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Die Wahrheit · 1929-10-25 · Heft 43 (25.10.1929) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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flßflpimflni^niMminiii|i«u|a|1^ Seite Ii des Prozesses Halsmann in der ausgesprochen antisemitischen Presse immer wieder begegnen. Aber auch in einem Teil der klerikalen Presse, die mehr oder weniger verschämt, man kann auch mit ruhigem Gewissen sagen mehr oder weniger unverschämt, den Hetzern bei den rüdesten hakenkreuzlerischen Exzessen die Mauer zu machen pflegt. Was würde die „Reichspost" wohl antworten, wenn man sie fragte: Welchen Eindruck muß es auf einen Leser, mag er Jude, Christ oder Antisemit sein, machen, wenn er in einem Artikel über den Prozeß Halsmann z. B. folgenden Satz findet: „Man gebärdet sich im In- und Ausland, als hänge die Ehre des Judentums von dem Freispruch des Angeklagten ab, gleichgültig, ob er schuldig oder unschuldig sei." Wird die „Reichspost" für die Möglichkeit plädieren, daß ein Leser in diesem Passus eine ehrliche Zurückweisung, und nicht vielmehr eine schlecht verhüllte Bestätigung der Anklage findet, daß die Ehre des Judentums in der Tat von dem Freispruche eines Mörders tangiert werden könnte? Allerdings muß zugegeben werden, daß die „Reichspost" eigentlich doch nicht die richtige Adresse ist, an die diese, eine gewisse Objektivität voraussetzende Anfrage zu richten wäre, denn der zitierte Passus ist Eigenbau der — „Reichspost". # Die „Reichspost" würde — und wie gleich bemerkt werden soll — mit vollem Recht jeden, der die Ehre des Christentums mit der Frage, ob ein als Christ geborener Angeklagter seinen Vater ermordet hat, auch nur in dem entferntesten Zusammenhang brächte, als einen Wahnsinnigen oder als tückischen Verleumder bezeichnen. Warum hält die „Reichspost" es nicht auch für selbstverständlich, daß es in der freisinnigen, also in der sogenannten „Judenpresse" keinen solchen Trottel oder Bösewicht gibt, der dem Judentum die Schmach antäte, Philipp Halsmanns Schuld oder Unschuld als eine Angelegenheit zu betrachten, die die Ehre des Judentums berührt. Ich bin wirklich der Meinung, daß Recht und Gerechtigkeit keine konfessionellen Unterschiede berücksichtigen dürfe, aber ich glaube, gerade die Juden wären vielleicht imstande, beim Vatermörder einen Unterschied zu statuieren: ist er ein Jude, soll er -zweimal gehängt werden Vor Wochen hat schon die „Dötz" mit Mißachtung von Menschlichkeit, Anstand und — strafgerichtlichen Bestimmungen von Halsmann als dem „neugierigen Meuchelmörder" gesprochen und hat mit diesem schönen Beispiele der ganzen hakenkreuzlerischen Presse, die nur den „Juden" Halsmann kannte, vorangeleuchtet. Vielleicht hätte die „Reichspost** christlicher gehandelt, wenn sie d i es e r Presse den Vorwurf gemacht hätte, „sie gebärde sich, als hänge die Ehre des Antisemitismus von der Verurteilung des Angeklagten ab, gleichgültig, ob er Unschuld i g oder schuldig sei." Das Judentum, das der Welt in seinem Dekalog die keine Einschränkung und keine Ausnahme kennende Lehre verkündete: „Du sollst nicht morden!" hat niemals einen schuldigen Mörder geschützt. Den Juden, denen es auch als göttliches Gesetz offenbart worden war, gleiches Recht für den Einheimischen wie für den Fremden, für den Bodenständigen wie für den Zugewanderten gelten zu lassen, die Juden waren auch gefeit gegen inhumane Lehren, wie sie der Antisemitismus verbreitet, die darin gipfeln, daß es zweierlei Recht gibt, der also auch ein Unrecht sanktioniert. Ego. Das Merores- Waisenhaus. Wie viele Wiener Juden wissen, daß ihre Stadt ein Schmuckkästchen beherbergt, das dem husten Schmuck des Volkes, dem Kinde, gewidmet ist. In einer Zeit, die das Kind vielleicht >:u sehr in den Mittelpunkt des Denkens und Fuhlens setzt, sollte doch die Fürsorge ihr jenes Kind, das Vater Union deutschösterreichischer Juden __Wien IX., Berggasse 4 — Telephon A 19-2-77 Kritiken über Prof. Jehudo Epsteins Buch „Mein Weg von Ost nach West": „Ein so schlichtes und dabei in jeder Zeile echtes, also überzeugendes Lebensdokument sollte wahrhaftig mit irgend einem Preise gekrönt werden, um die Aufmerksamkeit von Christen und Juden zu erregen....." Arnold Zweig. „Ein kleiner Judenjunge, geboren in Enge, Elend und Finsternis eines russisch-polnischen Ghettos, faßt den Entschluß, ein berühmter Maler zu werden, — und setzt ihn durch..... Ich mußte weit zurückgreifen, ehe ich ein in Thema und Gehalt paralleles Buch finde. „Meine Kindheit'- von Maxim Gorki ist das einzige Werk, das sich in dieser Hinsicht mit dem Epsteins vergleichen läßt....." Robert Neumann. Prof. Jehudo Epstein liest aus seinem Buche „mein Weg von Osi noch West" am 1. Sprechabend der „Union" Dienstag, den 29. Oktober 1929, 8 Uhr abends im Wissenschaftlichen Klub, VF., Getreidemarkt Nr. 7 (Eingang: VI., Dreihufeisengasse Nr. 1) Gäste willkommen 1 Hochachtungsvoll Das Präsidium der „Union deutschösterreichischer Juden'*

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