Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-10-25 · Heft 43 (25.10.1929) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064238--17570-3087718
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 12 umnm ittinfMihnmtiKmiiH» £)|E WAHRHEIT und Mutter verloren hat, vor allem die Gemüter bewegen, sollte doch diese Fürsorge vor allem bedacht werden. Und doch, das Merores-Waisenhaus für Mädchen kämpit mit den größten Schwierigkeiten, deren es nur dank der Unterstützung der Kultusgemeinde, die ein Kuratorium mit Präsident Dr. Jakob O r n s t e i n an der Spitze für dieses Waisenhaus bestellt hat, und dank der Spenden hochherziger Gönner, die immer wieder zu neuen Leistungen insbesondere von dem rührigen Damenkomitee des Waisenhauses unter Leitung der Frau Präsidentin Dr. Pick angeeifert werden, Herr werden kann. Diese unendlich traurige Situation des Waisenhauses kann nur in der allgemeinen tristen wirtschaft- Jichen Situation unserer Stadt ihren Grund haben. Wir können keinen anderen Grund hierfür annehmen, denn die größte Hartherzigkeit müßte schwinden, wenn dem Besucher des schönen Hauses frohes Kinderlachen von 50 Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren entgegenschallt. So viele Waisen beherbergt nämlich jetzt das Heim, mustergültig geleitet von den Damen Direktor Lehmann und Frl. Bodensteiner. Unter ihrer Leitung fühlen sich die Kinder, wie man aus ihrem Munde immer wieder vernehmen kann, ungemein wohl, sehen gesund und frisch aus und wissen — glückliche Jugendzeit! — nichts von den Sorgen des Alltags, nichts von den Sorgen derer, die sich um ihr Gedeihen so rührend kümmern. Und dieser Gedanke ist in unserer Zeit der Freudlosigkeit ein erhebender: Kinder, denen das unbarmherzige Schicksal Vater und Mutter geraubt, empfinden nicht diesen schweren Verlust, weil ihnen Väter und Mütter geworden sind, die diese Kinder ins Herz geschlossen haben, wie wenn sie ihre leiblichen wären. Was uns besonders an diesem schönen Werke erfreuen kann, ist die Tatsache, daß die Kinder in gutjüdischem Sinne erzogen werden. Darauf sieht schon das Kuratorium der Kultusgemeinde, das die heute entwertete Stiftung der Frau Charlotte Merores-Itzeles in ihrem Geiste würdig weiterführt. Alle 50 Kinder erhalten rituelle Kost, die trotz aller Nöten reichhaltig ist, auf den Religionsunterricht wird besonders Bedacht gelegt, und die jüdischen Feste werden mit einer Herzlichkeit und Freude gefeiert, die jeden guten Juden begeistern kann. Wir haben in diesen Blättern schon oft über diese herzerhebenden Feste des Merores-Waisenhauses berichtet, berichtet mit dürren Worten, denn unsere Sprache ist zu arm, um die Stimmung wiederzugeben, die Gäste und Insassen des Hauses bei solchen frohen Ereignissen beseelt. Denn immer wieder findet sich ein Kreis von Besuchern bei diesen Anlässen, die alle mit der Empfindung das Haus verlassen, einem gottgefälligen Werke beigewohnt zu haben, und alle nach ihren Kräften mithelfen wollen an demselben; So war es auch bei der am Erew Sukkoth erfolgten Einweihung der schönen Sukkah, die sich die Kinder selbst in frohem Schaffensdrang gebaut hatten. Wieder kamen Gäste, und zwar Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n, Hofrat Dr. S. Frankfurter und die Herren Hofrat Ing. Josef LÖwy, Dozent Dr. Hugo Stern und Sekretär Oskar H i r s c h f e 1 d mit ihren Damen. Sie waren begeistert über die herrliche Laubhütte, begeistert von dem schönen Gesänge und den Rezitationen der Mädchen, die die Feier einleiteten, und fühlten mit den dankbaren Kindern, als ihnen Hofrat Dr. S. Frankfurter, der auch das Tischgebet verrichtete, die Bedeutung des Festtages erklärte und Hofrat Ing. Josef Löwy zu ihnen nach Worten des Dankes über die Hütte des Friedens sprach. Sie waren entzückt von dem schönen Heime, das sie eingehend besichtigten, freuten sich mit den Kindern, die sich ein reichliches Nachtmahl gut schmecken ließen. Und wie sich diese Festteilnehmer gefreut haben, so müßte eigentlich das ganze jüdische Wien sich dieses seines Schmuckkästchens freuen, wenn es — ja wenn es dasselbe in der Bauernfeldgasse 40 aufsuchen würde. Dann würde sich, wir sind überzeugt davon, so mancher Wohltäter finden, der den der Eltern beraubten, aber doch, Gott sei Dank, nicht schutzlosen Kindern zu Hilfe kommen würde. Man spricht so viel von der Reform der Fürsorge; hier haben hochherzige Menschen Gelegenheit, ihren guten Willen zu beweisen, und wenn diese Zeilen nichts anderes bewirkt haben, als einige wenige von ihnen aufgerüttelt zu haben zu guter Tat am Kinde, dem Wertvollsten jedes Volkes, dann freuen wir uns dieses Erfolges. 0. H. WetbdJlbciiiieiUmfii^k Wahrkeit! *f /Jmtäcke ^TbdaumcuwKqen der/aneliüfchen Maskirandachten am Schemini-Azereth-Feste. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarali" veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien am diesjährigen Schemini-Azereth-Feste Samstag, den 26. Oktober, um 6 Uhr früh, im Stadttempel, 1., Seitenstettengasse 4 und im Leopoldstädter-Tempel, II., Tempelgasse 5, sowie um 9 Uhr vormittags im Festsaale des Hotel „Continental", IL, Taborstraße 6 anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste. Kundmadiung. An der Bibelschule der israelitischen Kultusgemeinde XX., Othmargasse 46 wird, soferne eine entsprechende Anzahl von Teilnehmern sich meldet, ein Nachhilfekurs aus israelitischer Religion (hebräisch, biblische Geschichte) für taubstumme Kinder abgehalten. Die Einschreibungen für diesen Kurs finden Dienstag, den 5. November 1. J. im Saale II des genannten Lokales von 3—4 nachmittags statt. Der Unterricht ist für jeden Dienstag und Freitag von 2—4 Uhr nachmittags in Aussicht genommen. Der Kurs ist unentgeltlich. Wien, 18. Oktober 1929. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Z. 6783 ex 1929. Wien, im Oktober 1929. Ju^end-Gottesdiensi für Volks-, Bürger-, Haupt- und Mittelschüler im I. Halbjahr des Schuljahres 1929/30. Bezirk: Synagoge Sabbat Beginn 1. Seitenstettengasse 4 2. Tempelgasse 5 2. Sebastian Kneippgasse 14 3. Untere Viaduktgasse 13 5. Siebenbrunnengasse 1 a 6. Schmalzhofgasse 3 8. Neudeggergasse 12 9. Müllnergasse 21 10. Humboldtgasse 27 13. Eitelbergergasse 15. Turnergasse 22 16. Hubergasse 8 18. Schopenhauerstraße 39 19. Dollinergasse 3 20. Kluckygasse 11 21. Holzmeistergasse 12 a> C £2 *§ £ *■ Ci _. *^ 5-1 ä S © £ üffl2j>P -4-> C a § © 5 9. <d _ö N O r S «p be ropM CO <M a P r_;oö J^VOCN,- cs r '. S o\ i-i i—i *m c\i c/3 bJD CS E o CS j= D ro bC d> OQ ) Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.