, vereinigte den Vorstand und die Mitglieder des Vereines in dem festlich beleuchteten schönen Gotteshause. Ist schon der Akt der Einweihung einer neuen Thorarolle an und für sich ein bedeutungsvolles Ereignis für jede Gemeinde, ein Ereignis, das die ewige Wiederemeuerung des Judentums symbolisiert, so bildete die Einführung dieses Sefer-Thora dem Vorstande eine willkommene Gelegenheit, Herrn Leopold Weinstein für seine jahrelange Opferfreudigkeit und Opferwilligkeit zu ehren. Vor dem Maariw-Gebete wurde ein Teil der Thorarollen ausgehoben und von den Funktionären sowie dem Präsidium des Tempelvereines mit Obmann Oskar Schramek an der Spitze feierlich in das Vestibül des Tempels getragen. Dort wurde von dem edlen Spender der neuen Thorarolle die prachtvolle, kostbar geschmückte Gabe empfangen. Unter rituellen Gesängen, die vom Oberkantor VE BEIN WIENEB BET-H AUDI ASOH Wien IL. Tempelgasse 3 Die Uorträse im Wintersemester 1929/30 Samsta?: Dr. Lector Rubin 3 bis 4 Uhi nachm. Bibel Sonntag-: Dr. Lector Rubin 5 „ 6 „ „ Midiasch 6 „ 7 „ abends Choschen Mischpat Montag: Prof. S. Krauss 6 „ 7 „ „ Jüd. Geschichte Dr. Taglicht 7 „ 8 „ n Spräche Salomonis Dienstag: Prof. S. Kraus 6 „ 7 „ „ Jüd. Geschichte Rnbb.Dr.Rosenmann 7 „ 8 » „ Ikkarim Mittwoch: Prof. S. Krauss 6 „ 8 , » Liturgie Donnerst.rRabb.Dr.Roserananu 6,7, 9 Ikkarim Dr. Rubin 7 9 0 u Midraacfc Beginn der Vorträge Sa^aia^ 'dsa 2. November 192», 3 Üb* ucknrittftgt. Die feierliche Er öffaumc tindet Sonntag. Aga 3- NovenUMu: 6 UMm afcaaria statt.