Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 43 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT llllllllllllinillllllllllllllllllllllliin iiHiütiuuuu» seite 13 VmlDsek&zulDocke Bernhard Hofbauer. Mit Bernhard Hofbauer, der im hohen Alter von 83 Jahren Sonntag-, den 20. d. M., von uns gegangen ist, verschwindet eine Charakterfigur seltenster Art aus dem jüdischen Leben Wiens. Er war der Typus des strenggläubigen, energischen, unentwegten Vorkämpfers des gläubigen Judentums. Er war der Jude von altem Schrot und Korn; eine markante Persönlichkeit, die sich nicht nur in der ganzen Wiener Gesellschaft großer Wertschätzung und Beliebtheit, sondern auch als Philanthrop einen großen Namen erworben hatte. Als Seniorchef der Firma Adolf &. B. ti o f b a u e r in den Tuchlauben erfreute er sich in der Geschäftswelt wegen seines streng reellen lauteren Charakters des größten Ansehens. Er scheute sich nie und nirgends, seine Grundsätze gegen jedermann laut und vernehmlich zu verfechten. Auch in politischer Beziehung war dies der Fall als Präsident aller Aktionen zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums und auch als Mitarbeiter der Statutenkommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Bernhard Hofbauer gehörte der alten Garde der Fortschrittspartei Wiens an, der Männer wie Professor S u e s s und N o s k e entstammten. Bernhard Hofbauer war nichts Menschliches fremd. So übte und vertrat er auch Humanität und Wohltat. Namentlich sein Wirken in den Volksspeisehallen der „E i n h e i t", deren Gründer er war, ist besonders hervorzuheben. Seit dem 26. April 1908 war Bernhard Hofbauer Präsident dieses eminent wohltätigen Vereines und es muß hier besonders betont und unterstrichen werden, daß zwischen ihm und den Vorstandskollegen nicht die geringste Disharmonie herrschte. Daß er auch dem Vorstand der „T a 1m u d T h o r a" angehörte, soll seine Sorge für die jüdische Erziehung unserer Jugend beweisen. Am meisten aber liebte er sein Bethaus „M a c h s i k e H a d a s" im Lazzenhof. Ihm widmete er seine ganze Zeit und sein ganzes Denken. Dort übte er seine ganze, hingebende Frömmigkeit, dort hielt er Zwiesprache mit dem Allmächtigen. Diese seine Gottesgläubigkeit erhob ihn über alle Widerwärtigkeiten des Lebens, deren er nicht wenige erlitt. Aber auch seine Freuden waren nicht gering. Da ist vor allem die Liebe seiner Kinder, Schwiegerkinder und Enkel zu nennen und dann die treue Anhänglichkeit seiner Freunde, zu denen auch ich mich zählen konnte. Regierungsrat Dir. Dr. S. Krenberger. * . * Dienstag, den 22. d., %9 Uhr vorm., fand vom Trauerhause, I., Franz Josefskai 19, die feierliche Einholung der Leiche, die in einem Leichenauto nach Preßburg überführt wurde, statt. Eine riesige Trauerversammlung hatte sich im Hause selbst eingefunden und die Gassen, durch die sich der Zug bewegte, waren voll Menschen, die Geschäfte in der Judengasse restlos gesperrt. Es war die Heimkehr eines Großen in Israel. Unter den Trauergästen bemerkte man für die Kultusgemeinde Präs. Prof. Dr. Alois Pick, Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein, die Vorsteher David D o h a n, Dr. Josef Ticho und J. Waltuch, Reg.-Rat Dr. Emil Adler, die Sekretäre Meißner und Popper; für die Schiffschul Oberrabbiner Fürst und die Vorsteher Woli Pappenheim und Moritz Leitner; für den Bethausvorstand Herr Julius Berger; für die Bezirkskommission 1. die Herren Julius Brückner, Franz D e n e s, Sigmund Ernst und Markus Kamm; für die Demokratische Mittelpartei Bez.-Rat Doktor Koloman Freuder; die Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Dr. M. Rosen mann und Dr. A. Z. Schwarz; eine Abordnung des Kantorenverbandes unter Führung des Präs. Oberkantor J. Löwit; die Vorstände des Betnauses Machsike Hadath, des Vereines „Einheit*' und vieler anderer Vereinigungen, in denen der Dahingeschiedene verdienstvoll gewirkt; für die „Union deutschösterreichischer Juden" Sekretär Oskar H i r s c h f e 1 d u. v. a. Der Leichenzug bewegte sich, mit den Angehörigen, die dem von Freunden getragenen Sarg nachfolgten, vom Sterbehause zum Bethaus Lazzenhof unter Rczitierung von Trauerpsalmen. Beim Bethaus, mit dem der N'ame Bernhard Hofkantor Kunstadt ergreifend einen Trauerpsalm. Sodann wurde die Leiche zum bereitstehenden Auto gebracht, das die Trauergäste noch ein Stück seines letzten Weges nach Preßburg begleiteten. 70. Geburtstag. Unter den heutigen Verhältnissen, speziell in der Großstadt, verschwindet immer mehr jener berühmte Frauentypus, für den die heilige Schrift die so ehrenvolle Bezeichnung Esches Chajil, das wahrhaft fromme Weib, geprägt hat. Eine solche edle Frau ist Fanny L e i tn e r, geb. B i n e 11 e r, die dieser Tage ihr 70. Lebensjahr in voller geistiger und körperlicher Frische vollendet. Frau Fanny L e i t n e r erfreut sich wegen ihres frommen Lebenswandels, ihrer Herzensgüte und großen Wohltätigkeit allgemeiner Sympathien und Verehrung. Wer dieser prächtigen Frau näherkommt, der ist von ihrem vornehmen und dennoch schlichten Wesen gefangen. Bescheiden und wunschlos für ihre eigene Person, lebt sie als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und widmet sich seit dem Tode ihres unvergeßlichen Gatten Adolf Leitner, der als Vorsteher der Schiffschul so viele Jahre segensreich wirkte, ganz dem Wohle ihrer all verehrten Kinder und Kindeskiuder, die ihr wiederum in jeder Weise den Lebensabend zu verschönern suchen. Ihre Söhne, Kultusvorsteher Moritz L e i tn e r, Philipp und Jenö L e i t n e r, verbringen mit ihren Familien jahraus jahrein die Sabbat-Nachmittage bei ihr, sorgen für Minian und verlassen sie erst nach Awdoloh. Aber auch die in der Tschechoslowakei und in Ungarn in angesehenen Stellungen lebenden Kinder machen sehr oft die Reise nach Wien, um die alte Mutter zu sehen. Lederhandschtthfabrik Josef cKasluiqet Rotentttrmstraße 23 Telephon U 25-5-29 IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40